Finanzmärkte: Impeachment - Trump und die Märkte

07.10.2019

US-Präsident Trump ist in den vergangenen beiden Wochen in große Bedrängnis geraten. Der Versuch, den ukrainischen Präsidenten von Ermittlungen – gegen die Familie des politischen Widersachers Joe Biden – zu überzeugen, ist ein ernstzunehmender Vorwurf.

Unabhängig von der juristischen und politischen Einordnung lässt sich auch ein Blick auf die Folgen für die Märkte werfen. Dabei fällt zuerst auf, dass die Meldungen und die nahezu stündlichen neuen Informationen über die Vorermittlungen zum Impeachment-Verfahren im US-Repräsentantenhaus die Märkte kaum bewegen. Dies ist im aktuellen Umfeld allerdings auch nicht wirklich überraschend. Zum einen haben die Märkte sich darauf eingestellt, dass die US-Administration häufiger kaum berechenbar ist, zum anderen überlagern die Meldungen zur Konjunktur die politischen Ereignisse. Es sind auch noch keine politischen Auswirkungen eines möglichen Amtsenthebungsverfahrens auf die Ökonomie erkennbar. Die positive Wirkung der Trump-Politik ist mit der ausgelaufenen Steuersenkung bereits verpufft. Die negativen Effekte wie der Handelskrieg oder die Konflikte im Nahen Osten haben Bestand und belasten die Konjunktur. Der möglicherweise daraus folgende Schluss, dass ohne Trump die Märkte wieder steigen könnten, erweist sich aus zwei Gründen als gewagt. Die Schäden der Handelspolitik sind handfest und lassen sich nicht über Nacht reparieren. Ein möglicher Präsident Pence oder auch Biden würden den dann gültigen Status quo aufnehmen und das Rad nicht sofort und vollständig zurückdrehen. Das geht im Handelskonflikt schon aus strategischen Gründen nicht, unterstrichen davon, dass einige inhaltliche Aspekte im Interesse der gesamten westlichen Welt sind. Das reine Impeachment würde die Märkte daher wohl kaum bewegen – möglicherweise jedoch ein politisch wütender Präsident. Umgekehrt sind deutlich sinkende (Aktien) Märkte jedoch sehr wohl in der Lage, den Präsidenten spätestens bei der Wahl im November 2020 zu stürzen. It's the economy, stupid – gilt auch für Trump.

Bunds: Renditen leicht gesunken

Die Renditen von Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit sanken in der vergangenen Woche aufgrund schwacher Konjunkturdaten in Europa und den USA. Bunds gingen mit -0,59 % und US-Treasuries mit 1,52 % ins Wochenende.

Ölpreise: Rezession voraus?

Am Ölmarkt belasten die schwachen Konjunkturdaten. Der Rückgang der US-Einkaufsmanagerindizes lässt Befürchtungen einer anstehenden Rezession aufkommen. Zwar liegt der Index für das Dienstleistungsgewerbe noch über der Expansionsschwelle von 50 Punkten. Für die Rohstoffmärkte ist jedoch das verarbeitende Gewerbe relevant. Dieser Index ist im September auf 47,8 Punkte gefallen. Entsprechend schwächten sich die Notierungen für Rohöl in der vergangenen Woche ab. Die europäische Sorte Brent notierte am Freitag bei etwa 58,50 Dollar und die US-Sorte WTI bei rund 53 Dollar pro Barrel.

Devisen: US-Dollar schwächer

Und auch am Devisenmarkt zeichnet sich die aufkommende Schwäche der US-Konjunktur ab. Die Meldungen zu den beiden Einkaufsmanagerindizes, sorgten jeweils für eine deutliche Kursbewegung in der vergangenen Woche. So sank der Wert des US-Dollars am Donnerstag bis auf 1,099 Dollar pro Euro, nachdem zu Wochenbeginn noch ein Kurs von etwa 1,088 gehandelt wurde. Die schwächeren Konjunkturdaten lassen eine abermalige Zinssenkung der US-Notenbank am 30. Oktober erwarten. Die Zinsdifferenz – der wesentlichen Treiber an den Devisenmärkten – würde damit auch gegenüber der Eurozone weiter abnehmen. Der Dollar wäre weniger attraktiv. Das britische Pfund fährt indes Achterbahn. Gewann es Ende der letzten Woche noch an Wert, nachdem bekannt wurde, dass Boris Johnson gegenüber der EU nun ein neues Angebot unterbreiten würde – trübte sich die Stimmung zum Wochenende wieder ein. Boris Johnson scheint an der gleichen Stelle wie seine Vorgängerin zu scheitern. Auf europäischer Seite verlangt unter anderem Emmanuel Macron bis zum Ende dieser Woche einen substanziellen Vorschlag, während der finnische Ratspräsident bereits von einem abermaligen Aufschub des Brexit‘s ausgeht. Das Pfund steht vor einer turbulenten Woche und notierte zuletzt leicht über 0,89 GBP pro Euro.

DAX: unter 12.000 Punkten

Der Deutsche Aktienindex ist in der vergangenen Woche unter die Marke von 12.000 Punkten gefallen. Konjunktursorgen belasteten den DAX ebenso wie den Dow Jones deutlich. Beide Indizes erholten sich am Freitag zwar leicht, gingen jedoch geschwächt ins Wochenende. Der DAX notierte am Freitag bei 12.012,81 Punkten und der Dow Jones bei rund 26.574 Punkten.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR