Konjunktur: Forschungsinstitute senken Wachstumsprognose

09.10.2019
 

 

Die an der Gemeinschaftsdiagnose teilnehmenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben am vergangenen Mittwoch ihr neues Herbstgutachten veröffentlicht. Gemäß dem Gutachten, das den Titel „Industrie in der Rezession – Wachstumskräfte schwinden“ trägt, hat sich die Konjunktur in Deutschland im laufenden Jahr weiter abgekühlt.

Nach Einschätzung der Wirtschaftsforscher ist das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) sowohl im 2. Quartal, als auch im 3. Quartal gegenüber dem entsprechenden Vorquartal zurückgegangen. Die Überauslastung der Produktionskapazitäten sei inzwischen größtenteils abgebaut. Hauptgrund für die konjunkturelle Abkühlung sei vor allem die Industrie, deren Produktion angesichts einer weltweit schwächeren Investitionsgüternachfrage seit Mitte letzten Jahres rückläufig ist. Zudem strahle die Industrierezession allmählich auch auf die unternehmensnahen Dienstleister aus. Dennoch sei eine Konjunkturkrise, mit einer ausgeprägten wirtschaftlichen Unterauslastung, nicht zu erwarten, obgleich die konjunkturellen Abwärtsrisiken hoch seien.

Insbesondere die Handelskonflikte und der drohende harte Brexit hättendas Potenzial, zu einer schwächeren gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu führen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Datenlage mit einem schwächer als zuvor erwarteten Welthandel korrigieren die Wirtschaftsforscher ihre Wachstumseinschätzung für Deutschland merklich nach unten. Die Forschungsinstitute gehen nunmehr davon aus, dass das preisbereinigte BIP Deutschlands 2019 um 0,5 % und 2020 um 1,1 % expandieren wird. In ihrem Frühjahrsgutachten hatte sie noch mit Wachstumsraten von 0,8 % bzw. 1,8 % gerechnet. Trotz der schwächeren Konjunkturdynamik gehen die Forscher von einem weiteren Beschäftigungsaufbau aus. Die Erwerbstätigenzahl dürfte 2019 um 383.000 und 2020 um 122.000 Menschen zunehmen. Für die Inflationsrate wird ein geringfügiger Anstieg von 1,4 % im laufenden Jahr auf 1,5 % im kommenden Jahr prognostiziert. Der BVR teilt das in der Gemeinschaftsdiagnose skizzierte Konjunkturbild im Wesentlichen,geht aber für 2019 und 2020 weiterhin von einem etwas höheren Wirtschaftswachstum (+0,7 % bzw. +1,3 %) aus.

Trotz des weltwirtschaftlichen Gegenwinds und der hartnäckigen Industrieschwäche ist ein Abgleiten der deutschen Wirtschaft in eine Rezession derzeit wenig wahrscheinlich. Gegen das Eintreten eines starken, breit angelegten und dauerhaften Rückgangs der wirtschaftlichen Aktivitäten spricht nicht zuletzt der anhaltende Bauboom und der weiter voranschreitende Beschäftigungsaufbau.

Herbstbelebung am Arbeitsmarkt

Die solide Grundverfassung des deutschen Arbeitsmarktes dauert an, trotz der verhaltenen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Zudem erhält der Arbeitsmarkt Rückenwind, durch die nach der allgemeinen Sommerpause übliche Belebung. Den aktuellen Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) zufolge, nahm die Arbeitslosenzahl im September gegenüber dem Vormonat um 85.000 auf 2,234 Mio. Menschen ab. Saisonbereinigt ergab sich ein Rückgang um 10.000.

Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote blieb unverändert bei vergleichsweise niedrigen 5,0 %. In den Monatsdaten zur Erwerbstätigkeit und zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung setzten sich die Aufwärtsbewegungen fort. Die Erwerbstätigenzahl ist nach jüngsten amtlichen Schätzungen im August gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 10.000 Personen gestiegen, nachdem sie bereits im Juli (+14.000) zugenommen hatte. Im Vergleich zum August 2018 legte die Erwerbstätigenzahl um 330.000 auf 45,3 Mio. Menschen zu. Maßgeblich für den Anstieg ist weiterhin das Beschäftigungswachstum. Die Beschäftigtenzahl legten zuletzt, im Juli, um deutliche 510.000 auf 33,4 Mio. Menschen zu. Für die nächsten Monate zeichnet sich ein weiterer Beschäftigungsaufbau ab. Hierauf deutet auch der BAStelleindex BA-X, der im September zwar um 3 Punkte nachgab. Der BA-X befindet sich mit 238 Punkte aber noch immer auf hohem Niveau.

Schwächerer Anstieg der Verbraucherpreise

Im September hat sich der Auftrieb bei den Verbraucherpreisen in Deutschland weiter abgeschwächt. Gemäß vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der Verbraucherpreiseindex (VPI) um 1,2 % über seinem Vorjahresmonatswert. Im Juli und August waren die Verbraucherpreise noch mit Jahresraten von 1,7 % bzw. 1,4 % gestiegen. Der Rückgang der Inflationsrate resultiert in erster Linie aus den Energiepreisen, die angesichts der im Vorjahresvergleich niedrigeren Rohölnotierungen nachgaben. So sind die Preise für Haushaltsenergie und Kraftstoffe im September um 1,1 % gesunken, nachdem sie im August noch leicht um 0,6 % gestiegen waren.

Zur rückläufigen Inflationsrate trugen allerdings auch die Nahrungsmittelpreise bei, die sich im September weniger stark verteuerten als zuvor (+1,3 % gegenüber +2,7 % im August). Bei den Dienstleistungspreisen hat der Auftrieb hingegen etwas an Fahrt aufgenommen. Diese verteuerten sich im September um 1,8 %, nachdem sie zuvor um 1,6 % gestiegen waren.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR