Konjunktur: Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt

04.03.2020

 

Der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich noch immer in einer robusten Grundverfassung, trotz der durch die Coronavirus-Krise gestiegen Konjunktursorgen. 

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist die Arbeitslosenzahl im Februar gegenüber dem Vormonat um 30.000 auf 2,396 Mio. Menschen gesunken. Maßgeblich für den Rückgang der Arbeitslosigkeit war die einsetzende Frühjahrsbelebung. Zum Ende der Winterpause werden in der Wirtschaft üblicherweise viele Neueinstellungen vorgenommen. Allerdings ging die Arbeitslosigkeit auch in saisonbereinigter Rechnung zurück (-10.000 Personen). Dieser Rückgang ist auf das vergleichsweise milde Winterwetter zurückzuführen, kann aber auch als ein Zeichen für die konjunkturelle Stabilität Deutschlands interpretiert werden. Die robuste Grundverfassung des Arbeitsmarkts zeigt sich auch in den aktuellen Monatsdaten zur Erwerbstätigkeit und zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. So ist die Erwerbstätigenzahl im Januar gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 18.000 gestiegen. Die saisonbereinigte Beschäftigtenzahl legte nach jüngster amtlicher Hoch-rechnung im Dezember sogar um kräftige 59.000 Menschen zu. Frühindikatoren wie der BA-Stellenindex BA-X lassen allerdings für die nächsten Monate eine Abschwächung des Beschäftigungsaufbaus erwarten. Der BA-X ist im Februar um 2 auf 116 Punkte zurückgegangen.

Leichte Verbesserung des ifo Geschäftsklimas

Ungeachtet der Sorgen um die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie ist der ifo Geschäftsklimaindex für Deutschland im Februar gestiegen. Der konjunkturelle Frühindikator legte gegenüber dem Vormonat geringfügig um 0,1 Punkte auf 96,1 Punkte zu. Maßgeblich für den Anstieg des Geschäftsklimaindexes war seine Erwartungskomponente. So habe die vom ifo Institut befragten Unternehmen ihre Geschäftsaussichten für das nächste halbe Jahr insgesamt etwas weniger pessimistisch bewertet als zuvor. Die aktuelle Lage beurteilten die Umfrageteilnehmer allerdings etwas vorsichtiger. Alles in allem deuten die neuesten Umfrageergebnisse darauf hin, dass die gesamtwirtschaftliche Stagnation in Deutschland im 1. Quartal anhalten wird. Hierauf lässt auch das BVR Konjunkturbarometer schließen, das zuletzt von 36 Punkten im Januar auf 27 Punkte im Februar sank. Das BVR Konjunktur-barometer ist ein neuer Frühindikator des Wirt-schafts- und Kreditwachstums und wird seit Januar 2020 monatlich im Rahmen des „BVR Volkswirtschaft Kompakt“ veröffentlicht.

Inflationsrate bleibt bei 1,7 %

Im Februar blieb hierzulande der Preisauftrieb auf der Verbraucherstufe unverändert moderat. Gemäß vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes verharrte die auf dem Verbraucherpreisindex (VPI) basierende Inflationsrate auf ihrem Januar-Stand von 1,7 %. Die einzelnen Teilindizes des Gesamtindexes zeigten aber unterschiedliche Tendenzen. Während sich der Preisanstieg bei Energie im Zuge niedrigerer Rohölnotierungen verminderte (+2,0 % nach +3,4 % im Januar), verteuerten sich Nahrungsmittel stärker als zuvor (+3,3 % nach +2,3 %). Bei den Dienstleistungspreisen, deren Gewicht am Gesamtindex bei gut 50 % liegt, veränderte sich im Februar nur wenig. Sie legten, nach einem Anstieg um 1,5 % im Januar, im Februar um 1,6 % zu. In den nächsten Monaten dürfte der Preisdruck auf der Verbraucherstufe moderat bleiben. Dies legen zumindest die Industrie-Erzeugerpreise nahe, die zuletzt, im Januar, lediglich um 0,2 % stiegen.

Stagnierende BIP-Entwicklung bestätigt

Das Statistische Bundesamt hat inzwischen ausführliche Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung Deutschlands im 4. Quartal 2019 vorgelegt und dabei das zentrale Ergebnis seiner Schnellmeldung von Mitte Februar bestätigt. Den Angaben zufolge ist das Wirtschaftswachstum am Jahresende zum Stillstand gekommen. Das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) stagnierte gegenüber dem Vorquartal (0,0 %), nachdem es im 3. Quartal noch leicht um 0,2 % gestiegen war. Gemäß den aktuellen Daten zeigte sich die Konjunktur im 4. Quartal weiterhin gespalten. Die Konsumausgaben (+0,1 %) legten erneut zu, wenn auch weniger dynamisch als noch im wachstumsstarken 3. Quartal (+0,7 %). Auch die Bauinvestitionen (+0,6 %) zogen weiter an, unter anderem befördert durch die milde Witterung. Die Ausrüstungsinvestitionen (-2,0 %) gaben hingegen angesichts des schwierigen weltwirtschaftlichen Umfelds mit andauernden Handelskonflikten und Brexit-Unsicherheiten erneut merklich nach. Der Außenhandel dämpfte den BIP-Anstieg ebenfalls, da die Exporte (-0,2 %) sanken, während die Importe (+1,3 %) wegen der insgesamt robusten Binnennachfrage zulegten. Jüngste Schätzungen des BVR legen nahe, dass die gesamtwirtschaftliche Stagnation in Deutschland zu Jahresbeginn 2020 andauern wird. Sie signalisieren für das 1. Quartal lediglich einen gering-fügigen BIP-Zuwachs um 0,1 Prozent.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR