Führung 4.0 – die Herausforderung meistern

07.01.2021

Von Jutta Wiedemann

Jutta Wiedemann, Abteilungsleiterin Betriebliche Personalpolitik und Fachkräftesicherung, Allgemeiner Verband der Wirtschaft e.V. (AWB)

Neue Führungskonzepte für die Arbeitswelt 4.0

Die Welt befindet sich in einem umfassenden Wandel. Heute spricht man von Industrie 4.0. Der Begriff „4.0“ steht für die vierte industrielle Revolution.

Dabei geht es um die Digitalisierung von Produktion und Arbeitswelt. Viele Unternehmen befinden sich in einem umfassenden Transformationsprozess. Es geht nicht nur um neue Technologien, wie in den vergangenen Perioden, sondern auch um eine neue Produktions- und Arbeitswelt im globalen Zeitalter. All dies wird nun durch die Corona-Pandemie zusätzlich beschleunigt.

Arbeit wird immer digitaler

Klassische Computertätigkeiten sind durch den voranschreitenden flächendeckenden Ausbau der digitalen Netze inzwischen fast überall möglich. Dadurch lassen sich diese Arbeiten zeit- und ortsabhängig durchführen. Auch Fabrikarbeitsplätze ändern sich: Noch vor Kurzem wurden Schichtpläne beispielsweise ausgedruckt und in der Fabrikhalle ausgehängt. Inzwischen rufen immer mehr Mitarbeitende ihre Schichtpläne per Mobiltelefon ab. Umso schneller und effizienter kann man sich nun darüber austauschen, Zeiten verschieben, Abwesenheiten ausgleichen. Immer mehr Schichtleiter steuern ihre Maschinen virtuell. Und eine wachsende Zahl von Logistikern nutzt ganz selbstverständlich AR-Brillen, um ökonomischer und flexibler agieren zu können.

Arbeit 4.0 braucht Führung 4.0

Die Arbeitswelt 4.0 wird immer flexibler, durchlässiger und vernetzter. Die neuen Technologien und Arbeitsweisen beschleunigen die Umsetzung vieler Prozesse – und machen sie gleichzeitig immer komplexer. Unternehmen sind gezwungen, vorausschauend zu handeln. Denn nur dadurch sichern sie ihre Wettbewerbsfähigkeit in einem dynamischen Umfeld.

Moderne Führungskräfte müssen ihren Führungsstil und ihr Rollenverständnis diesen tiefgreifenden Veränderungen anpassen. Stärker als bisher müssen sie eine Gesamtvision haben und diese auch kompetent vermitteln. Moderne Führungskräfte verstehen sich als Moderatoren und Coaches. Sie können zuhören. Sie treffen ihre Entscheidungen ganz bewusst nicht mehr allein. Sie wissen: Das könnte sie in der komplexen modernen Arbeitswelt schnell überfordern. Eine gute Führungskraft nutzt die Kompetenzen ihres Teams, um gemeinsam die richtigen Entscheidungen zu treffen und erfolgreich zu sein.

© Pixabay

Führung 4.0 ist,

der Komplexität und Dynamik einer sich ständig veränderten Arbeitswelt effektiv mit einem umfassenden Führungsverständnis zu begegnen. Neue Führungsformen sind notwendig. Personalentwicklung und Kommunikation werden in ganz besonderer Weise zur Führungsaufgabe.

Die neue VUKA-Welt (volatil, unsicher, komplex, agil) verlangt Orientierung und Halt. Es sind weiterhin die Menschen, um die es geht. Führung 4.0 schafft neue Möglichkeiten, Mitarbeitenden zu helfen, erfolgreich zu sein.

Erfolgreiche Teams brauchen Impulsgeber.

Bei guter Führung geht es schon längst nicht mehr ausschließlich darum, an der Spitze zu stehen und Anweisungen zu erteilen. Es geht darum, die immer komplexeren Herausforderungen mit einem motivierten Team zu lösen.

Dazu benötigen Führungskräfte eine herausragende Sozialkompetenz. Sie müssen wissen, welche Kolleginnen und Kollegen im Team über welche Kompetenzen und Fähigkeiten verfügen, ob diese an den richtigen Stellen zum Einsatz kommen und wie man auch in Krisen richtig motiviert. Die Führungskraft 4.0 ist Impuls-, Ideen- und Motivationsgeber zugleich. Die Führungskraft 4.0 ermöglicht den Teamerfolg.

Kommunikation ist alles.

Digitale Kollaboration wird das zukünftige Führungsleben immer stärker prägen. Der Schritt ins Nachbarbüro wird zum Videotalk. Die fehlerhafte Funktion der CNC-Maschine wird im virtuellen Chat beseitigt. Der Austausch mit den Mitarbeitenden wird nicht abnehmen, er wird sich verändern. Dabei bleibt Kommunikation die wichtigste Voraussetzung, um ein Team erfolgreicher zu machen. Nicht nur in Pandemiezeiten gilt es, neue Wege zu finden, um auch auf Distanz in einem guten Austausch zu bleiben. Sinnvoll sind feste Rituale. So lassen sich zum Beispiel ein kurzer morgendlicher Videotalk oder Messenger-Dienste gezielt nutzen, um einzelne oder Gruppen schnell und gut zu erreichen und die Stimmung im Team auszuloten.

Persönlichkeit lässt sich nicht digitalisieren

In der immer dynamischeren Arbeitswelt 4.0 bleibt der Mensch der zentrale Faktor. Mit all seinen Stärken und Schwächen. Umso wichtiger ist es, dass Führung Halt und Orientierung bietet. An die Stelle von starren Anweisungen tritt eine bewusst gepflegte interaktive Feedbackkultur. Klassische Hierarchien werden durch Führung auf Augenhöhe ersetzt.

Entscheidend ist, dass sich die gesamte Organisation entwickelt. Das gelingt, indem man gelebte Werte und gemeinsame Ziele immer wieder neu überprüft und nötigenfalls anpasst. Voraussetzung für Veränderung ist neues Denken an der Unternehmensspitze. Veränderung kann nur top down erfolgen. Sie gelingt, wenn sich die Führungsspitze zu einem neuen Führungsstil bekennt und diesen auch im Arbeitsalltag konsequent lebt.

Lebenslanges Lernen – auch für die Führung

Die aktuelle Pandemie hat zu einer intensiven Lernkurve geführt. Um in der Arbeitswelt 4.0 Schritt halten zu können, ist lebenslanges Lernen elementar. Das gilt auch und gerade für Führungskräfte. Gute Führung bedeutet, Neuem aufgeschlossen zu begegnen und Mitarbeitende zu motivieren, sich stets weiter zu bilden. Dabei wird es zukünftig weniger um klassische Schulungen im Rahmen von Präsenzveranstaltungen gehen, als vielmehr um die Aneignung von Wissen über cloudbasierte Lernformen bzw. informelles Lernen.

Führung 4.0 heißt, stets genug Raum für innovative Ideen zu lassen. In einer vernetzten Arbeitswelt geht es darum, Netzwerke aufzubauen, zu pflegen und für die eigenen Führungsaufgaben zu nutzen. Erfolgreiche Führungskräfte begegnen ihren Mitarbeitenden mit Wertschätzung und fordern und fördern sie ganz nach ihren Fähigkeiten. Denn sie wissen: Erfolg ist planbar.

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Jutta Wiedemann

Über die Autorin

Bild: Jutta Wiedemann

Als Abteilungsleiterin für Betriebliche Personalpolitik, Digitale Arbeitswelt und Fachkräftesicherung beim Allgemeinen Verband der Wirtschaft für Berlin und Brandenburg e. V. (AWB), berät Jutta Wiedemann Mitgliedsunternehmen des AWB zu diesen Themen.

Im Rahmen des 2015 gegründeten Digitallabors ist sie Projektleiterin des Digitalforums „Führen“, einem Format für die spezifische Entwicklung von Nachwuchsführungskräften aus der Wirtschaft und der Bundeswehr.

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