Finanzmärkte: Geld- und Fiskalpolitik noch expansiver

08.06.2020

Die vergangene Woche brachte für Deutschland und Europa umfangreiche Konjunkturimpulse.

Während die deutsche Fiskalpolitik mit einem Konjunkturprogramm aufwartete, steuerte die europäische Geldpolitik eine Erweiterung des Ankaufprogrammes von Anleihen bei. Das Konjunkturpaket der Bundesregierung umfasst ein Volumen von 130 Mrd. Euro und beinhaltet im Grunde zwei Teile. Ein erster etwa 80 Mrd. Euro umfassenden Teil des Paketes umfasst Maßnahmen zur Nachfragesteigerung im klassischen Sinne. Hierzu zählt neben der befristeten Senkung der Mehrwertsteuer auch eine Unterstützung der Kommunen als teilweise Kompensation der ausgefallenen Gewerbesteuer – was Investitionen der Kommunen forcieren soll. Hinzu kommt eine erweiterte Möglichkeit der Verlustrückträge in das Jahr 2019, Überbrückungshilfen für KMU und eine Sozialgarantie, welche die Sozialversicherungsbeiträge bis Ende 2021 auf 40 % deckeln soll. Der zweite Teil des Konjunkturpaketes umfasst rund 50 Mrd. Euro die unterschiedlichen Maßnahmen zur Förderung von Klima und Zukunftstechnologien. Neben einer Förderung der Wasserstofftechnologie zählt hier beispielsweise der weitere Ausbau des schnellen Internets in Deutschland, aber auch eine erhöhte Förderung von Autos mit alternativen Antriebsarten. Letzteres stellt insofern eine Überraschung dar, als dass keine allgemeine Kaufprämie für alle Antriebsarten beschlossen wurde. Zur Finanzierung wird ein Teil der Beträge aus bereits bewilligten und nicht ausgeschöpften Haushaltsposten umgewidmet bzw. betreffen den Haushalt 2021 oder das Budget der Länder. So ist für das Konjunkturpaket ein neuer Nachtragshaushalt von etwa 30 Mrd. Euro in 2020 notwendig. Auch dieses Volumen hat jedoch Einfluss am Kapitalmarkt und sollte für steigende Renditen von Bundesanleihen sorgen. Entsprechend hilfreich ist die Ausweitung des Anleihekaufprogrammes der EZB von zuletzt 750 Mrd. Euro auch 1.350 Mrd. Euro, welches gleichzeitig bis Ende Juni 2021 verlängert wurde. Es wird sich zeigen, ob dieses Volumen reicht, um der anstehenden Flut von Staatsanleihen eine ausreichende Nachfrage entgegenzusetzen, um die Renditen niedrig zu halten. Aktuelle Emissionen – auch von Italien – sind im aktuellen Umfeld noch deutlich überzeichnet. Die Nachfrage scheint bis auf weiteres so groß zu sein, dass die Renditen europäischer Staatsanleihen weiter sinken könnten.

Bundesanleihen weniger gefragt

Während die Ausweitung des Anleihekaufprogrammes der EZB insbesondere italienischen und spanischen Staatsanleihen Auftrieb verschaffte, sanken die Kurse von Bundesanleihen. Die Aussicht auf umfangreiche monetäre und auch fiskalische Maßnahmen durch die EU zur Bekämpfung der Folgen der Pandemie lassen die Risikoaufschläge sinken. Das Risk-on Verhalten lässt den sicheren Hafen von Bundesanleihen zunächst weniger attraktiv erscheinen. Entsprechend sinken die Kurse vice versa steigen die Renditen. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten zum Wochenende mit -0,28 %. Zehnjährige italienische Papiere wiesen eine Rendite von 1,44 % und spanische Anleihen 0,57 % auf. Die positive Grundstimmung könnte sich als fragil erweisen. Risiken für eine schnelle Erholung bleiben eine zweite Welle der Pandemie, aber auch schwächere Wachstumsraten in China und den USA.

Euro deutlich stärker

It's the expectations, stupid! Die noch expansivere Geldpolitik der EZB sollte den Euro eigentlich schwächen. Allerdings zeigt die Ausweitung des Kaufprogrammes, dass eine weitere (Währungskurs beeinflussende) Zinssenkung des Einlagensatzes aktuell kein Thema für die EZB-Strategie ist. Die Bereitschaft auf anderen Wegen die extrem expansive Geldpolitik sorgt für geringere Zinssenkungsfantasien. Ergänzt um die fiskalischen Maßnahmen in Deutschland und eine mögliche Einigung über einen europäischen Aufbaufonds, während der deutschen Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 werden Erwartungen für einen schnelleren Aufschwung geschürt. Dieser hätte eine schnelle Normalisierung der Geldpolitik zur Folge. Dies ist ein möglicher Ansatz die Rallye des Euro gegenüber dem US-Dollar zu erklären. Für einen Euro mussten Ende der letzten Woche fast 1,14 US-Dollar gezahlt werden.

Risk-on!

Auch am Aktienmarkt zeigt sich eine ausgeprägte Risk-on Stimmung. Der DAX stieg infolge der expansiven Geld- und Fiskalpolitik deutlich auf 12.848 Punkte an. Am Freitag wirkten die sehr positiv ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten sowohl auf den DAX, insbesondere aber auf den Dow Jones. Dieser stieg auf 27.222 Punkte. Die Arbeitslosenquote fiel von 14,7 auf 13,3 %. Allerdings wurde der Wert aufgrund eines Datenfehlers um etwa 3 % zu gering veröffentlicht. Jedoch wäre auch das eine Überraschung. Das Ende von Lockdown-Maßnahmen sollte mehr Menschen in den Job zurückgeholt haben, als zunächst erwartet.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR