Finanzmärkte: Geopolitische Entspannung?

13.01.2020

Nachdem zu Beginn der vergangenen Woche zunächst alles nach einer Eskalation im Konflikt zwischen dem Iran und den USA aussah, vermied der Iran durch eine in den Augen der Trump-Administration moderate Vergeltung weitere Reaktionen.

Es bleibt unklar, ob der Iran innenpolitisch damit das Signal setzen konnte, welches die Hardliner in Teheran benötigten. Eine zusätzliche Wendung verursachte das Eingeständnis Irans – nach anfänglichem Abstreiten – für den Absturz der ukrainischen Passagiermaschine verantwortlich zu sein. Die innenpolitische Unruhe – nach dem Eingeständnis und damit verbunden dem Lügenvorwurf der iranischen Bevölkerung gegen das Regime – sind durchaus im Sinne der Trump-Regierung. Der breite antiamerikanische Fokus der Iraner hat nur kurz geweilt. Eine weitere Eskalation scheint aktuell wenig wahrscheinlich. Es sei denn, die Hardliner wollen mit zuordenbaren militärischen Attacken von der Innenpolitik ablenken. Die insgesamt abwartende Haltung der USA deutet darauf hin, dass Donald Trump die Möglichkeit sieht, die politische Führung in Teheran – zur Erhaltung der Macht – doch noch zu einem neuen Atom-Abkommen zu bewegen. Der Druck sollte sowohl innenpolitisch als auch außenpolitisch weiter so hoch sein, dass ein Abkommen vorteilhaft erscheint. Diese Strategie könnte für Donald Trump neben der Deeskalation im Handelskonflikt mit China der entscheidende Faktor für seine Wiederwahl werden. Die Strategie des maximalen Druckes und der dann anschließenden Einigung hat für ihn dann mehrfach funktioniert. Für Europa bedeutet dies, dass es während des Wahlkampfes vermutlich keine Eskalation im Handelskonflikt mit den USA mehr geben sollte. Bei einer Wiederwahl müssen sich Europa und ganz besonders Deutschland jedoch hierauf einstellen – im Bundestagswahljahr 2021.

Sicherer Hafen war nur kurzzeitig nötig

Bundesanleihen und US-Treasuries sowie weitere als sehr sicher geltende Staatsanleihen waren während der Zuspitzung des Konfliktes mit dem Iran gesucht und die Renditen sanken entsprechend. Im Verlauf der vergangenen Woche wagten sich die Anleger jedoch wieder aus dem sicheren Hafen heraus, was die Renditen im Wochenverlauf steigen ließ. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten am Freitag bei -0,23 % rund 5 Basispunkte über der Rendite zu Wochenbeginn. Zehnjährige US-Treasuries rentierten ebenfalls etwa 5 Basispunkte höher bei 1,78 %.

Ölpreis sinkt – trotz oder wegen Iran-Konflikt

Bemerkenswert schnell haben die Marktteilnehmer am Ölmarkt den Schock über die Konfrontation zwischen Iran und den USA verdaut. Insbesondere die fast schon verständnisvolle Reaktion Donald Trumps auf den (versehentlichen) Abschuss des ukrainischen Passagierflugzeugs sorgte für Erleichterung am Markt. Bei aller Tragik des Absturzes ist die zurückhaltende US-Reaktion tatsächlich ein Hoffnungsschimmer, dass eine weitere Eskalation vermieden wird. Die US-Sorte WTI notierte am Freitagabend annähernd 59,00 Dollar pro Barrel auf dem Niveau von Mitte Dezember, ebenso die europäische Sorte Brent mit rund 65,00 Dollar pro Barrel.

US-Dollar etwas schwächer

Nachdem der US-Dollar in der vergangenen Woche als sicherer Hafen gesucht war, kehrte sich dies zum Ende der letzten Woche wieder um. Der US-Dollar verlor gegenüber dem Euro im Zuge der Vermeidung weiterer Eskalationen im Konflikt zwischen Iran und den USA. Allerdings wirkten auch die Arbeitsmarktdaten auf den US-Dollar ein. Diese waren zwar nicht schlecht und die Erwartungen zur Anzahl der neu geschaffenen Stellen (Dezember) wurde mit 145.000 nur leicht unter den Erwartungen gemeldet. Allerdings legten die Löhne lediglich im 0,1 % zum Vormonat zu. In der fortlaufenden Tendenz spricht dies weiterhin gegen einen Lohndruck auf die Inflation und somit letztlich gegen eine Zinserhöhung, welche den Dollar wieder attraktiver machen würde. Am Freitag mussten für einen Euro 1,11 US-Dollar aufgewandt werden.

Heureka! 29.000 im Dow Jones

Der Dow Jones knackte am Freitag der vergangenen Woche erstmals die Marke von 29.000 Punkten. Der Risk-On-Modus der Marktteilnehmer sorgte dafür, dass bereits im frühen Handel diese neue Höchstmarke erreicht wurde. Allerdings konnte der Dow Jones die Marke im Laufe des Tage nicht verteidigen und sank bis zum Handelsschluss auf 28.824 Punkte. Im Wochenverlauf ging der Us-Leitindex dennoch mit einem Plus ins Wochenende. Das trifft auch auf den Deutschen Leitindex DAX zu, der mit 13.483 Punkten seinem Allzeithoch von 13.597 Punkten immer näher kommt. Die aktuelle Woche hält mit der Unterzeichnung des Phase-1- Abkommens zwischen China und den USA einen Höhepunkt bereit, den der Markt entsprechend euphorisch feiern sollte. Ein neues Allzeithoch scheint auch beim DAX in der aktuellen Woche möglich.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR