Konjunktur: Geschäftsklima stabilisiert sich

30.10.2019
 

 

Die Stimmung in den Unternehmen der deutschen Wirtschaft scheint sich allmählich zu festigen.

Nach Angaben des ifo Instituts verharrte der ifo Geschäftsklimaindex im Oktober auf seinem Vormonatsniveau von 94,2 Punkten. Zuvor, im September, war der konjunkturelle Frühindikator leicht gestiegen, erstmals nach fünf Rückgängen in Folge. Die Komponenten des Geschäftsklimas zeigten im Oktober unterschiedliche Tendenzen. Während die aktuelle Lage von den befragten Unternehmen per Saldo weniger häufig mit "gut" bewertet wurde, hellten sich ihre Erwartungen für die nächsten sechs Monate auf.

Der Saldo der Prozentanteile von "günstiger"- und "ungünstiger"- Meldungen zur künftigen Geschäftslage befindet sich mit -8,1 Punkten aber weiterhin im negativen Bereich, was angesichts der unvermindert hohen globalen Unsicherheiten nicht verwundert (Stichworte: schwelende Handelskonflikte, Unklarheiten über den Brexit, schwache Weltkonjunktur). Verhalten stimmt auch, dass die durchschnittliche Kapazitätsauslastung der befragten Industrieunternehmen um 1,3 Prozentpunkte auf 82,6 % sank. Sie befindet sich damit zum ersten Mal seit dem 3. Quartal 2013 unter ihrem langjährigen Mittelwert von 83,7 %.

Konsumklima bleibt auf hohem Niveau

Trotz der anhaltenden Unsicherheiten über die Ausgestaltung des Brexit und den Fortgang der Handelskonflikte ist die Stimmung unter den Verbrauchern in Deutschland weiterhin gut. Gemäß der jüngsten Verbraucherbefragung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ist das GfKKonsumklima von September auf Oktober minimal um 0,1 Punkte auf 9,8 Punkte gestiegen. Für November zeichnet sich nach GfK-Angaben allerdings ein leichter Rückgang auf 9,6 Punkte ab. Den Angaben zufolge waren zuletzt sowohl die Indikatoren der Konjunktur- und Einkommenserwartungen, als auch der Indikator der Anschaffungsneigung rückläufig.

Die Einkommenserwartungen und die Anschaffungsneigung befinden sich jedoch nach wie vor auf sehr hohen Niveaus. Alles in allem signalisieren die aktuellen Umfrageergebnisse des ifo Instituts und der GfK, dass die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Deutschlands, nach einem schwachen Sommerhalbjahr, zum Jahresende wieder an Fahrt aufnehmen könnte.

Abnehmendes Verbrauchervertrauen im Euroraum

Im Gegensatz zur Entwicklung in Deutschland, hat sich im Euroraum als Ganzes die Konsumentenstimmung im Oktober etwas verschlechtert. Nach vorläufigen Angaben der EU-Kommission ist der Indikator des Verbrauchervertrauens von -6,5 Punkten im September auf -7,6 Punkte gesunken. Der, auf einer von der EU-Kommission in Auftrag gegebenen Konsumentenbefragung basierende, Indikator befindet sich damit aber weiterhin deutlich über seinem langjährigen Mittelwert von -10,7 Punkten. Er folgt seit Jahresbeginn im Wesentlichen einer Seitwärtsbewegung.

Das nach wie vor hohe Niveau des Verbrauchervertrauens lässt eine Fortsetzung des merklichen Konsumwachstums im Euroraum erwarten. Die privaten Konsumausgaben waren zuletzt, im 2. Quartal, gegenüber dem Vorquartal preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,2 % gestiegen, gestützt durch eine weitere Entspannung der Arbeitsmarktlage. Sie hatten mit 0,1 Prozentpunkten zum Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 0,2 % beigetragen. Erste amtliche Angaben zur BIP-Entwicklung im 3. Quartal werden am 31. Oktober veröffentlicht.

Erzeugerpreise gesunken

In Deutschland ist der Preisauftrieb auf der Erzeugerstufe im September zum Stillstand gekommen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte minimal (-0,1 %) unter seinem entsprechenden Vorjahresmonatswert. Die Erzeugerpreise sind damit erstmals seit Oktober 2016 (-0,5 %) gesunken. Im August waren sie noch leicht gestiegen (+0,3 %). Für den Preisrückgang waren in erster Linie die Energiepreise verantwortlich, die im September angesichts niedrigerer Rohölnotierungen um 1,9 % nachgaben. Darüber hinaus kam es auch bei Vorleistungsgütern zu einem Preisrückgang (-1,0 %). Hier verbilligten sich insbesondere die Preise für Sekundärrohstoffe (-15,0 %) und elektronische integrierte Schaltungen (-12,4 %).

Die Preise für Gebrauchs- (+1,4 %), Investitions- (+1,5 %) und Verbrauchsgüter (+1,8 %) haben sich hingegen moderat verteuert. Insgesamt legen die Erzeugerpreise für die nahe Zukunft eine weiterhin gedämpfte Entwicklung der Verbraucherpreise nahe. Die Verbraucherpreise, gemessen am Verbraucherpreisindex (VPI), waren im September mit einer Jahresrate von 1,2 % gestiegen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR