Konjunktur: Geschäftsklima stabilisiert sich

03.06.2020

 

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Mai etwas von der dramatischen Eintrübung der Vormonate erholt.

Der auf Grundlage einer monatlichen Unternehmensumfrage des Münchener ifo Instituts erhobene Geschäftsklimaindex ist von 74,2 Punkten im April auf 79,5 Punkte gestiegen. Ausschlaggebend für die Stimmungsaufhellung waren die Geschäftserwartungen: Im Zuge der Lockerungen von Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie haben die Umfrageteilnehmer ihre Perspektiven insgesamt nicht mehr ganz so negativ bewertet wie zuvor. Dennoch rechnen die Unternehmen weiterhin mehrheitlich für die nächsten sechs Monate mit einer Verschlechterung der Geschäftslage. So ging im Mai per Saldo rund ein Drittel der Firmen davon aus, dass die Lage „ungünstiger“ wird. Zudem beurteilten die Unternehmen ihre aktuelle Situation nochmals negativer als zuvor. Die Lage wird derzeit von per Saldo rund einem Fünftel der Umfrageteilnehmer als „schlecht“ bezeichnet. Das Geschäftsklima hat sich im Mai in allen betrachteten Wirtschaftsbereichen erholt. Insbesondere im Einzelhandel hellten die vorgenommenen Lockerungen die Stimmung auf.

Leichte Erholung des Konsumklimas

Nicht nur in den Unternehmen, auch unter den Verbrauchern in Deutschland hat sich die Stimmung im Mai etwas gefestigt. Die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) prognostiziert, dass das GfK-Konsumklima im Juni gegenüber dem Vormonat um 4,2 Punkte auf -18,9 Punkte steigen wird. Das Stimmungsbarometer war zuvor stark eingebrochen. Trotz der prognostizierten Erholung befindet es sich auf dem zeitniedrigsten Stand, der jemals gemessen wurde. Nach GfK-Angaben legten jüngst sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartungen als auch die Anschaffungsneigung der befragten Verbraucher zu. Der Teilindikator der Konjunkturerwartungen stieg im Mai, nachdem er zuvor zwei Monate gesunken war, auf -10,4 Punkte. Der Teilindikator der Einkommenserwartungen kletterte, nach einem außerordentlich starken Rückgang im April, auf -5,7 Punkte. Der Teilindikator der Anschaffungsneigung schließlich legte auf 5,5 Punkte zu, offenbar begünstigt von der schrittweisen Öffnung viele Geschäfte. Alles in allem deuten die aktuellen Umfrageergebnisse der GfK und des ifo Instituts darauf hin, dass die konjunkturelle Talfahrt Deutschlands allmählich zum Stillstand kommen wird. Sie stehen im Einklang mit Prognosen, die - nach einem erwarteten Rückgang des preis-, kalender- und saisonbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) im 2. Quartal im noch nie gemessenen Umfang - für die zweite Jahreshälfte wieder eine gewisse Belebung nahelegen.

Schwächerer Verbraucherpreisanstieg

In Deutschland hat die Preisdynamik auf der Verbraucherstufe weiter nachgelassen. Gemäß vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der Verbraucherpreisindex (VPI) im Mai um 0,6 % über seinem Vorjahresmonatswert. Im März und April hatten sich die Preise noch um 1,4 % bzw. 0,9 % verteuert. Maßgeblich für den erneuten Rückgang der Inflationsrate waren die Energiepreise. Haushaltsenergie und Kraftstoffe haben sich im Mai stärker verbilligt als zuvor (-8,5 % nach –5,8 %). Hauptgrund hierfür waren die Rohölpreise, die im Zuge des krisenbedingten Nachfragerückgangs merklich nachgaben. In naher Zukunft ist mit einem weiterhin gedämpften Preisanstieg zu rechnen. Darauf lassen auch die Erzeugerpreise schließen, die jüngst – im April – um 1,9 % sanken. Endgültige Angaben zur Entwicklung der Verbraucherpreise im Mai werden die Wiesbadener Statistiker am 16. Juni vorlegen.

BIP-Rückgang um 2,2 % bestätigt

Das Statistische Bundesamt hat inzwischen detaillierte Angaben zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands im 1. Quartal vorgelegt und dabei das zentrale Ergebnis seiner Mitte Mai veröffentlichten ersten Schätzungen bestätigt. Gemäß den Angaben sank das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vorquartalsvergleich um deutliche 2,2 %, nachdem es im 4. Quartal im Wesentlichen noch stagniert hatte (-0,1 %). Verantwortlich für den BIP-Rückgang waren in erster Linie die privaten Konsumausgaben. Diese sanken angesichts der ab Mitte März im Zuge der Coronavirus-Pandemie drastisch eingeschränkten Konsummöglichkeiten um außerordentliche 3,2 %. Zudem gaben auch die Ausrüstungsinvestitionen (-6,9 %) und die Exporte (-3,1 %) stark nach, was unter anderem aus den global gestiegenen wirtschaftlichen Unsicherheiten und dem teilweisen Zusammenbruch internationaler Lieferketten resultierte. Im Gegensatz dazu wirkten die staatlichen Konsumausgaben (+0,2 %) und die Bauinvestitionen (+4,1 %) stabilisierend und verhinderten einen noch tieferen BIP-Einbruch. Die insgesamt schwierige Konjunkturlage zeigt sich auch in den durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen, die nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im Jahresauftaktquartal gegenüber dem Vorjahrsquartal um 1,7 % sank.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR