Konjunktur: Globale Belastungen dämpfen Außenhandel

18.03.2020

 

Angesichts des schwierigen globalen Umfelds mit der Coronavirus-Ausbreitung, den weiter schwelenden Handelskonflikten und dem noch immer drohenden hartem Brexit fielen die Daten zum deutschen Außenhandel zu Jahresbeginn überwiegend verhalten aus.

Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden von der deutschen Wirtschaft im Januar Waren im Wert von 106,5 Mrd. Euro exportiert und Waren im Wert von 92,7 Mrd. Euro importiert. In kalender- und saisonbereinigter Rechnung sind die Ausfuhren gegenüber dem Vormonat minimal gesunken (-0,0 %), nachdem sie im Dezember noch leicht gestiegen waren (+0,2 %). Die Einfuhren sind hingegen, nach einem leichten Rückgang im Dezember (-0,3 %), im Januar um moderate 0,5 % gestiegen, was auf eine weiterhin solide Binnennachfrage schließen lässt. Im Vergleich zum Januar 2019 lagen allerdings sowohl die Ausfuhren (-2,1 %) als auch die Einfuhren (-1,8 %) deutlich im Minus. Der Außenhandel mit, dem vom neuartigen Coronavirus besonders betroffenen, China hat sich zu Jahresanfang erheblich abgeschwächt. Die Warenausfuhren Deutschlands nach China sind im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat um 6,5 % auf 7,3 Mrd. Euro zurückgegangen; die Einfuhren aus China gaben hingegen nur leicht um 0,5 % auf 10,5 Mrd. Euro nach. Aus den bisher vorliegenden Werten lassen sich nach Einschätzung des Statistischen Bundesamtes jedoch noch keine eindeutigen Auswirkungen der Virus-Krise ableiten.

Unternehmensinsolvenzen 2019 wie erwartet zurückgegangen

Ungeachtet des schwierigen außenwirtschaftlichen Umfelds hat sich das Insolvenzgeschehen in Deutschland im Jahr 2019 weiter entspannt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wurden von den Amtsgerichten 18.749 Unternehmensinsolvenzen gemeldet. Die Fallzahl ist damit auf den niedrigsten Stand seit 1999 gefallen. Sie gab im Vergleich zum Vorjahr um 2,9 % nach, im gleichen Umfang wie vom BVR im Rahmen seiner Insolvenzprognose im März 2019 erwartet worden war. Nicht nur die Unternehmens-, auch die Verbraucherinsolvenzen sind erneut zurückgegangen. Ihre Zahl sank um 7,3 % auf 62.632 Fälle. Zuletzt, im Dezember, verminderte sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen geringfügig um 0,2 %, die der Verbraucherinsolvenzen hingegen um deutliche 22,9 %. Ob sich der langjährige Rückgang in den Insolvenzdaten auch 2020 fortsetzen wird, scheint derzeit angesichts der immer stärker um sich greifenden wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie fraglich. Der BVR plant Ende März im Rahmen des „BVR Volkswirtschaft Kompakt“ eine neue Insolvenzprognose zu veröffentlichen.

Investitionen stützten Wachstum im Euroraum

Das europäische Statistikamt Eurostat hat inzwischen erste Angaben zur Verwendung des Euroraum- Bruttoinlandsprodukts (BIP) im 4. Quartal veröffentlicht. Demnach kam es im Vergleich zum Vorquartal zu einer Verschiebung der Wachstumstreiber. Während für den BIP-Zuwachs mit einer Verlaufsrate von 0,3 % im 3. Quartal rechnerisch die Konsumausgaben und der Außenhandel verantwortlich waren, trugen im 4. Quartal in erster Linie die Investitionen zum Wachstum von 0,1 % bei. Der Beitrag, den die Konsumausgaben zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum leisten, verminderte sich von 0,4 Prozentpunkten im 3. Quartal auf 0,2 Prozentpunkte im Jahresendquartal. Demgegenüber lag der Wachstumsbeitrag der Bruttoinvestitionen im 4. Quartal ungeachtet der hohen globalen Unsicherheiten bei hohen 0,8 Prozentpunkten, nachdem er zuvor negativ war (-0,9 Prozentpunkte). Beim Außenhandel zeigt sich hingegen ein umgekehrtes Bild: Die Nettoexporte dämpften das Wachstum im 4. Quartal um 0,8 Prozentpunkte, nachdem sie es im Vorquartal mit einem Beitrag von 0,9 Prozentpunkten gestützt hatten.

Deutlicher Anstieg der Industrieproduktion

Die Industriebetriebe des Euroraums haben ihre Produktion zu Jahresbeginn kräftig erhöht, nachdem sie im Vorjahr merklich nach unten tendiert hatte. Der Ausstoß ist nach vorläufigen amtlichen Angaben im Januar gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 2,3 % gestiegen. Damit konnte der merkliche Rückgang vom Dezember (-1,8 %) mehr als kompensiert werden. Der Produktionszuwachs war breit angelegt. Mit Ausnahme des Energiesektors (-0,1 %) konnten alle industriellen Hauptgruppen ihre Erzeugung ausweiten. Den stärksten Zuwachs erwirtschafteten dabei die Hersteller von Vorleistungsgütern (+3,2 %). Die Auftragsentwicklung legt für die nächsten Monate eine weitere Stabilisierung der Industrieproduktion nahe. Jedoch ist aufgrund der unterbrochenen Lieferketten nicht absehbar, ob dies tatsächlich zu einem höheren Output führt. Eine weitere Festigung der Industriekonjunktur hängt somit maßgeblich vom weiteren Verlauf der Corona-Krise ab.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR