Konjunktur: Heftige Abwärtskorrektur der Konjunkturprognosen

25.03.2020

 

In den vergangenen Wochen haben viele Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Frühjahrs-Konjunkturprognosen vorgelegt. 

In den vergangenen Wochen haben viele Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Frühjahrs-Konjunkturprognosen vorgelegt. Die Fachleute der Forschungsinstitute gehen unisono davon aus, dass sich die Verbreitung des Coronavirus in erheblichen Maße auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Deutschlands auswirkt. Die Corona- Pandemie führt in vielen Staaten der Welt zu weitreichenden Quarantäne- und Vorsichtsmaßnahmen, die das Alltagsleben und die Arbeitsprozesse teilweise drastisch beeinträchtigen und damit Produktions- und Lieferketten unterbrechen sowie Konsumgelegenheiten massiv einschränken. Darüber hinaus dürfte die im Zuge der Krise gestiegene Verunsicherung, die sich unter anderem an den fallenden Aktienkursen zeigt, bei privaten Haushalten und Unternehmen zu einer Kaufzurückhaltung führen.

Allerdings ist eine Quantifizierung der Krisen-Folgen aus verschiedenen Gründen schwierig. So schlägt sich die Pandemie in den Konjunkturindikatoren bisher kaum nieder, weil diese vielfach erst mit einer Verzögerung von mehreren Monaten verfügbar sind. So liegen die wichtigen Daten zur Industrieproduktion Deutschlands und zum Industrie-Auftragseingang derzeit lediglich bis Januar vor. Zudem ist eine Abschätzung der Corona-Folgen schwierig, da es für die derzeitige Krise kaum Analogien zu früheren Krisen gibt. Modellansätze, die auf den Zusammenhängen der Vergangenheit beruhen, können daher die aktuelle Entwicklung möglicherweise nicht adäquat abbilden.

Unter der Einschränkung dieser Unwägbarkeiten und ausgehend von der aktuellen Nachrichtenlage korrigierten die Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Wachstumseinschätzungen für Deutschland 2020 deutlich nach unten. So verminderten beispielsweise die Fachleute des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ihren Prognosewert für den preisbereinigten Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,2 % im Dezember 2019 auf nun -0,1 %. Deutlich pessimistischer sind die Experten des Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Diese legten, ebenso wie den Fachleuten des ifo Instituts, angesichts der Unwägbarkeiten zwei Szenarien vor. In ihrem optimistischen Szenario erwarten die IfW-Ökonomen einen BIP-Rückgang um 4,5 %; in ihrem pessimistischen Szenario sogar einen Einbruch um 8,7 %.

Stimmungsindikatoren brechen ein

Die konjunkturellen Perspektiven Deutschlands haben sich angesichts der Coronavirus-Pandemie massiv eingetrübt. Dies lässt sich auch anhand der jüngsten Angaben zu den ZEW-Konjunkturerwartungen und zum ifo Geschäftsklima belegen. Die auf einer monatlichen Umfrage unter Finanzmarktfachleuten beruhende ZEW-Konjunkturerwartungen sind von Februar auf März um 58,2 Punkte auf -49,5 Punkten gesunken. Die Konjunkturerwartungen sind damit so stark zurückgegangen wie noch nie seit Beginn der Umfrage im Dezember 1991. Die noch zum Jahresbeginn feststellbare Aufhellung der konjunkturellen Perspektiven ist klar zum Ende gekommen. Der, auf einer monatlichen Unternehmensumfrage basierende, ifo Geschäftsklimaindex fiel nach erstmals veröffentlichten vorläufigen Angaben von 96,0 Punkten im Februar auf 87,7 Punkte im März. Dies war der stärkste Rückgang des wohl bekanntesten deutschen Frühindikators seit 1991. Maßgeblich für den Einbruch des Geschäftsklimas waren die Geschäftserwartungen der Unternehmen, die sich so deutlich verfinsterten wie nie. Damit verdichten sich die Signale, dass es hierzulande im ersten Halbjahr zu einem massiven Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Produktion kommen wird.

Rückgang der Euroraum-Inflationsrate bestätigt

Nach aktuellen Daten von Eurostat ist die Inflationsrate im Euroraum von 1,4 % im Januar auf 1,2 % im Februar gesunken. Das Statistikamt hat damit seine vorläufigen Angaben von Anfang März bestätigt. Für den Rückgang der Inflationsrate waren vor allem die Energiepreise verantwortlich. Energieprodukte verbilligten sich im Februar um 0,3 %, nachdem sie sich im Januar noch um 1,9 % verteuert hatten. Hauptgrund für die niedrigeren Energiepreise dürften die Rohölnotierungen gewesen sein, die im Zuge der Corona-Krise merklich nachgaben. Bei Nahrungsmitteln blieb der Preisauftrieb hingegen unverändert hoch (+2,1 % im Januar und Februar). In Hinblick auf die Dienstleistungen hat sich die Preisdynamik sogar geringfügig beschleunigt (+1,6 % nach +1,5 % im Januar). Für die nahe Zukunft lässt der fortgesetzte Preisverfall bei Rohöl eine weiterhin niedrige Inflationsrate erwarten. Auch der Verlauf der industriellen Erzeugerpreise legt für die Verbraucherstufe lediglich moderate Preissteigerungen nahe. Die Erzeugerpreise sind zuletzt, im Januar, um 0,5 % zurückgegangen, nachdem sie bereits in den Vormonaten nachgegeben hatten.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR