Hoffnungen überwiegen Sorgen

20.07.2020

In der vergangenen Woche sind die Sorgen um die wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie etwas in den Hintergrund getreten.

Zwar erreichten die Neuinfektionszahlen in den USA neue Rekordwerte und der US-Bundesstaat Kalifornien machte viele Lockerungen seiner Corona-Auflagen wieder rückgängig. Zudem plant auch das Vereinigte Königreich Medienberichten zufolge ab 24. Juli eine allgemeine Maskenpflicht in Läden einzuführen. Diese schlechten Nachrichten wurden aber durch die Hoffnung auf einen Impfstoff und dessen rasche Einführung verdrängt. Befördert wurde diese Hoffnung unter anderem durch positive Ergebnisse einer Studie der US-Biotech- Firma Moderna. Demnach zeigten klinische Tests mit dem experimentelleren Coronavirus-Impf-stoff mRNA-1273 ermutigende Ergebnisse. Auch der Pharmakonzern AstraZeneca steht Medien-berichten zufolge kurz vor Veröffentlichung positiver Nachrichten zu einem Impfstoff.

Auch neue Spannungen zwischen den USA und China haben die Marktstimmung insgesamt nur wenig belastet. So unterzeichnet US-Präsident Donald Trump in Reaktion auf die stärkere Einflussnahme der chinesischen Zentralregierung auf Hongkong ein Gesetz, dass Sanktionen wie Einreiseverbote gegen dafür verantwortliche Personen beinhaltet. Darüber hinaus wies die US-Regierung in einer Verlautbarung die umstrittenen Ansprüche Chinas auf Offshore-Ressourcen im südchinesischen Meeres zurück.

Die Konjunkturdaten fielen zuletzt vielfach günstig aus, was die Hoffnung auf eine Normalisierung der weltwirtschaftlichen Entwicklung nährte. In den USA hat sich die Industrieproduktion weiter vom virusbedingten Einbruch erholt. Sie stieg im Juni gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 5,4 %, nachdem sie bereits im Mai zugelegt hatte. Zudem übertraf der Anstieg die Erwartungen. Fachleute hatten zuvor im Mittel mit einem etwas schwächeren Anstieg um 4,3 % gerechnet. Das Bruttoinlandsprodukt Chinas ist im 2. Quartal gegenüber dem Vorjahr unerwartet deutlich um 3,2 % gestiegen, nachdem es im 1. Quartal noch um 6,8 % gesunken war. Im Euroraum stieg die Industrieproduktion, nach heftigen Rückgängen im März und April, im Mai mit einer Verlaufsrate von 12,4 %. In Deutschland sind die ZEW-Konjunkturerwartungen im Juli nach drei Anstiegen in Folge zwar leicht um 4,1 Punkte gesunken. Aller-dings befinden sie sich mit 59,3 Punkten weiter-hin auf hohem Niveau.

Trotz der Hoffnungen auf eine bessere Konjunktur und auf ein wirksames Mittel im Kampf gegen das Coronavirus nahm die Nachfrage nach sicheren Anlageformen etwas zu. Im Zuge dessen verringerte sich die Rendite von Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit im Wochenvergleich um 4 Basispunkte auf -0,45 %. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentierten am Freitag, dem 17. Juli, bei 0,63 % und damit 1 Basispunkt unter dem Schlusstand der Vorwoche.

Ölpreise tendieren seitwärts

Die Hoffnung auf eine Belebung der Weltkonjunktur sowie die Meldung, dass die US-Ölreserven zuletzt zurückgegangen sind, ließen die Öl-notierungen im Wochenverlauf vorübergehend etwas anziehen. Die Ankündigung der für Öl zuständigen Minister Russlands und Saudi-Arabiens, eine Eingrenzung der von den „Opec+“-Staaten vereinbarten Produktionskürzungen zu unter-stützen, setzten die Preise hingegen nur vorüber-gehend unter Druck. Demnach soll das Volumen der Förderkürzung von aktuell 9,6 Mio. auf 7,7 Mio. Barrel pro Tag im August vermindert werden. Am Freitag lag der Preis der Nordseesorte Brent bei 43,23 Dollar je Barrel und damit knapp unter seinem Vorwochenultimo. Die US-Sorte WTI notierte bei 40.55 Dollar und damit praktisch auf dem Stand der Vorwoche.

Euro legt etwas zu

Der Eurokurs konnte von der leichten Schwäche des US-Dollar profitieren, der im Zuge der allgemein gestiegenen Zuversicht in seiner Funktion als mutmaßlich „sicherer Hafen“ weniger gefragt war. Die jüngste Entscheidung des EZB-Rats, den geldpolitischen Kurs im Währungsraum unverändert zu belassen, wirkte sich dagegen kaum auf den Devisenhandel aus. Der Euro legte im Wochenvergleich um rund 1 Cent auf etwa 1,14 % US-Dollar zu.

Steigende Aktienkurse

An den Börsen setzte sich die Erholung der Vor-wochen fort. Hierzu trugen neben der Hoffnung auf einen Coronavirus-Impfstoff und günstigen Konjunkturdaten auch vielfach gute Unternehmensnachrichten bei. Der Deutsche Aktienindex DAX beendete die Handelswoche bei 12.920 Punkten. Er ist damit im Wochenvergleich um 2 % gestiegen. Der Dow Jones legte ebenfalls weiter zu. Auf Wochensicht stieg das US-Börsenbarometer um 2 % auf 26.672 Punkte.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR