Finanzmärkte: Hongkong als Stolperstein

02.12.2019

In der vergangenen Woche unterzeichnete der US-Präsident das Gesetz des Kongresses, in dem China für das Vorgehen in Hongkong sanktioniert werden soll.

Ein vorheriger Apell von chinesischer Seite an Trump, dieses Gesetz nicht zu unterzeichnen, konnte keinen Erfolg haben. Trump sieht in dem Gesetzt eine Verkomplizierung der Verhandlungen und kommentiert es entsprechend vorsichtig. Es sind ausdrücklich noch keine Sanktionen beschlossen, aber die Möglichkeit hierfür geschaffen worden. Sollte Hongkong ein gewisser Grad an Autonomie gegenüber China abgesprochen werden, müsste der Präsident Handelserleichterungen für Hongkong streichen. China betrachtet dies als Einmischung in innere Angelegenheiten und behält sich Gegenmaßnahmen vor – die in Form eines Einlaufverbotes für US-Kriegsschiffe in Hongkong und von Strafmaßnahmen für US-Organisationen bereits angekündigt wurden. Gleichzeitig lässt China keinen Zweifel daran, dass ein Zwischenabkommen (Phase-I-Abkommen) nur zustanden kommen wird, wenn darin Teile der bisherigen Zölle zurückgenommen werden. Die Hürden für Donald Trump werden damit höher, schnell einem Abkommen zuzustimmen. China weiß über den innenpolitischen Erfolgsdruck von Trump und pokert möglichst hoch. Es bleibt abzuwarten, wie die US-Seite auf die Hongkong- Reaktion Chinas antwortet, zumal am 15. Dezember weitere Zölle in Kraft treten sollen. Bis vor kurzen schien ein Verschieben dieser weiteren Zölle zugunsten eines Zwischenabkommens im Rahmen des Möglichen. Dies könnte sich nun durch Hongkong geändert haben. Für Trump könnte eine Verschiebung nun ein Ausdruck von Schwäche sein, dass kann er weder vor sich selbst, innenpolitisch oder vor seinen Wählern zulassen. Es wäre eine weitere Eskalationsstufe im Handelsstreit und für beide Seiten ein Problem. Die Einigung rückt weiter weg.

Bunds im Wochenverlauf kaum verändert

Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit rentierten zum Wochenende mit rund -0,36 % in etwa auf dem Niveau der Vorwoche. Die nicht konkreten Aussagen zum einem Phase-1-Deal zwischen China und den USA sorgten für ein abwartendes Verhalten der Marktteilnehmer. Die Unterschrift von Trump unter dem Hongkong- Gesetzt senkte die Rendite nur kurzzeitig auf unter -0,38 %. US-Treasuries mit der gleichen Restlaufzeit rentierten am Freitag mit rund 1,77 %.

OPEC+ berät in dieser Woche

Ende dieser Wochen kommen die OPEC+ Länder, zu denen auch Russland gehört in Wien zusammen. Es ist davon auszugehen, dass die bestehenden Förderbegrenzungen, die bereits bis Ende März 2020 beschlossen wurden, nochmals um 3 Monate verlängert werden. Allerdings liegt die gesamte geplante Fördermenege über dem für 2020 prognostizierten durchschnittlichen täglichen Bedarf- wobei im ersten Halbjahr von einer Überversorgung des Marktes und im zweiten Halbjahr von einer preissteigernden Unterversorgung ausgegangen wird. Bei einer Verlängerung der aktuellen Förderquoten bis zum 30. Juni 2020 ist vor diesem Hintergrund mit sinkenden Ölpreisen zu rechnen. Zudem geht die OPEC bei der eigenen Planung von einer Lösung des Handelsstreites aus – hier verbirgt sich ein hohes Abwärtsrisiko. Die US-Sorte WTI notierte am Freitagabend bei etwa 55,50 Dollar pro Barrel, während die europäische Sorte Brent mit rund 62,40 Dollar pro Barrel ins Wochenende ging.

Abwarten und Tee trinken

Die Handelsspanne des US-Dollars zum Euro war in der vergangenen Woche extrem eng. So notierte der Dollar zwischen 1,1027 und 1,098 Euro pro Dollar. Der Markt wartet auf verwertbare Meldungen zum Handelsstreit. Selbst du Meldungen zum US-Honkong-Gesetzt und der chinesischen Reaktion bewirkten kaum Veränderungen im Kurs. Eine ähnlich enge Spanne (0,8582 – 0,8498 GBP pro Euro) weist das Britische Pfund gegenüber dem Euro auf. Es verwundert kaum, stehen die entscheidenden Termine mit der Wahl in Großbritannien am 12. Dezember und der Aktivierung weiterer Zölle im Handelsstreit am 15. Dezember an. Bis dahin scheint am Markt zu gelten: Abwarten und Tee trinken.

DAX begnügt sich

Auch an den Aktienmärkten war in der vergangenen Woche kaum Dynamik zu spüren. Zwar sorgten die Meldungen zum Handelskonflikt auch hier für kurzzeitige Risiko Averse Reaktionen. Die Kurse erhalten sich jedoch wieder schnell. Mit dem Thanksgiving-Feiertag am Donnerstag war die US-Handelswoche zudem kürzer. Der DAX notierte in einer Spanne von etwa 140 Punkten und ging in etwa auf dem Niveau der Vorwoche mit rund 13.240 Punkten ins Wochenende. Auch der Dow Jones notierte in einer engen Spanne von etwa 400 Punkten und notierte am Freitagabend bei 28.051 Punkten.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR