Konjunktur: Industrieproduktion legt etwas zu

15.01.2020

 

Der bereits seit Ende 2018 andauernde Abwärtstrend in der deutschen Industrieproduktion scheint allmählich auszulaufen. Wie das Statistische Bundesamt anhand jüngster Angaben mitteilte ist der Ausstoß des Verarbeitenden Gewerbes im November gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 1,0 % gestiegen.

Zuvor, im Oktober, war die Industrieproduktion aber noch um 1,4 % gesunken. Daher ist im – von kurzfristigen Schwankungen weniger stark betroffenen – Zweimonatsvergleich Oktober/November gegenüber August/September noch immer ein Rückgang zu verzeichnen (-1,6 %). Grund für die rückläufige Entwicklung im Zweimonatsvergleich sind vor allem die weiteren Produktionsverminderungen in der Kfz-Industrie (-4,3 %) und im Maschinenbau (-2,5 %), die nicht zuletzt aus dem schwierigen weltwirtschaftlichen Umfeld und den strukturellen Veränderungen in der Fahrzeugbranche resultieren. Auch im Baugewerbe wurde die Produktion im November aus-geweitete. Die Bauproduktion stieg um deutliche 2,6 %. Durch den Zuwachs konnte der leichte Rückgang vom Oktober (-0,5 %) mehr als kompensiert werden.

Weitere Festigung der Neuaufträge

Die Auftragsentwicklung der Industriebetriebe hat sich, gemäß den aktuellen amtlichen Daten, weiter gefestigt. Zwar sind die Bestellungen im November gegenüber dem Vormonat mit einer Verlaufsrate von 1,6 % gefallen, wofür in erster Linie die deutlich rückläufigen Auslandsorders (-3,1 %) verantwortlich waren, während die Inlandsbestellungen (+1,6 %) zulegten. Im Zweimonatsvergleich Oktober/November gegenüber August/September stagnierten die Aufträge je-doch im Wesentlichen (+0,1 %). Angesichts der zuletzt aufgehellten Geschäftserwartungen im Verarbeitenden Gewerbe und der stabilisierten Orders zeichnet sich für die nahe Zukunft eine Verbesserung der Industriekonjunktur ab. Die Zweiteilung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, mit einer hartnäckigen Industrieschwäche einerseits sowie solide aufwärtsgerichteten Konsumausgaben und Bauinvestitionen andererseits, könnte überwunden werden.

Unternehmensinsolvenzen sinken deutlich

Nach drei Monaten mit leicht steigenden Fallzahlen ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Oktober wieder deutlich zurückgegangen. Gemäß den Angaben des Statistischen Bundesamtes fiel die Anzahl der Firmenpleiten im Vorjahresmonatsvergleich um 6,0 % auf 1.592. Wie bereits zuvor gab es die meisten Insolvenzen in den Wirtschaftsbereichen Handel (einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen) und Baugewerbe mit 254 bzw. 341 Fällen. Von Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes wurden 136 Insolvenzanträge gestellt, was einem Anteil von 8,5 % an allen Unternehmensinsolvenzen entspricht. Der Anteil lag damit zwar höher als im gesamten Jahr 2018 (7,3 %). Er fällt zahlenmäßig aber nach wie vor kaum ins Gewicht, was nahelegt, dass sich die Industrieschwäche bislang nur wenig auf das Insolvenzgeschehen ausgewirkt hat. Neben den Unternehmens- sind auch die Verbraucherinsolvenzen zurückgegangen. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen hat sich im Oktober gegenüber dem Vorjahresmonat um 5,8 % auf 5.268 vermindert und damit in ähnlicher Größenordnung wie die Anzahl der Firmenpleiten.

Euroraum-Inflationsrate steigt auf 1,3 %

Im Dezember hat der Preisanstieg im Euroraum auf der Verbraucherstufe angezogen. Nach ersten Berechnungen von Eurostat lag der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) um 1,3 % über seinem entsprechenden Vorjahreswert. Im November waren die Verbraucherpreise noch um 1,0 % gestiegen. Maßgeblich für den Anstieg der Inflationsrate waren die Energiepreise. Energie verteuerte sich, nach einer kontinuierlichen Verbilligung in den Vormonaten, im Dezember erstmals wieder, wenn auch mit 0,2 % nur leicht. Demgegenüber gab es bei den Nahrungsmittel- und Dienstleistungspreisen kaum Veränderungen. Diese steigen im Dezember um 2,0 % bzw. 1,8 % und damit ähnlich stark wie im Vormonat (jeweils +1,9 %). In naher Zukunft dürfte die Inflationsrate weiterhin merklich unter der 2-Prozent-Marke bleiben. Hierauf deuten unter anderem die Industrie-Erzeugerpreise hin, die zuletzt – im November – um 1,4 % gesunken sind, nachdem sie bereits in den Vormonat zurückgegangen waren. Endgültige Angaben zur jüngsten Entwicklung der Verbraucherpreise wird Eurostat voraussichtlich am 17. Januar veröffentlichen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR