Industrieproduktion legt Verschnaufpause ein

14.10.2020

 

Im Verarbeitenden Gewerbe Deutschlands ist der rasante Aufholprozess nach dem Lockdown bedingten Einbruch vom Frühjahr vorübergehend zum Stillstand gekommen.

Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Angaben mitteilte, gab die Industrieproduktion im August gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt leicht um 0,7 % nach. Ausschlaggebend für den Rückgang war die Produktion im Kfz-Bereich, die – offenbar im Zuge vergleichsweise später Werksferien– um 12,5 % sank. Zuvor, im Juli, war die Erzeugung des Verarbeitenden Gewerbes noch um 3,1 % ausgeweitet worden. In dem von kurzfristigen Schwankungen weniger stark betroffenen – und daher für konjunkturelle Analysen aussagekräftigerem – Zweimonatsvergleich Juli/August gegenüber Mai/Juni legte die Produktion um deutliche 5,8 % zu. Im Gegensatz zur Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe ist die Produktion im Baugewerbe sowohl im Juli als auch im August gesunken. Im Zweimonatsvergleich verminderte sich die Bauproduktion um 3,4 %, was angesichts des hohen Ausgangsniveaus nach dem witterungsbedingt sehr starken Wachstum zu Jahresbeginn nicht verwundert.

Weitere Erholung der Neuaufträge

Bei den Industrie-Auftragseingängen hält die Gegenbewegung nach dem massiven Einbruch während des Lockdowns an. Gemäß den aktuellen amtlichen Angaben stiegen die Neuaufträge des Verarbeitenden Gewerbes im August um 4,5 %. Im Zweimonatsvergleich lagen die Auftragseingänge sogar um kräftige 18,9 % im Plus. Die Nachfrageimpulse gingen dabei stärker vom Ausland als vom Inland aus. So legten die inländischen Bestellungen um 4,2 % zu, während die Orders aus dem Euroraum um 28,3 % und aus dem Nichteuroraum um 34,0 % expandierten. Angesichts der Aufhellung wichtiger Stimmungsindikatoren – wie des ifo Geschäftsklimas – und der sinkenden Kurzarbeitzahlen dürfte sich die Erholung der Industriekonjunktur in den nächsten Monaten fortsetzen. Der Rückgang der Industrieproduktion im August dürfte vor diesem Hintergrund weniger eine Trendwende markieren, sondern eher eine kurze Verschnaufpause sein.

Überwiegend günstige Außenhandelsdaten

Nicht nur bei den Auftragseingängen des Verarbeitenden Gewerbes, auch beim grenzüberschreitenden Handel der deutschen Wirtschaft setzte sich die Erholung vom Kriseneinbruch fort. Den Daten der amtlichen Außenhandelsstatistik zufolge wurden im August von Deutschland ausgehend Waren im Wert von 91,2 Mrd. Euro exportiert und Waren im Wert von 78,5 Mrd. Euro importiert. Die Ausfuhren sind gegenüber dem Vormonat kalender- und saisonbereinigt um 2,4 % gestiegen. Gleichwohl hat das Wachstumstempo damit gegenüber Juli (+4,7 %) nachgelassen. Bei den Einfuhren hat die Dynamik hingegen zugenommen. Diese legte, nach einem Anstieg um 1,1 % im Juli, im August um 5,8 % zu, was für ein weiteres Anziehen der Binnennachfrage spricht. Trotz der jüngsten Zuwächse bei den Ausfuhren und Einfuhren befinden sich diese weiterhin deutlich unter den Niveaus, die sie vor Ausbruch der Coronakrise erreicht hatten. So lagen die Ausfuhren im August um 9,9 % unter ihrem im Februar erreichten Wert; die Einfuhren unterschritten ihren Februarstand um weniger deutliche 6,4 %. Vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden weltwirtschaftlichen Belebung ist in naher Zukunft mit weiterhin aufwärtstendierenden Außenhandelsdaten zu rechnen.

Erneut weniger Insolvenzen

In Deutschland tendieren die Insolvenzzahlen noch immer nach unten. Die Folgen des massiven Konjunktureinbruchs spiegeln sich nach wie vor nicht in den amtlichen Daten zum Insolvenzgeschehen wider. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden von den Amtsgerichten im Juli die Beantragung von 1.369 Unternehmens- und 4.024 Verbraucherinsolvenzen gemeldet. Die Anzahl der Firmenpleiten sank im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat um merkliche 16,7 %; die Zahl der Verbraucherinsolvenzen gab binnen Jahresfrist sogar um 30,1 % nach. Ein wichtiger Grund für den kräftigen Rückgang der Verbraucherinsolvenzen dürfte der Gesetzentwurf der Bundesregierung zur weiteren Verkürzung von Restschuldbefreiungsverfahren auf drei Jahre sein. Es zeichnet sich ab, dass viele überschuldete Verbraucher erst nach dem für Anfang Oktober vorgesehenen Inkrafttreten des Gesetzes ihren Insolvenzantrag stellen werden. Die Fallzahlen könnten dann im Vorjahresvergleich steigen. Hauptgrund für den Rückgang der Unternehmensinsolvenzen dürfte hingegen die seit März wirkenden Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sein. Da diese für den Insolvenzgrund der Zahlungsunfähigkeit zum 1. Oktober ausgelaufen ist, könnte es auch bei den Unternehmensinsolvenzen zum Jahresende zu steigenden Fallzahlen kommen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR