Konjunktur: Industrieproduktion virusbedingt eingebrochen

13.05.2020

 

Die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie spiegeln sich inzwischen auch in den „harten“ Daten der amtlichen Industriestatistik Deutschlands wider.

Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Angaben mitteilte, ist die Produktion des Verarbeitenden Gewerbes im März massiv zurückgegangen. Die Erzeugung gab im Zuge des virusbedingten Herunterfahrens des öffentlichen Lebens gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 11,6 % nach. Der Rückgang war innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes bereit angelegt. Besonders stark sank der Ausstoß bei den Herstellern von Investitionsgütern (-16,5 %), zu denen nicht zuletzt der Maschinenbau und die Kfz-Industrie gezählt werden. Über das gesamte 1. Quartal betrachtet gab die Industrieproduktion um 2,4 % nach. Im Gegensatz zum Verarbeitenden Gewerbe, stieg die Produktion des Baugewerbes im März (+1,8 %) und auch im gesamten 1. Quartal (+5,5 %) war ein deutlicher Zuwachs zu verzeichnen, befördert durch das vergleichsweise milde Winterwetter. Für April zeichnet sich angesichts des andauernden Lockdowns in weiten Teilen der Wirtschaft ein noch einschneidender Rückgang der Industrieproduktion ab. Hierauf lassen neben stark verdunkelten Stimmungsindikatoren auch die jüngsten Angaben zu den Industrie-Aufträgen schließen.

Auftragseingänge im freien Fall

Im März sind die Neuaufträge des Verarbeitenden Gewerbes drastisch gesunken. Die Bestellungen gaben gegenüber Februar mit einer Verlaufsrate von 15,6 % nach. Dabei sank die Nachfrage aus dem Inland (-14,8 %) ähnlich stark wie die Auslandsorders (-16,1 %). Über das gesamte 1. Quartal betrachtet verminderten sich die Aufträge allerdings lediglich um 2,7 %, da sie im Januar noch kräftig zugelegt hatten. Alles in allem deuten die jüngsten Industriedaten auf eine erhebliche Verminderung der gesamtwirtschaftlichen Produktion im 1. Quartal hin. Die an der Gemeinschaftsdiagnose teilnehmenden Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen in ihrem aktuellen Frühjahrsgutachten damit, dass das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahresauftaktquartal gegenüber dem Vorquartal um 1,9 % zurückgegangen ist. Für das 2. Quartal prognostizieren die Forschungsinstitute einen weiteren BIP-Rückgang, um außerordentlich deutliche 9,8 %. Erste amtliche Schätzungen zur BIP-Entwicklung im 1. Quartal wird das Statistische Bundesamt an diesem Freitag, dem 15. April, veröffentlichen.

Tiefrote Außenhandelsdaten

Nicht nur die aktuellen Industriedaten, auch die neuen Angaben zum grenzüberschreitenden Handel der deutschen Wirtschaft sind stark durch die Corona-Krise geprägt. Gemäß den Daten des Statistischen Bundesamtes wurden von der deutschen Wirtschaft im März Waren im Wert von 108,9 Mrd. Euro ausgeführt und Waren im Wert von 91,6 Mrd. Euro eingeführt. Die Ausfuhren sind damit gegenüber dem Vormonat kalender- und saisonbereinigt um außerordentlich starke 11,8 % gesunken, nachdem sie im Februar (+1,2 %) noch leicht gestiegen waren. Die Einfuhren gaben, nach einem Rückgang um 1,5 % im Februar, im März um deutliche 5,1 % nach. Die Handelsbilanz, also Saldo von Einfuhren und Ausfuhren, schloss den Monat März mit einem Überschuss von 17,4 Mrd. Euro ab. Der Überschuss verminderte sich damit gegenüber dem Vorjahresmonat um fast 5 Mrd. Euro.

Beschleunigter Rückgang der Erzeugerpreise

Im Euroraum hat der Rückgang der Industrie-Erzeugerpreise an Fahrt aufgenommen. Der amtliche Erzeugerpreisindex ist im März gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat um 2,8% gesunken. Zuvor, im Februar, hatten sich die Erzeugerpreise noch um 1,4 % verbilligt. Maßgeblich für den Rückgang der Gesamtrate waren die Energiepreise, die im Zuge rückläufiger Rohölnotierungen stärker nachgaben als im Februar (-11,3 % gegenüber -6,7 %). Ohne Berücksichtigung von Energiegütern blieben die Erzeugerpreise weiterhin leicht aufwärtsgerichtet (+0,2 % im März nach +0,5 % im Februar). Die jüngsten Erzeugerpreis-Daten lassen erwarten, dass die Preisentwicklung auf der Verbraucherstufe in naher Zukunft gedämpft bleiben wird. Der Anstieg der Verbraucherpreise, gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex, hat sich jüngst weiter von 0,7 % im März auf 0,4 % im April abgeschwächt.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR