Konjunktur: Industrieproduktion zeigt Stabilisierungstendenz

16.10.2019
 

 

Im August erfuhr die deutsche Industrieproduktion eine gewisse Stabilisierung. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg die preis-, kalender- und saisonbereinigte Erzeugung des Verarbeitenden Gewerbes gegenüber dem Vormonat leicht um 0,7 %.

In den Vormonaten war die Produktion von der Tendenz her merklich zurückgegangen. In dem von kurzfristigen Schwankungen weniger stark beeinflussten Zweimonatsvergleich Juli/August gegenüber Mai/Juni gab der Ausstoß daher nochmals nach (-0,9 %). Hauptgrund für die schwache Entwicklung im Zweimonatsvergleich war erneut die Kfz-Industrie, die ihren Ausstoß um 4,7 % einschränkte.

Zum Produktionsrückgang in dieser Branche dürften neben dem schwierigen weltwirtschaftlichen Umfeld mit eskalierenden Handelskonflikten und drohendem harten Brexit auch strukturelle Faktoren beitragen, wie fundamentale Veränderungen in der Kfz-Antriebstechnik. Im Baugewerbe ist die Produktion im August um 1,5 % gesunken. Im Zweimonatsvergleich war jedoch ein Zuwachs um 0,5 % zu verzeichnen, was auf eine weiterhin florierende Baukonjunktur schließen lässt.

Neuaufträge geben leicht nach

Die Neuaufträge der hiesigen Industriebetriebe sind im August preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,6 % zurückgegangen. Verantwortlich für den Rückgang waren alleine die inländischen Aufträge, die um 2,6 % abnahmen. Demgegenüber legten die Orders aus dem Euroraum und dem Nicht-Euroraum um 1,5 % bzw. 0,4 % zu, trotz der nach wie vor schwierigen weltwirtschaftlichen Situation. Insgesamt scheinen die Neuaufträge weiterhin auf dem zu Jahresbeginn erreichtem niedrigeren Niveau seitwärts zu tendieren. Die jüngsten Auftragsdaten lassen zusammen mit der Entwicklung wichtiger Stimmungsindikatoren für die nahe Zukunft eine anhaltend gedämpfte Industriekonjunktur erwarten.

Schwaches Exportgeschäft

Angesichts der schwächeren Weltkonjunktur und der Belastungen durch die eskalierenden Handelskonflikte und den drohenden harten Brexit sind die Ausfuhren der deutschen Wirtschaft im August merklich zurückgegangen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden von Deutschland Waren im Wert von 101,2 Mrd. Euro exportiert und Waren im Wert von 85,0 Mrd. Euro importiert.

Die Ausfuhren lagen damit um 3,9 % unter dem Stand des entsprechenden Vorjahresmonats. Im Vormonatsvergleich sind sie preis-, kalender- und saisonbereinigt um 1,8 % gesunken. Im Juli waren die Ausfuhren noch mit einer Verlaufsrate von 0,8 % gestiegen. Im Gegensatz zu den Ausfuhren nahmen die Einfuhren im August um 0,5 % zu, nachdem sie im Juli noch um 2,4 % eingebrochen waren. Mit den neuen Außenhandelsdaten zeichnet sich für das gesamte 3. Quartal eine Stagnation der Ausfuhren ab, bei rückläufigen Einfuhren. Der Außenbeitrag könnte daher leicht positiv zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum beitragen.

Rückgang der Inflationsrate bestätigt

Nach aktuellen Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Inflationsrate Deutschlands, basierend auf dem Verbraucherpreisindex (VPI), von 1,4 % im August auf 1,2 % im September gesunken. Das Bundesamt hat damit das zentrale Ergebnis seiner vorläufigen Schätzung von Ende September bestätigt.

Für den Rückgang der Inflationsrate waren vor allem die Energiepreise verantwortlich, die im Zuge niedrigerer Rohölnotierungen sanken. Die Energiepreise gingen im September um 1,1 % zurück, nachdem sie im August noch leicht um 0,6 % zugelegt hatten. Zum Rückgang der Gesamtrate trugen jedoch auch die Nahrungsmittelpreise bei, die sich im September weniger stark verteuerten als zuvor (+1,3 % gegenüber +2,7 % im August).

Bei den Dienstleistungen hat die Preisdynamik aber etwas an Fahrt aufgenommen (+1,8 % nach +1,6 %). Hier verteuerte sich im September unter anderem die Wartung und Reparatur von Fahrzeugen (+5,0 %) überdurchschnittlich. Auch im Euroraum ist die Inflationsrate zurückgegangen. Nach ersten Berechnungen von Eurostat lag der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) im September lediglich um 0,9 % über seinem Vorjahresmonatswert. Im August waren die Verbraucherpreise noch um 1,0 % gestiegen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR