Insolvenzzahlen trotz Krise noch rückläufig

25.11.2020

 

Ungeachtet der Massivität des Wirtschaftseinbruchs vom Frühjahr dauert der langjährige Abwärtstrend in den amtlichen Daten zum Insolvenzgeschehen in Deutschland an.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden von den Amtsgerichten zuletzt, im August, 1.051 Unternehmens- und 1.818 Verbraucherinsolvenzen gemeldet. Die Zahl der Firmenpleiten lag damit um deutliche 35,4 % unter dem Stand des entsprechenden Vorjahresmonats. Bei den Verbraucherpleiten war binnen Jahresfrist sogar eine Verminderung um 65,3 % zu verzeichnen. Zum Rückgang der Insolvenzzahlen trugen verschiedene Gründe bei. Ein wichtiger Grund ist die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für zahlungsunfähige oder überschuldete Unternehmen, die im Zeitraum vom 1. März bis zum 30. September galt und die für den Insolvenzgrund der Überschuldung noch immer in Kraft ist. Zudem deutete sich bereits im Sommer an, dass die Bundesregierung per Gesetz eine schrittweise Verkürzung von Restschuldbefreiungsverfahren von sechs auf drei Jahre plant. Viele überschuldete Privathaushalte dürften daher erst nach dem für Oktober vorgesehenen Inkrafttreten des neuen Gesetzes ihren Insolvenzantrag stellen. Schließlich ist zu beachten, dass zwischen der Beantragung eines Insolvenzverfahrens und dessen Eröffnung durch die Gerichte eine gewisse Zeit vergeht. Die nach den rechtlichen Änderungen im Oktober beantragten Verfahren werden daher erst mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung in die Statistik einfließen. Zum Jahresende dürfte es aber zu steigenden Fallzahlen kommen.

Stabilisierung der Erwerbstätigkeit im 3. Quartal

In Deutschland hat sich die Entwicklung der Erwerbstätigenzahl im Sommer gefestigt. Nach ersten amtlichen Schätzungen gab die Anzahl der Menschen mit Arbeitsort in Deutschland im 3. Quartal gegenüber dem Vorquartal saisonbereinigt um 48.000 auf 44,644 Mio. nach, was einem leichten Rückgang um 0,1 % entspricht. Zuvor, im 2. Quartal, war die Erwerbstätigenzahl im Zuge des Lockdowns vom Frühjahr noch um deutliche 627.000 Personen beziehungsweise 1,4 % gesunken. Im Vergleich zum 3. Quartal 2019 lag die Erwerbstätigenzahl um 654.000 Menschen im Minus. Maßgeblich für den Rückgang waren die Beschäftigungsverluste im Dienstleistungssektor. Hier gab die Erwerbstätigenzahl insbesondere im Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe (-260.000) sowie bei den Unternehmensdienstleistern (-190.000) nach, zu denen auch die Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften zählt.

Zunehmende Industrie-Auftragsbestände

Das Verarbeitende Gewerbe Deutschlands erholt sich weiter vom Einbruch des Frühjahres. Dies zeigt sich auch in den jüngsten Daten zum Auftragsbestand, der die Summe der noch nicht umsatzwirksam gewordenen und nicht-stornierten Neuaufträge misst. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte ist der Auftragsbestand des Verarbeitenden Gewerbes im September gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 1,0 % gestiegen. Mit dem jüngsten Zuwachs übertrafen die offenen Aufträge das Niveau vom Februar, dem Monat vor Ausbruch der Coronakrise in Deutschland, um 0,9 %. Verantwortlich für die Bestandszunahme im September waren in erster Linie die offenen Aufträge aus dem Inland (+1,3 %), die stärker zulegten als der Bestand von Auslandsaufträgen (+1,0 ). Auch bei den in der Abbildung zu sehenden Neuaufträgen kamen die Wachstumsimpulse im September vor allem aus dem Inland. Alles in allem signalisieren die Auftragsdaten, dass die Industriekonjunktur zum Jahresende aufwärtsgerichtet bleiben wird. Allerdings sind die Risiken für die künftige Entwicklung durch die wieder verschärften Schutzmaßnahmen in Deutschland und anderen Ländern erheblich gestiegen.

Inflationsrate unverändert bei -0,3 %

Eurostat hat für den Euroraum neue Daten zur Entwicklung der Verbraucherpreise im Oktober veröffentlicht. Das zentrale Ergebnis der Ende Oktober vorgelegten ersten Berechnungen wurde dabei bestätigt. So sind die Verbraucherpreise, gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), um 0,3 % gesunken, nachdem sie bereits im September um 0,3 % nachgegeben hatten. Die Inflationsrate befindet sich damit weiterhin erheblich unter der Marke von knapp 2 %, bei der die EZB mittelfristig das Ziel der Preisniveaustabilität verwirklicht sieht. Für den erneuten Rückgang der Gesamtrate im Oktober waren vor allem die Energiepreise verantwortlich, die sich im Zuge anhaltend niedriger Rohölnotierungen um 8,2 % verbilligten. Darüber hinaus waren auch die Preise für Nicht-Energie-Güter (-0,1 %) abermals rückläufig. Für Nahrungsmittel (+2,0 %) und Dienstleistungen (+0,4 %) mussten die Verbraucher aber mehr Geld aufwenden. In naher Zukunft dürfte die Preisdynamik insgesamt gedämpft bleiben. Hierauf deuten unter anderem

die Industrie-Erzeugerpreise hin, die jüngst — im September — um 2,4 % sanken.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR