Finanzmärkte: Ist in China ein Sack Reis umgefallen?

18.11.2019

In der Nacht zum Montag senkte die chinesische Notenbank (People’s Bank oh China) ihren Leitzins von 2,55 % marginal auf 2,50 %.

Dies erscheint auf den ersten Blick als sehr kleiner Schritt, muss aber in einem größeren Umfeld betrachtet werden. Die Senkung dieser siebentägigen Re-verse-Repo-Rate erfolgte erstmals seit 2015. Bereits vor zwei Wochen senkte die PBOC den Satz für mittelfristige Kredite leicht. Im Sommer vollzog die Notenbank eine Zinsreform, die gewähr-leisten soll, dass die Kreditinstitute einen zumeist unter dem Leitzins liegenden Referenzzins am Geldmarkt an die Kunden weitergeben. Um diesen Zins zu steuern, stellte die PBOC am vergangenen Freitag zudem zum zweiten Mal in diesen Monat 200 Milliarden Yuan, etwa 26 Mrd. € zur Verfügung. Das Land kämpft mit der schwächsten konjunkturellen Entwicklung der letzten Jahr-zehnte. Die chinesische Regierung stemmt sich auch mit geldpolitischen Mitteln gegen die Schwäche der Binnennachfrage an. Allerdings bremst die Unsicherheit, welche aus dem Handelsstreit resultiert, die Wirkung der expansiven Maßnahmen aus. China befindet sich gleichzeitig in einer Situation, in der die Schuldenstände der Unternehmen bedenklich angewachsen sind, was eine deutliche Ausweitung der konjunkturfördernden Maßnahmen eher unwahrscheinlich macht. Zur Strategie China’s muss also gehören auch die Unsicherheiten anzugehen. All dies erklärt, das Handeln und Verbreiten von Hoffnungen der chinesischen Seite im Handelsstreit mit den USA. Ein Phase 1 Abkommen scheint tatsächlich realistisch, welches vor allem die letzte (und künftige) Eskalationsstufe abmildern soll. Ein nachhaltiges Abkommen scheint hingegen wenig wahrscheinlich. Dies strahlt weiterhin deutlich auf die US-Konjunktur aber auch den Welthandel ab. Für Europa bedeutet dies kaum Aussichten auf starkes Wachstum in den kommenden Quartalen.

Bunds wieder etwas mehr gefragt

In diesem geopolitischen Umfeld waren Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit in der vergangenen Woche wieder etwas mehr gefragt. Wenngleich ein übergeordneter Trend für steigende Renditen (auch in anderen Euroländern) sorgt. Es scheint so, dass am Markt keine großen Sprünge mehr von der EZB zu erwarten sind. Was für diese ein Problem der Glaubwürdigkeit darstellt und eben deshalb eine erneute Zinssenkung wahrscheinlicher macht. Die EZB ist bedacht, die langfristigen Zinserwartungen möglichst tief zu halten, um Investitionen und damit verbunden Wachstum und Inflation zu erzeugen. Zehnjährige Bund rentierten am Freitag mit rund -0,33 %, US-Treasuries mit der gleichen Restlaufzeit bei 1,82 %.

Zinsphantasien? Kaum vorhanden!

Die US-Notenbank Fed hat erklärt, dass zunächst der Zinssatz nicht angefasst werden soll. Auf europäischer Ebene ist die Untergrenze im Grunde erreicht, was auch Jens Weidmann und sein französischer Amtskollege in der vergangenen Woche betonten. Wenn aber keine Phantasien auf Zins-änderungen am Markt herrschen, dann führt das zu einer engen Handelsspanne. Auslöser von veränderten Zinserwartungen können alle Ereignisse sein, welche die Notenbank dazu bringen könnte den Leitzins anzupassen. Zuvorderst Inflationsrisiken, die in den entwickelten Volkswirtschaften kaum vorhanden sind, am ehesten noch in den USA. Damit verbunden die vorgelagerten Konjunkturrisiken, die aufgrund des Handelskonfliktes zwar vorhanden sind, aber aktuell den komfortablen Inflationsraten in den USA gegenüberstehen. Sollte der Konflikt gelöst werden, währen mittelfristig wieder Zinserhöhungen in den USA angesagt. So halten es die Marktteilnehmer am Devisenmarkt wie die US-Notenbank, erst mal abwarten. Der US-Dollar notierte gegenüber dem Euro in der vergangenen Woche in einer engen Bandbreite zwischen 1,0988 und 1,1056 Dollar pro Euro.

Geht dem DAX geht die Puste aus?

In den vergangenen Wochen steuerte der Deutsche Aktienindex beharrlich auf ein neues Allzeit-hoch zu. Die letzte Woche konnte er lediglich mit einem sehr kleinen Plus beenden. Im Laufe der Woche kamen Unsicherheiten auf, ob Donald Trump die anstehende Entscheidung über Autozölle nochmals verschieben wird oder nicht. Entsprechend nervös waren die Anleger. Auch warten Sie weiterhin auf das Entspannungszeichen im Handelskonflikt zwischen China und den USA. Sollte das Phase 1 Abkommen zustande kommen, würden die Erwartungen sich deutlich verbessern und die Kurse weiter steigen. Am Freitag beendete der DAX die Handelswoche bei einem Stand von 13.241,75 Punkten. Der Dow Jones notierte hingegen am Freitagabend nach – zum wieder-holten Male – hoffnungsvollen Äußerungen zu einem Phase 1 vertrag mit 28.004,89 Punkten auf einem neuen Allzeithoch.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR