Finanzmärkte: It's the confidence, stupid!

18.05.2020

Die Frage nach den ökonomischen Auswirkungen der Corona-Pandemie kann weiterhin nicht abschließend beurteilt werden.

Allerdings wird das wahre Ausmaß zunehmend sichtbar. Nachdem in den Vorwochen bereits europäische Daten zum Wachstum im 1. Quartal veröffentlicht wurden, kamen in der vergangenen Woche die Daten aus Deutschland hinzu. Nur zwei Wochen Lockdown Ende März reichten aus, um die deutsche Wirtschaft mit einer Rate von 2,2 % schrumpfen zu lassen (siehe Seite 4). Auch wenn das Wachstum bereits ohne Corona nicht üppig ausgefallen wäre, zeigen die Daten wie heftig der Lockdown wirkt. Auf der anderen Seite des Atlantiks steigt im Zuge des nochmals etwas später vollzogenen Lockdowns die überaus deutlichen Auswirkungen auf die Einzelhandelsumsätze (-16,4 % im April, im Vormonatsvergleich), die Industrieproduktion (-11,2 %) sowie den Arbeitsmarkt. Mit den Daten zu den Erstanträgen auf Arbeitslosengeld zeigt sich, dass der Jobabbau unvermindert weiter voranschreitet. Abermals sind etwa 3 Mio. neue Arbeitslose hinzugekommen. Seit Beginn der Pandemie summiert sich die Zahl der neuen Arbeitslosen in den USA auf 36 Mio. Menschen. Das Schreckensszenario von 25 % Arbeitslosenquote rückt näher. Es ist somit nicht verwunderlich, dass Jerome Powell, der Chairman der US-Notenbank Fed, eine schnelle Erholung nicht erwartet. Selbst unter der Annahme, dass es keine zweite Corona-Welle gibt, rechnet er mit einer stetigen Erholung ab dem zweiten Halbjahr 2020, welche sich jedoch bis zum Ende des Jahres 2021 hinziehen könnte. Möglicherweise ist das Erreichen des Vorkrisenniveaus erst mit einem Impfstoff gegen Corona möglich. Damit würde die Pandemie sehr wahrscheinlich den Wahlkampf überdauern und entsprechenden Einfluss auf den Wahlausgang haben. Da der Konsum der US-Bürger eine der wesentlichen Stützen der US-Wirtschaft ist, betonte Powell, dass für eine vollständige Erholung der Volkswirtschaft das Vertrauen der Menschen wieder zurückkommen muss. Weder ein schneller Impfstoff, noch das Krisenmanagement von Donald Trump sprechen für eine schnelle Rückkehr des Vertrauens. Aus dieser Perspektive sollte der Blick nicht nur auf die Arbeitsmarktdaten, sondern vermehrt auch auf die Indikatoren zum Verbrauchervertrauen gerichtet werden. Nicht nur im US-Wahlkampf sollte daher der Satz: „It’s the conficence, stupid!“ die Richtung vorgeben.

Bundesanleihen weiter gefragt

Bundesanleihen bleiben als sicherer Hafen weiter gefragt. Die Rendite zehnjähriger Bunds befand sich zum Ende der Woche annähernd auf dem Niveau vom Wochenbeginn bei rund -0,53 %. Die Unsicherheit um die ökonomischen Auswirkungen der Corona-Pandemie sorgen für eine anhaltend hohe Nachfrage nach sicheren Häfen. Auch die Renditen von zehnjährigen Papieren aus Italien (rund 1,85 %) und Spanien (rund 0,85 %) rentieren auf einem stabilen Niveau. Hier sollte insbesondere die Intervention der EZB ausschlaggebend sein. Die Unsicherheiten über die Haushaltsbelastung in den beiden, von der Pandemie schwer getroffenen Staaten, bleibt groß. Ohne das aktuelle Kaufprogramm der EZB wären die Renditen deutlich höher und somit nicht nur die Schuldentragfähigkeit, sondern auch der Fortbestand des Euros am Markt kontrovers diskutiert

Internationale Energieagentur befeuert Öl

Die neue Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA) verhalf den Ölpreisen zu einem neuen Hoch. Laut der Prognose fällt die Überversorgung am Markt geringer aus, als zuletzt angenommen. Für das zweite Halbjahr wird im aktuellen Bericht sogar eine Unterversorgung vorhergesagt, was die Gefahr vor Lagerengpässen deutlich minimieren würde. WTI notierte am Ende der vergangenen Woche mit 29,67 US-Dollar pro Barrel knapp unter der Marke von 30 Dollar. Brent notierte bei 32,74 US-Dollar pro Barrel.

Euro/US-Dollar in enger Bandbreite

Die geldpolitischen Einflüsse auf die Wechselkurse sind weitgehend ausgereizt. Durch die schnelle ultra-expansiven Reaktionen der großen Notenbanken im Zuge der Corona-Pandemie gibt es keine Erwartungen mehr an Zinsdifferenzen, welche den Wechselkurs beeinflussen. Entsprechend gering ist in den letzten Wochen die Volatilität des Euro gegenüber dem US-Dollar. Ändern wird sich dies erst wieder bei einer Neuausrichtung der Geldpolitik einer Notenbank oder einer nachhaltigen institutionellen Schwächung einer der Währungen. Der Euro notierte am Freitag gegenüber dem US-Dollar bei 1,08 Dollar pro Euro.

DAX und Dow Jones nicht mehr bedenkenlos

An den Aktienmärkten ist der Optimismus etwas in den Hintergrund getreten. Insbesondere ein neuer Handelskonflikt zwischen China und den USA droht im Schatten der Corona-Krise. Die Aktienindizes sind entsprechend im Wochenverlauf leicht gesunken. Der DAX notierte zum Wochenende bei 10.465, der Dow Jones bei 23.685 Punkten.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR