Finanzmärkte: Kommen die Autozölle oder nicht?

04.11.2019

Bis zum 14. November wollen die USA über die Erhebung von Strafzöllen für den Import von Autos und Autoteilen entscheiden. Sie sind Teil der Strategie im Handelskonflikt mit Europa.

Nun stellt der US-Handelsminister in Aussicht, dass auf diese Zölle verzichtet werden könnte, da die Au-tokonzerne aus Europa, aber auch aus Asien im direkten Gespräch beschwichtigen konnten und u. a. höhere Investitionen in Aussicht gestellt haben. Allerdings kann auch davon ausgegangen werden, dass die US-Administration die Wirkung ihrer Handelspolitik zu spüren bekam – wenn-gleich sich die Aussichten aktuell stabilisieren. Zwar deutet sich weiterhin ein „Phase-1“-Abkommmen zwischen China und den USA an, dieses wird aber sehr wahrscheinlich die hoch strittigen Themen nicht beinhalten und letztlich eher den Status Quo festhalten. China hat recht deutlich verlautbaren lassen, dass es kaum zu Zugeständnis-sen bereit ist, da ihm die Impulsivität von Donald Trump Sorgen bereitet. Diese Sorge ist berech-tigt, da auch weitere Länder, wie beispielsweise Mexico, spüren mussten, dass eine Einigung mit der Trump-Administration auch schnell nichtig sein kann. Zudem können Handelsstreitigkeiten schnell mit anderen Politikfeldern vermengt werden. Für China ist daher ein umfassendes Handels-abkommen mit der aktuellen Administration ein Risiko. Der auf absehbare Zeit kaum zu been-dende und aus US-Sicht schon gar nicht leicht zu gewinnende Handelsstreit tangiert die US-Wirtschaft und lähmt die Angriffslust. Dies hat auch Europa erkannt. Die Unternehmen und die Unter-händler konnten trotz der, von den Amerikanern beklagten, mangelnden Fortschritten genug Anreize liefern, um eine Eskalation zu vermeiden. Tatsache ist aber auch, dass rund ein Jahr vor der Wahl und mit einem drohenden Impeachment konfrontiert Donald Trump aktuell keine weitere Handelseskalation gebrauchen kann. Die Zölle sollten in diesem Jahr vermutlich sogar bis zur Wahl 2020 nicht mehr kommen.

Bunds: im Bann der Risikowahrnehmung

Der Handelsstreit bewegte in der letzten Woche auch die Renditen von Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit. Chinas Zweifel an der Integrität Trump’s sorgten für risk off und sinkende Renditen. Zum Wochenende überwogen jedoch optimistische Aussagen zum Handelskon-flikt, die Renditen stiegen bei zehnjährigen Bunds auf etwa -0,38 % und US-Treasuries auf rund 1,71 %.

Ölpreise: OPEC pumpt kräftig

Der Ölpreis geriet im Laufe der vergangenen Woche unter Druck. Auch am Energiemarkt schlugen die pessimistischen Töne aus China zum Handelskonflikt durch. Eine sich in der Folge weiter abschwächende Konjunktur würde eine anhaltend geringere Nachfrage bedeuten. Gleichzeitig hat Saudi-Arabien nach den Ausfällen durch den Anschlag auf die Raffinerien im September die Produktion wieder normalisiert. Die europäische Sorte Brent sank am Freitag zunächst unter die Marke von 60 US-Dollar pro Barrel, stieg dann aber aufgrund positiver Konjunkturdaten und hoffnungsvolleren Tönen zum Handelskonflikt wieder auf etwa 61,70 USD an. Die US-Sorte WTI notierte zu Handelsschluss bei 56,20 USD.

Devisen: auch die Fed sieht noch Risiken

Der Handelskonflikt macht sich natürlich auch am Devisenmarkt bemerkbar. Zunächst konnte der US-Dollar im Zuge der Fed-Entscheidung gewinnen, da Jerome Powell die Geldpolitik auf neutral gestellt hat – die akuten Risiken aus Handelskonflikt und Brexit sind geringer geworden. Allerdings erklärte Powell in der Pressekonferenz auch, dass eher Abwärtsrisiken als Aufwärtsrisiken bestehen. Am Markt werden also für das kommende Jahr Zinssenkungen erwartet – was dem Dollar Attraktivität nimmt. Die Meldungen, dass die chinesische Regierung Zweifel an einem nachhaltigen und umfassenden Abkommen hat, schwächten in der Folge entsprechend den US-Dollar wieder. Das Risiko für die konjunkturelle Entwicklung in den USA ist noch nicht gebannt und weitere Zinssenkungen somit wahrscheinlicher als Zinsanhebungen. Über die vergangene Woche hinweg verlor der US-Dollar gegenüber dem Euro und notierte zum Wochenende bei rund 1,12 Dollar pro Euro.

Aktienmärkte zuversichtlich

An den Aktienmärkten fiel nach einer durchwachsenen Woche der Freitag ins Gewicht. Zunächst litten die Kurse auf beiden Seiten des Atlantiks unter den von der Fed kommunizierten nicht vollends eliminierten geopolitischen Risiken. Die über den Erwartungen veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten sowie die Hoffnungen auf eine Einigung im Handelskonflikt sorgten für deutliche Kurssteigerungen. Von den Meldungen konnten der Deutsche Aktienindex allerdings aufgrund des Handelsschlusses nicht vollständig profitieren und stieg im Wochenverlauf leicht auf 12.961 Punkte. Der Dow Jones indes schloss mit 27.347 Punkten nahe des bisherigen Allzeithochs.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR