Konjunktur: Geschäftsklima legt etwas zu

02.10.2019
 

 

In der deutschen Wirtschaft hat sich die Stimmung im September leicht erholt. Der ifo Geschäftsklimaindex ist gegenüber August um 0,3 Punkte auf einen Stand von 94,6 Punkten  gestiegen, nachdem er zuvor fünf Monate in Folge zurückgegangen war.

Maßgeblich für den Anstieg des wichtigen Konjunkturbarometers war die Geschäftslage. So haben die vom ifo Institut befragten Unternehmen ihre aktuelle Lage im September per Saldo etwas häufiger mit „gut“ bewertet, als zuvor. Bei den Aussichten für das nächste halbe Jahr hat sich hingegen der rückläufige Trend der Vormonate fortgesetzt. Der Saldo der Prozentanteile von „günstiger“- und „ungünstiger“- Meldungen zu den Geschäftserwartungen ist gegenüber August von -8,5 Punkten auf -9,6 Punkte gesunken, wozu die weiterhin schwelenden Handelskonflikte und der nach wie vor drohenden harte EU-Austritt Großbritanniens beigetragen haben dürften. Innerhalb der deutschen Wirtschaft zeigten sich jüngst unterschiedliche Tendenzen: Während sich das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe und im Handel weiter eintrübte, hat es sich im Dienstleistungssektor (ohne Handel) und im Bauhauptgewerbe verbessert.

Verbraucherstimmung weiter robust

Die Stimmung unter den deutschen Konsumenten ist nach wie vor robust. Das auf einer monatlichen Verbraucherbefragung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) basierende Konsumklima verharrte im September bei soliden 9,7 Punkten. Allerdings fiel das Stimmungsbild zuletzt erneut uneinheitlich aus. Während sich die Konjunkturerwartungen von einem niedrigen Niveau ausgehend etwas aufhellten und die nach wie vor hohe Anschaffungsneigung etwas zulegte, gaben die Einkommensperspektiven leicht nach.

Alles in allem legen die jüngsten Umfragedaten des ifo Instituts und der GfK nahe, dass die gesamtwirtschaftliche Entwicklung hierzulande gedämpft bleiben wird. Ein Abgleiten der deutschen Wirtschaft in eine Rezession ist derzeit aber wenig wahrscheinlich. Gegen das Eintreten eines starken, breit angelegten und dauerhaften Rückgangs der wirtschaftlichen Aktivitäten spricht nicht zuletzt der anhaltende Bauboom und der weiter voranschreitende Beschäftigungsaufbau, der die Konsumausgaben anregt. Gleichwohl ist nicht auszuschließen, dass es im Sommerhalbjahr 2019 zu einer technischen Rezession kam, im Sinne eines Rückgangs des preis-, kalender- und saisonbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen.

DIW-Konjunkturbarometer stabilisiert sich

Das vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ermittelte Konjunkturbarometer ist im September nicht weiter gesunken. Der Indikator blieb gegenüber dem Vormonat unverändert bei 89 Punkten. Er wird nach wie vor in erster Linie durch die schwachen Industrie-Daten nach unten getrieben. Nach Einschätzung der DIWFachleute dürfte sich das preis-, kalender- und saisonbereinigte BIP Deutschlands im zu Ende gegangenen 3. Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,2 % vermindert haben, nachdem es bereits im 2. Quartal leicht um 0,1 % zurückgegangen war. Damit wäre es im Sommerhalbjahr zu einer technischen Rezession gekommen. Jüngste Schätzungen des BVR deuten jedoch darauf hin, dass das BIP im 3. Quartal gestiegen ist. Der Zuwachs dürfte jedoch unter dem Potenzialwachstum geblieben sein.

Die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer technischen Rezession im Sommerhalbjahr beträgt den Schätzungen zufolge rund 25 Prozent. Erste amtliche Angaben zur BIPEntwicklung im 3. Quartal wird das Statistische Bundesamt am 14. November veröffentlichen.

Wirtschaftsklima im Euroraum gibt nach

Im Gegensatz zur Entwicklung in Deutschland, hat sich im Euroraum als Ganzes die wirtschaftliche Stimmung im September verschlechtert. Der von der EU-Kommission anhand einer Umfrage unter Unternehmen und Verbrauchern berechnete Wirtschaftsklimaindex ist im Vormonatsvergleich um 1,4 Punkte gesunken. Er befindet sich mit 101,7 Punkten aber weiterhin über seinem langjährigen Mittelwert von 100 Punkten. Verantwortlich für den Rückgang war die Stimmungseintrübung bei den Industrieunternehmen und, wenn auch im geringeren Umfang, bei den Einzelhandelsunternehmen. Im Dienstleistungssektor (ohne Handel) und im Baugewerbe blieb das Wirtschaftsklima hingegen im Wesentlichen unverändert. Lediglich unter den Verbrauchern hat sich die Stimmung verbessert. Das nach wie vor hohe Niveau des Wirtschaftsklimaindexes signalisiert, dass sich das gesamtwirtschaftliche Wachstum im Euroraum im 3. Quartal fortgesetzt hat. Im 2. Quartal war das BIP des Währungsraums mit einer Verlaufsrate von 0,2 % expandiert, gestützt durch die hohe Binnennachfrage.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR