Konjunktur: Konjunkturerwartungen hellen sich auf

27.05.2020

 

Nach dem deutlichen Rückgang der Wirtschaftsleistung im 1. Quartal und dem voraussichtlich noch schlechter verlaufenden 2. Quartal, werden die konjunkturellen Perspektiven Deutschlands von Finanzmarktexperten zunehmend günstiger bewertet.

Die ZEW-Konjunkturerwartungen sind im Mai kräftig um 22,8 Punkte auf 51,0 Punkte gestiegen, nachdem sie bereits im April um außerordentliche 77,7 Punkte zugelegt hatten. Der auf einer monatlichen Umfrage unter Finanzmarktfachleuten basierende Frühindikator befindet sich damit erheblich über seinem langjährigen Durchschnittswert von 21,1 Punkten. Offensichtlich schätzen die befragten Fachleute die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation in den kommenden sechs Monaten als sehr gering ein. Die aktuelle Lage Deutschlands bewerteten sie jüngst allerdings nochmals schlechter. Der entsprechende Lage-Indikator ist im Mai erneut gesunken, um 2,0 Punkte auf -93,5 Punkte. Insgesamt legen die aktuellen Umfrageergebnisse für die zweite Jahreshälfte eine allmähliche Belebung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung nahe, die hierzulande seit Mitte März stark durch die Folgen der Coronavirus-Pandemie beeinträchtigt wird. Sollte es zu keiner zweiten Pandemie-Welle kommen, dürfte der konjunkturelle Tiefpunkt bald durchschritten werden.

Inflationsrate minimal aufwärtskorrigiert

Das Statistische Bundesamt hat inzwischen detaillierte Angaben zur Verbraucherpreisentwicklung im April vorgelegt. Den aktuellen Angaben zu-folge fiel die Inflationsrate, basierend auf dem Verbraucherpreisindex (VPI), spürbar von 1,4 % im März auf 0,9 %. Der Preisanstieg war damit etwas höher als zuvor anhand vorläufiger Angaben berechnet: Ende April hatte das Bundesamt noch eine Inflationsrate von 0,8 % gemeldet. Zum Rückgang der Gesamtrate trugen vor allem die Energiepreise bei. Energiegüter haben sich, nachdem sie im März lediglich leicht um 0,9 % sanken, im April um erhebliche 5,8 % verbilligt. Hauptgrund hierfür waren die Rohölnotierungen, die sich insbesondere wegen der krisenbedingt weltweit eingebrochenen Nachfrage stark verminderten. Für die niedrigere Inflationsrate im April war jedoch auch das Schwinden der gesamtwirtschaftlichen Aktivitäten verantwortlich. In naher Zukunft dürfte der Preisdruck auf der Verbraucherstufe niedrig bleiben. Gemäß der aktuellen Inflationsprognose des BVR, die im Rahmen der Mai-Ausgabe des „Volkswirtschaft Kompakt“ veröffentlicht wurde, ist 2020 mit einem Anstieg der Verbraucherpreise von 0,5 % und 2021 von 0,8 % zu rechnen.

Euroraum-Inflationsrate auf 0,3 % gesunken

Im Gegensatz zur Inflationsrate Deutschlands, wurde die Inflationsrate des Euroraums als Ganzes zuletzt leicht abwärtsrevidiert. Gemäß den aktuellen Daten von Eurostat lag die Inflationsrate des Währungsraums, gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), im April bei 0,3 %. Vorläufige Eurostat-Schätzungen hatten zuvor einen Preisanstieg um 0,4 % signalisiert. Im März hatten sich die Verbraucherpreise um 0,7 % verteuert. Ebenso wie in Deutschland waren für den Rückgang der Inflationsrate vor allem die Energiegüter verantwortlich. Energie verbilligte sich im April um 9,7 % und damit deutlicher als im März mit -4,5 %. Die Kerninflationsrate, ohne Berücksichtigung von Energie und den ebenfalls vielfach stark schwankenden Nahrungsmittelpreisen, lag im April bei 0,9 %. Sie hat sich damit gegenüber März (+1,0 %) nur wenig verändert. Im Euroraum dürfte der Preisauftrieb in naher Zukunft ebenfalls gedämpft bleiben. Hierauf deuten auch die Industrie-Erzeugerpreise hin. Diese sind zuletzt, im März, um 2,8 % gesunken, nachdem sie sich bereits im Vormonat (-1,4 %) merklich verbilligt hatten.

Leichte Erholung der Verbraucherstimmung

Die Stimmung unter den Verbrauchern des Euroraums scheint sich im Mai etwas zu festigen, nachdem sie sich im März und April stark verschlechtert hatte. Darauf lassen zumindest vorläufige Angaben der EU-Kommission schließen, die auf einer monatlichen Verbraucherumfrage beruhen. Den Angaben zufolge ist der Indikator des Verbrauchervertrauens im Mai um 3,2 Punkte auf -18,8 Punkte gestiegen. Maßgeblich hierfür dürfte die Lockerungen der Coronavirus-bedingten Einschränkungen des öffentlichen Lebens sein, die inzwischen in vielen Euroraum-Staaten durchgeführt wurden. Der Indikator des Verbrauchervertrauens befindet sich allerdings weiterhin deutlich unter seinem langjährigen Durchschnittswert von -11,1 Punkten, was für die nahe Zukunft noch keine merkliche Verbesserung des Konsum-klimas erwarten lässt. Die privaten Konsumausgaben dürften im 1. und 2. Quartal merklich zurückgehen. Endgültige Angaben zur jüngsten Entwicklung der Verbraucherstimmung wird die EU-Kommission am 28. Mai veröffentlichen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR