Konjunkturerwartungen trüben sich weiter ein

18.11.2020

 

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland sind im Oktober erneut gesunken. Der auf einer monatlichen Umfrage unter Finanzmarktfachleuten beruhende Frühindikator ging gegenüber dem Vormonat merklich um 17,1 Punkte auf 39,0 Punkte zurück.

Die ZEW-Konjunkturerwartungen hatten bereits im September deutlich nachgegeben. Hauptgrund für die weitere Eintrübung des Stimmungsindikators ist offensichtlich die zweite Welle der Coronapandemie, die in Deutschland und vielen anderen Staaten zu neuen Infektionsschutzmaßnahmen führte. Wegen des Teil-Lockdown des Wirtschaftsgeschehens im November droht hierzulande zum Jahresende abermals ein Rückgang der Wirtschaftsleistung. Neben den konjunkturellen Perspektiven haben die befragten Fachleute auch die aktuelle Lage der deutschen Wirtschaft schlechter beurteilt. Der entsprechende ZEW-Lageindikator ist um 4,8 Punkte auf -64,3 Punkte gesunken. Insgesamt lassen die jüngsten Umfrageergebnisse erkennen, dass sich die Erholung vom Frühjahrseinbruch merklich verlangsamt.

Anhaltende Erholung des Exportgeschäfts

Das Exportgeschäft der deutschen Wirtschaft hat sich im September weiter vom Einbruch der Lockdown- Monate März und April erholt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wurden von Deutschland Waren im Wert von 109,8 Mrd. Euro ausgeführt und Waren im Wert von 89,0 Mrd. Euro eingeführt. Die Ausfuhren nahmen gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt um 2,3 % zu, nachdem sie bereits im August merklich um 2,9 % expandiert waren. Die Einfuhren blieben hingegen, nach einem kräftigen Anstieg um 5,8 % im August, im September mit einer Verlaufsrate von -0,1 % nahezu unverändert. Die Ausfuhren und Einfuhren befanden sich zuletzt um 7,7 % bzw. 5,7 % unter dem Stand vom Februar, dem Monat vor Ausbruch der Coronakrise in Deutschland. Im längerfristigen Zeitraum der Monate Januar bis September wurden von der deutschen Wirtschaft Waren im Wert von 880,0 Mrd. Euro exportiert und Waren im Wert von 751,1 Mrd. Euro importiert. Die Leistungsbilanz, bei der neben dem Waren- und auch der Dienstleistungshandel sowie die Salden der Primär- und Sekundäreinkommen Berücksichtigung finden, schloss mit einem Überschuss von 165,6 Mrd. Euro ab. Der Leistungsbilanzüberschuss, dessen Umfang und Dauerhaftigkeit in der Vergangenheit von vielen Ökonomen kritisiert wurde, hat sich damit gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 11 Mrd. Euro vermindert.

Euroraum-Industrieproduktion leicht gesunken

Im Euroraum ist der Aufholprozess der Industrieproduktion vom massiven Rückgang des Frühjahres ins Stocken geraten. Gemäß vorläufigen Angaben von Eurostat gab der preis-, kalender- und saisonbereinigte Ausstoß im September gegenüber dem Vormonat leicht um 0,4 % nach. Zuvor war die Produktion vier Monate in Folge kontinuierlich gestiegen, wenn auch mit im Zeitablauf nachlassender Dynamik. Maßgeblich für den leichten Rückgang im September waren die Produktionsverminderungen bei den Herstellern von Gebrauchsgütern (-5,3 %) und bei Energie (-1,0 %). Die Hersteller von Verbrauchs- (+2,1 %), Investitions- (+0,6 %) und Vorleistungsgütern (+0,5 %) haben ihre Erzeugung hingegen erhöht. Inwieweit die Industrieproduktion zum Jahresende wieder auf ihren Erholungspfad einschwenken wird, bleibt abzuwarten. Zwar legt der Orderindikator der EU-Kommission, der zuletzt sichtlich von -34,9 Punkten im September auf -29,1 Punkte im Oktober kletterte, für die nahe Zukunft wieder einen Produktionsanstieg nahe. Die im Zuge der zweiten Coronawelle in vielen Euroraum-Staaten erneut verschärften Schutzmaßnahmen dürften jedoch auch die Industrieaktivitäten dämpfen.

Anstieg des Euroraum-BIP um 12,6 %

Eurostat hat inzwischen neue Angaben zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung des Euroraums im 3. Quartal veröffentlicht. Das zentrale Ergebnis der Ende September publizierten vorläufigen Schnellschätzung wurde dabei minimal abwärtsrevidiert. Statt einem Anstieg des preis-, kalenderund saisonbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 12,7 % gegenüber dem Vorquartal, wird nunmehr ein Zuwachs um 12,6 % ausgewiesen. Das Wachstum war regional betrachtet breit angelegt. Alle Mitgliedsstaaten des Währungsraums, die Angaben für das 3. Quartal vorlegten, zeigten positive BIP-Veränderungsraten. Unter den großen Volkswirtschaften wiesen Frankreich (+18,2 %), Spanien (+16,7) und Italien (+16,1 %) die höchsten Wachstumsraten auf, was aber zu erwarten war, da diese Staaten von den Folgen der Coronapandemie besonders stark getroffen wurden und daher im 2. Quartal auch überdurchschnittliche Einbrüche hinnehmen mussten. Das BIP Deutschlands ist im 3. Quartal um 8,2 % expandiert. Angesichts der wieder verschärften Schutzmaßnahmen zeichnet sich für das laufende 4. Quartal ein Rückgang des Euroraum-BIP ab.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR