Konjunktur: Erwartungen verharren auf niedrigem Niveau

23.10.2019
 

 

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland blieben im Oktober nahezu unverändert auf ihrem niedrigen Vormonatsniveau. Der auf einer Umfrage unter Finanzmarktfachleuten beruhende Frühindikator gab geringfügig um 0,3 Punkte auf -22,8 Punkte nach.
Er befindet sich damit weiterhin deutlich unter seinem langjährigen Mittelwert von 21,4 Punkten, was angesichts der anhaltend hohen Unsicherheiten, insbesondere über den Fortgang der Handelskonflikte und des EU-Austritts des Vereinigten Königreichs, nicht verwundert. Neben den Konjunkturerwartungen für die nächsten sechs Monate haben die befragten Fachleute auch die aktuellen Lage Deutschlands verhaltener bewertet. Der entsprechende Lage-Indikator ging im Oktober um 5,4 Punkte auf -25,3 Punkte zurück, und markiert den niedrigsten Stand seit April 2010. Insgesamt deuten die aktuellen Umfrageergebnisse darauf hin, dass die konjunkturelle Schwächephase der deutschen Wirtschaft in naher Zukunft anhalten wird.

Etwas höhere Industrieproduktion

Im Euroraum hat sich die Industrieproduktion weiter gefestigt. Nach vorläufigen Angaben von Eurostat legte der Ausstoß der Industriebetriebe im August gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,4 % zu. Damit konnte der Rückgang vom Juli in gleicher Größenordnung ausgeglichen werden. Im Juni hatte die Industrieproduktion noch um deutliche 1,5 % nachgegeben. Innerhalb der Industrie zeigten sich im August abermals unterschiedliche Tendenzen: Während die Hersteller von Investitionsgütern (+1,2 %) ihre Erzeugung erneut spürbar ausweiteten, trotz der hohen globalen Unsicherheiten, gab der Ausstoß bei den Herstellern von Verbrauchs (-0,3 %), Gebrauchs- und Energieprodukten (jeweils-0,4 %) etwas nach. In den kommenden Monaten dürfte die Industriekonjunktur im Euroraum zunächst gedämpft bleiben. Hierauf deutet zumindest die jüngste Entwicklung des Order-Indikators. Der Indikator ist im September um deutliche 4,6 Punkte auf -16,8 Punkte gesunken und befindet sich damit erstmals seit 2014 unter seinem langfristigen Mittelwert von -15,5 Punkten.

Nahezu stagnierende Insolvenzzahlen

Der langjährige Abwärtstrend bei den Unternehmensinsolvenzen in Deutschland hat sich im Juli zunächst nicht fortgesetzt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wurden von den Amtsgerichten 1.644 Firmenpleiten gemeldet. Die Zahl der Insolvenzfälle stagnierte damit gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat im Wesentlichen (+0,2 %). Wie bereits zuvor waren die meisten Unternehmensinsolvenzen in den überwiegend binnenwirtschaftlich orientierten Bereichen Baugewerbe (295 Fälle), Handel einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (253) sowie Gastgewerbe (185) zu verzeichnen. Das vielfach stärker außenhandelsorientierte Verarbeitende Gewerbe (121 Fälle) trug demgegenüber weiterhin weniger deutlich zum gesamten Insolvenzgeschehen bei, trotz des schwierigen weltwirtschaftlichen Umfelds. Bei den Verbraucherinsolvenzen ging die Fallzahl im Juli erneut zurück, um 4,4 % auf 5.760. Im längerfristigen Vergleich der Monaten Januar bis Juli gaben sowohl die Unternehmens- als auch die Verbraucherinsolvenzen nach, um 3,1 % bzw. 4,4 %.

Inflationsrate im Euroraum auf 0,8 % gesunken

Eurostat hat inzwischen detaillierte Angaben zur Entwicklung der Verbraucherpreise im September vorgelegt und dabei das zentrale Ergebnis seiner ersten Schätzungen für den Euroraum leicht nach unten revidiert. Nach aktuellem Rechenstand lag der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) des Währungsraums nicht um 0,9 %, wie Anfang Oktober berichtet, sondern um 0,8 % über seinem entsprechenden Vorjahresmonatswert. Im August waren die Verbraucherpreis noch um 1,0 % gestiegen. Maßgeblich für den Rückgang der Inflationsrate waren vor allem die stärker fallenden Energiepreise. Die Energiepreise sind im Zuge niedrigere Rohölnotierung im September um 1,8 % zurückgegangen, nachdem sie sich im August um 0,6 % verbilligt hatten. In den kommenden Monaten dürfte der Preisauftrieb verhalten bleiben. Darauf lässt zumindest die Entwicklung der Industrie-Erzeugerpreise schließen, die in den letzten Monaten einer deutlichen Abwärtsbewegung folgten.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR