Konjunktur: Kräftiger Anstieg des ifo Geschäftsklimaindexes

01.07.2020

 

Im Juni hat sich das Geschäftsklima in Deutschland weiter vom Einbruch im Zuge der Corona- Krise erholt.

Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Vormonatsvergleich um deutliche 6,5 Punkte auf 86,2 Punkte gestiegen, nachdem er bereits im Mai zugelegt hatte. Der Anstieg des wohl bekanntesten Indikators für die konjunkturelle Entwicklung Deutschlands fiel damit so stark aus wie noch nie zuvor. Grund für die weitere Erholung des Geschäftsklimas waren vor allem die Erwartungen, die insgesamt von den befragten Unternehmen erneut weniger pessimistisch bewertet wurden als zuvor. Der Saldo der Prozentanteile von „günstiger“- und „ungünstiger“-Meldungen zu den Geschäftserwartungen ist von -31,2 Punkten auf -8,4 Punkte gestiegen. Zur jüngsten Verbesserung der Perspektiven dürften nicht zuletzt das Anfang Juni angekündigte Konjunkturpaket der Bundesregierung mit einem geplanten Umfang von 130 Mrd. Euro sowie die weiteren Lockerungen von Krisen-Maßnahmen beigetragen haben. Neben den Erwartungen bewerteten die befragten Unternehmen auch ihre aktuelle Lage weniger kritisch. Der Saldo der „gut“- und „schlecht“- Meldungen zur Geschäftslage kletterte von -20,2 Punkte im Mai auf -14,6 Punkte im Juni. Die Stimmungserholung war innerhalb der Wirtschaft breit angelegt. Das Geschäftsklima erhöhte sich sowohl im Verarbeitenden Gewerbe und Bauhauptgewerbe als auch im Groß- und Einzelhandel sowie im Dienstleistungssektor (ohne Handel) merklich.

Konsumklima legt ebenfalls zu

Auch unter den Verbrauchern in Deutschland hat sich die Stimmung nach einem massiven Einbruch stabilisiert. Das GfK-Konsumklima kletterte von -23,1 Punkten im Mai auf -18,6 Punkte im Juni. Darüber hinaus prognostiziert die GfK für Juli einen weiteren Anstieg des Konsumklimas auf dann -9,6 Punkte. Nach GfK-Angaben nahmen zuletzt sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartungen als auch die Anschaffungsneigung der befragten Verbraucher zu. Dennoch bleibe die Situation angesichts einer Rekordzahl an Kurzarbeitern sowie steigenden Arbeitslosenzahlen schwierig und fragil. Die Angst vor einem möglichen Jobverlust und vor Einkommenseinbußen würden den Konsum nach wie vor hemmen. Bereits im 1. Quartal waren die privaten Konsumausgaben hierzulande preis-, kalender- und saisonbereinigt gegenüber dem Vorquartal um deutliche 3,2 % gesunken. Besonders starke Aus-gabenrückgänge waren angesichts des virusbedingten Herunterfahrens des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens bei den Anbietern von Beherbergungs- und Gaststättenleistungen (-12,3 %) sowie von Bekleidung und Schuhen (-11,4 %) zu verzeichnen. Insgesamt verdichten sich mit jüngsten Umfrageergebnisse des ifo Instituts und der GfK die Hinweise, dass die rasante wirtschaftliche Talfahrt in Deutschland in naher Zukunft einer konjunkturellen Wiederbelebung weichen wird.

Weitere Stabilisierung des Verbrauchervertrauens

Nicht nur in Deutschland, auch im Euroraum festigt sich die Stimmung unter den Verbrauchern weiter. Gemäß vorläufigen Angaben der EU-Kommission dürfte der Indikator des Verbrauchervertrauens von -18,8 Punkten im Mai auf -14,7 Punkte im Juni steigen. Maßgeblich für den nunmehr zweiten Anstieg des Indikators in Folge, nach dem außergewöhnlich starken Rückgang zuvor, dürften auch im Euroraum als Ganzes die weiteren Lockerungen von Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung und neue staatliche Hilfsmaßnahmen sein, wie das Anfang Juni in Deutschland angekündigte Konjunkturpaket. Allerdings befindet sich der Indikator des Verbrauchervertrauens noch immer sehr deutlich unter seinem langjährigen Mittelwert von -11,1 Punkten. Die Konsumausgaben der Privathaushalte dürften daher im 2. Quartal erneut zurückgegangen sein. Der Privatkonsum hatte bereits im 1. Quartal gegenüber dem Vorquartal preis-, kalender- und saisonbereinigt um deutliche 4,7 % nachgegeben und war damit rechnerisch für rund zwei Drittel des BIP-Rückgangs um 3,6 % verantwortlich.

Mehr Aufträge im Bauhauptgewerbe

Trotz der Belastungen im Zuge der Corona-Krise scheint die Baukonjunktur hierzulande weiterhin ein Stabilitätsanker der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu sein. Hierauf deuten unter anderem die jüngsten Daten zum Auftragseingang im Bauhauptgewerbe des Statistischen Bundesamtes hin. Gemäß den Angaben stiegen die Aufträge im Krisen-Monat April gegenüber dem Vormonat saison- und kalenderbereinigt um 2,7 %. Das hohe Bestellvolumen vom April 2019 wurde aber deutlich um 5,3 % unterschritten. Die Produktion des gesamten Baugewerbes, zu dem neben dem Bauhauptgewerbe auch das Ausbaugewerbe zählt, war im April gegenüber dem Vormonat mit einer Verlaufsrate von 4,1 % gesunken. Im 1. Quartal hatte die Bauproduktion aber merklich zugelegt, befördert durch das vielerorts milde Winterwetter, das die übliche Frühjahrsbelebung früher einsetzen ließ.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR