Kräftiger BIP-Zuwachs im 3. Quartal

04.11.2020

 

Nach dem massiven Konjunktureinbruch der ersten Jahreshälfte 2020 ist die Wirtschaftsleistung Deutschlands im Sommerquartal unerwartet kräftig gestiegen.

Den Ergebnissen der vorläufigen Schnellschätzung des Statistischen Bundesamtes zufolge expandierte das preis-, kalender und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal um 8,2 %. Der Zuwachs fiel damit stärker aus als vom BVR im Rahmen seiner Sommerkonjunkturprognose erwartet worden war (+7,0 %). Auch die an der Gemeinschaftsdiagnose beteiligten Wirtschaftsforschungsinstitute rechneten in ihrem aktuellen Herbstgutachten mit einem geringeren Zuwachs (+6,5 %). Angaben zur Entwicklung der BIP-Verwendungskomponenten (Konsum, Investitionen, Außenhandel) liegen derzeit noch nicht vor. Diese werden vom Bundesamt voraussichtlich am 24. November veröffentlicht. Es ist jedoch davon auszugehen, dass insbesondere die privaten Konsumausgaben – nach der Lockerung der Schutzmaßnahmen vom Frühjahr — merklich zunahmen und einen spürbaren Beitrag zum BIP-Zuwachs leisteten. Im Euroraum ist die Wirtschaftsleistung im 3. Quartal ebenfalls stark gestiegen, nach ersten amtlichen Schätzungen um 12,7 %. Für das laufende 4. Quartal legen jüngste Schätzungen des BVR eine merkliche Abschwächung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung nahe. Im Zuge des von der Bundeskanzlerin und den Länder-Ministerpräsidenten beschlossenen Teil-Lockdowns ist zum Jahresende auch ein erneuter BIP-Rückgang denkbar.

Inflationsrate verharrt bei -0,2 %

Der leichte Rückgang der Verbraucherpreise hält hierzulande an. Gemäß vorläufigen amtlichen Berechnungen sank der Verbraucherpreisindex (VPI) im Oktober um 0,2 % unter seinem entsprechenden Vorjahresmonatswert. Im September hatte die Inflationsrate ebenfalls bei -0,2 % gelegen. Für den erneuten Preisrückgang waren vor allem zwei Faktoren verantwortlich. Zum einen sind die Energiepreise im Zuge niedriger Rohölnotierungen nach wie vor stark rückläufig. Haushaltsenergie und Kraftstoffe verbilligten sich im Oktober um 6,8 % und damit in ähnlichem Umfang wie im September (7,1 %). Zum anderen dämpft die befristete Senkung der Mehrwertsteuersätze den Preisauftrieb merklich. Die Dienstleistungspreise blieben jedoch aufwärtsgerichtet, entgegen dem allgemeinen Trend. Sie verteuerten sich sowohl im September als auch im Oktober um 1,0 %. Auch im Euroraum als Ganzes ist die Inflationsrate weiterhin negativ. Basierend auf den ersten amtlichen Angaben zum Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) lag sie im Oktober unverändert bei -0,3 %.

Arbeitsmarkterholung setzt sich fort

Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich zuletzt weiter von den Folgen des Lockdowns vom Frühjahr erholt. Gemäß den jüngsten Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist die Arbeitslosenzahl von September auf Oktober um 87.000 auf 2,76 Mio. Menschen gesunken. Hauptgrund für den Rückgang war die saisonübliche Herbstbelebung. Aber auch in saisonbereinigter Rechnung ging die Arbeitslosenzahl zurück (um 35.000), was für eine weitere konjunkturelle Stabilisierung spricht. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote fiel leicht von 6,3 % im September auf 6,2 % im Oktober. Positiv stimmen auch die aktuellen Angaben zur Kurzarbeit. Nach BA-Angaben wurden im August für 2,58 Mio. Menschen konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Ihre Anzahl hat sich damit gegenüber dem bisherigen Höchststand vom April (knapp 6 Mio.) in etwa halbiert. Die anhaltende Erholung zeigt sich auch in den Verlaufsdaten zur Erwerbstätigkeit. Die Erwerbstätigenzahl stieg im September saisonbereinigt um 24.000 Personen, nachdem sie bereits in den beiden Vormonaten zugenommen hatte. Im Oktober ist mit einem Andauern des moderaten Beschäftigungsaufbaus zu rechnen. Hierauf deutet unter anderem der BA-Stellenindex BA-X hin, der im Oktober um 4 Punkte auf 98 Punkte gestiegen ist.

Geschäftsklimaindex gibt etwas nach

Im Oktober trübte sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft leicht ein. Nach fünf Anstiegen in Folge ging der ifo Geschäftsklimaindex erstmals zurück, von 93,2 Punkten im September auf 92,7 Punkte im Oktober. Maßgeblich für den Rückgang waren die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate. Diese wurden von den befragten Unternehmen insgesamt skeptischer beurteilt als zuvor. Hauptgrund hierfür dürften die zuletzt erheblich gestiegen Coronainfektionszahlen und die damit einhergehenden zunehmenden Konjunktursorgen sein. Die aktuelle Lage wurde von den Umfrageteilnehmern allerdings per Saldo etwas besser bewertet als noch im September. Positiv stimmt auch, dass die durchschnittliche Kapazitätsauslastung im Verarbeitenden Gewerbe weiter stieg. Nach Angaben der Unternehmen nahm sie von 75,3 % zu Beginn des 3. Quartals auf jüngst 79,8 % zu. Alles in allem legen die jüngsten Umfrageergebnisse nahe, dass die Konjunkturdynamik Deutschlands nach dem sehr wachstumsstarken 3. Quartal im Jahresendquartal an Tempo verlieren wird.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR