Kurskorrektur nach Höhenflügen

07.09.2020

Die hoffnungsvolle Grundstimmung hat sich in der vergangenen Woche bis zum Donnerstagnachmittag weiter fortgesetzt. 

Die starke Aufwärtsbewegung und die immer neuen Rekorde des Dow Jones und des Nasdaq 100 hielten den DAX auf den höchsten Stand seit Februar, dem Hoch im Vorfeld des von der COVID-19-Pandemie ausgelösten Kurseinbruchs. Die zum Teil massiven realisierten Gewinne ließen sich durch die Entwicklung der ökonomischen Kennzahlen allerdings nur teilweise belegen, sodass sich mehr und mehr die Gefahr eines Rückschlags abzeichnete. Dieses Szenario trat am Donnerstagnachmittag auch ein. So verlor der Nasdaq 100 bis zu 5,4 %, was wiederrum den Dow Jones mit sich zog. Die Sogwirkung der Wall Street konnte sich der DAX schlussendlich auch nicht mehr entziehen. Allerdings ist das Ende der Rally nicht vollkommen überraschend gewesen. So war der Nasdaq zu stark von den großen Tech-Unternehmen Apple, Tesla und Microsoft getragen und nicht von der Breite des Marktes. Ferner wies der Anstieg des Volatilitätsindex (VIX) auf eine ungesunde ökonomische Entwicklung hin. Zudem machte unter Anlegern das Entstehen einer Blase die Runde. Trotz allem ist indes von einer Trendumkehr nicht auszugehen, vielmehr dürfte es sich um eine nicht unübliche Kurskorrektur handeln.

Konjunkturelle Ereignisse hatten in dieser Woche weniger Gewicht als üblich. So ließen die Einkaufsmanagerindizes zwar ein leichtes wirtschaftliches Wachstum erkennen, insgesamt fielen die Indikatoren aber schwächer als zunächst erwartet aus. Ferner entwickelten sich die US Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe zwar auch rückläufig, dennoch verbleiben sie auf einem recht hohen Niveau. In der vergangenen Woche stellten insgesamt 881.000 Menschen einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe (-130.000 zur Vorwoche). Die monatlichen Daten des US-Arbeitsmarktberichts sorgten hingegen für Verwirrung. So fiel zwar die US-Arbeitslosenquote von 10,2 auf 8,4 %, welche die Erwartung vom 9,8 % übertraf. Allerdings wurden deutlich weniger Arbeitsstellen als im Vormonat geschaffen, was eine deutlich langsamere Erholung der US-Wirtschaft indiziert. So bleibt die allgemeine Entwicklung weiterhin hoffnungsvoll, dennoch wird die bei vielen Anlegern verbreitete Erwartung einer sehr raschen wirtschaftlichen Wiederherstellung von den Zahlen nur in Ansätzen gestützt.

Bunds bleiben solide

Im Verlauf der zurückliegenden Woche konnten deutsche Staatsanleihen wieder leichte Kursgewinne verzeichnen. Im Fokus der Nachfrage stand insbesondere die erstmalige Ausgabe der grünen Staatsanleihen im Wert von 6,5 Mrd. Euro. Ziel dieser Anleihe ist es, auf der Basis des „grünen“ Teils der Staatsfinanzen, dem Bedarf nach nachhaltigen und gleichzeitig sehr sicheren Investments entgegen zu kommen. Am Freitagnachmittag notierten zehnjährige Bundesanleihen bei rund -0,48 %, was binnen Wochenfrist einem Rückgang um 7 Basispunkten entspricht.

Auf und ab der Ölpreise

Auf dem Ölmarkt kam es in der vergangenen Woche zu großen Schwankungen. So überwiegte zunächst eine wohlwollende Grundstimmung, was zu positiven Nachfrageeffekten führte. Der ab Dienstag steigende US-Dollar sorgte allerdings für eine geringere Nachfrage nach Öl, das üblicherweise in US-Dollar gehandelt wird. Dies hatte fallende Ölpreise zur Folge. Unter dem Eindruck der allgemeinen eingetrübten Perspektive am Finanzmarkt stieg der Ölpreis als Risikoanlage wieder. Am Freitagnachmittag notierte die Ölsorte Brent bei 39,69 Dollar pro Barrel. WTI kostete hingegen 44,12 Dollar pro Barrel.

Eurostärke verpufft

Der Devisenmarkt wurde in der abgelaufenen Woche ebenfalls durch große Volatilität beeinflusst. So stieg der Euro-Kurs gegenüber dem USDollar am Dienstagnachmittag kurzfristig auf über 1,20 an und erreichte das höchste Austauschverhältnis seit gut zwei Jahren. Dies ist unter anderem auf leicht verbesserte Konjunkturdaten im Euroraum zurückzuführen. Beflügelt durch den soliden US-Arbeitsmarktbericht sowie der EZB-Befürchtung über einen zu starken Euro, verlor der Euro seine Spitzenposition im weiteren Wochenverlauf wieder. Zum Wochenschluss am Freitag notierte die Gemeinschaftswährung bei rund 1,18 Dollar pro Euro und blieb damit gegenüber dem Vorwochenultimo unverändert.

Quo vadis DAX?

Zwischenzeitlich bis auf 13.450 Punkte geklettert, verursachte die Sogwirkung der US-Märkte auch einen Einbruch beim Deutschen Leitindex DAX. Am Freitagnachmittag schloss er dann bei 12.842 Punkte ab, was einem merklichen Wochenverlust von 1,5 % darstellt. Der extrem volatile Dow Jones schloss in der vergangenen Woche auf 28.133 Punkten, was einem Rückgang von 1,8 % zur Vorwoche entspricht.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR