Leichte Besserung der Arbeitsmarktlage

07.10.2020

 

Die Folgen der Coronaviruspandemie beeinträchtigen weiterhin merklich das Arbeitsmarktgeschehen in Deutschland. Dennoch gibt es Anzeichen, die auf eine allmähliche Verbesserung deuten.

Die Arbeitslosenzahl ist nach aktuellen Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) im September gegenüber dem Vormonat um 108.000 auf 2,847 Mio. Menschen gesunken. Grund für den Rückgang war in erster Linie die allgemeine Herbstbelebung. Nach dem Ende der Sommerpause werden in den Unternehmen üblicherweise viele Neueinstellungen vorgenommen. Die Verminderung der Arbeitslosigkeit fiel jedoch erneut etwas stärker aus als saisonal üblich. So ist die Arbeitslosenzahl in saisonbereinigter Rechnung gegenüber August um 8.000 Personen gesunken, was für eine Verbesserung des konjunkturellen Umfelds spricht. Auch die Arbeitslosenquote ist saisonbereinigt leicht gesunken, von 6,4 % im August auf 6,3 % im September. Auf eine langsame Erholung am Arbeitsmarkt lassen auch die jüngsten Daten zur Erwerbstätigkeit schließen. Die saisonbereinigte Erwerbstätigenzahl ist im August um 19.000 gestiegen, nachdem sie bereits im Juli zugelegt hatte. Der krisenbedingte Einbruch vom Frühjahr wurde damit gleichwohl bei weitem noch nicht ausgeglichen. Positiv stimmt zudem, dass die Kurzarbeit abermals zurückging. Nach aktuellen Hochrechnungen der BA wurden jüngst, im Juli, für 4,24 Mio. Menschen konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt und damit für deutlich weniger Menschen als während des Höchststandes vom April (5,95 Mio.). In naher Zukunft ist mit einer weiteren Erholung der Arbeitsmarktentwicklung zu rechnen. Hierauf deutet auch der BA-Stellenindex BA-X hin, der sich im September nochmals festigte.

Inflationsrate auf -0,2 % gesunken

Im September haben sich die Verbraucherpreise in Deutschland erneut etwas verbilligt. Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Angaben mitteilte, unterschritt der Verbraucherpreisindex (VPI), sein entsprechendes Vorjahresniveau um 0,2 %. Bereits im Juli waren die Verbraucherpreise leicht um 0,1 % gesunken. Im August hatten sie dann stagniert. Zum jüngsten Rückgang der Inflationsrate von 0,0 % auf -0,2 % trugen einerseits die Energiepreise bei, die offenbar im Zuge niedrigerer Rohölnotierungen im September stärker nachgaben als im August (-7,1 % gegenüber -6,3 %). Andererseits verminderte sich der Anstieg der Nahrungsmittelpreise etwas (+0,6 % nach +0,7 % im August). Bei den Dienstleistungspreisen hingegen hielt der Preisauftrieb unverändert an (+1,0 % nach +1,0 % zuvor). In naher Zukunft dürfte die Preisdynamik auf der Verbraucherstufe schwach bleiben, nicht zuletzt deshalb, weil die Verminderung der Mehrwertsteuersätze bis zum Jahresende andauert. Modellbasierte Schätzungen des BVR lassen derzeit für den Jahresdurchschnitt 2020 einen Anstieg der Verbraucherpreise um etwa 0,5 % erwarten.

Rückläufige Preise auch im Euroraum

Nicht nur hierzulande, sondern auch im Euroraum ist die Inflationsrate gesunken. Basierend auf den vorläufigen Angaben zum Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) lag sie im September bei -0,3 %. Allerdings hatte sie sich im Währungsraum bereits zuvor, im August, mit -0,2 % im negativen Bereich befunden. Analog zur Entwicklung in Deutschland wird die Gesamtrate vor allem durch die Energiepreise nach unten getrieben, die sich im September stärker verbilligten als zuvor (-8,2 % nach -7,8 % im August). Bei den Dienstleistungspreisen zeigte sich aber ein leicht abweichender Verlauf. Deren Anstieg hat sich im Euroraum etwas vermindert, von 0,7 % im August auf 0,5 % im September, was dämpfend auf die Gesamtrate wirkte. Vor dem Hintergrund der nachlassenden Preisdynamik bei Dienstleistungen hat sich auch die Kerninflationsrate (ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise) vermindert. Sie sank von 0,4 % im August auf 0,2 % im September. Endgültige Angaben zur jüngsten Entwicklung der Verbraucherpreise wird das Statistische Bundesamt am 13. Oktober und Eurostat am 16. Oktober veröffentlichen.

Weitere Erholung des Wirtschaftsklimas

Im Euroraum hat sich die wirtschaftliche Stimmung in den Unternehmen und unter den Verbrauchern erneut aufgehellt. Der Wirtschaftsklimaindex der EU-Kommission ist von August auf September um 3,6 Punkte auf einen Stand von 91,1 Punkten gestiegen. Er befindet sich damit aber nach wie vor sichtlich unter seinem vor Ausbruch der Coronakrise erreichtem Niveau und auch deutlich unter seinem langjährigen Durchschnittswert von 100 Punkten. Ausschlaggebend für den jüngsten Anstieg des Stimmungsindikators war der allgemein nachlassende Pessimismus in den Bereichen Industrie, Einzelhandel, Baugewerbe und vor allem im Dienstleistungsbereich. Unter den befragten Verbrauchern hat sich die Stimmung ebenfalls verbessert, allerdings weniger deutlich als in den Unternehmen. Insgesamt signalisiert der abermalige Anstieg des Wirtschaftsklimas, dass die Wirtschaftsleistung des Euroraums im 3. Quartal expandieren wird.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR