Finanzmärkte: Lockdown-Lockerung?

20.04.2020

In der vergangenen Woche wurden unter anderem in den USA und in Deutschland Schritte zur Lockerung der Kontakteinschränkungen kommuniziert. Die Ansätze unterscheiden sich in den Details.

Während in Deutschland alle Beschränkungen zunächst bis zum 3. Mai aufrechterhalten werden und der 4. Mai als Tag der ersten Lockerungen dient, gibt es in den USA keinen festen Termin. Dem US-Präsidenten kann es – vermutlich aufgrund des anstehenden Wahlkampfes – nicht schnell genug gehen. Die Zuständigkeit obliegt allerdings den Bundesstaaten und diese – insbesondere von Demokraten regierte – wollen nach eigenem Maßstäben vorgehen und nicht zu früh die Beschränkungen lockern. So blieb Donald Trump lediglich die Option, einen Drei-Phasen-Plan als Empfehlung zu veröffentlichen. Diese Phasen beschreiben im Wesentlichen den Grad der Interaktion der Menschen untereinander und das stufenweise Zurückkehren der Menschen an ihren Arbeitsplatz ab Phase 2. In Deutschland ist die Lockerung bereits konkreter. Ab dem 4. Mai dürfen – unter Wahrung der Abstandsregelungen – kleinere Läden wieder öffnen. Auch die Schulen sollten für Abschlussklassen wieder geöffnet werden. Für den öffentlichen Raum wird das Tragen von Masken empfohlen. Restaurants und Kneipen sollen zunächst ebenso wie größere Einkaufszentren und Kitas geschlossen bleiben.

Damit sollte aber insbesondere die Leistungsgruppe der jungen Eltern weiterhin nur eingeschränkt zur Wertschöpfung beitragen können. Von einer wachstumsfördernden Normalität kann also noch längst nicht ausgegangen wer-den. Hinzu kommt die Tatsache, dass gerade in Deutschland viele Produkte auf Vorprodukte aus anderen Ländern angewiesen sind. Ein nachhaltiges Hochfahren der Wirtschaft ist somit nur konzertiert über mehrere Ländergrenzen hinweg denkbar. Hierfür müssen aber auch international die Fallzahlen der Covid-19-Infektionen entsprechend sinken. Sollte es nur in einem Land eine zweite Welle der Infektionen geben, würde dies – zunächst durch Grenzschließungen – starke Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben. In-sofern scheint der deutsche Ansatz, die Infektionen auf eine nachvollziehbare Anzahl von Infektionen zu senken, gegenüber dem US-Plan, der lediglich auf ein Sinken der Neuinfektionen setzt, nachhaltiger zu sein. Die Entspannungstendenzen bei Covid-19 stehen auf tönernen Füßen und so-mit auch die ökonomischen Entwicklungen.

Expansive Fiskalpolitik vs. sicherer Hafen

Auf Staatsanleihen höchster Bonität, wie Bundesanleihen, wirken aktuell Kräfte aus verschiedenen Richtungen. Sinkende Renditetendenzen basieren auf der hohen Nachfrage nach dem sicheren Hafen – auf der anderen Seite steigende Renditentendenzen, hervorgerufen durch ein künftiges höheres Angebot aufgrund der expansiven Fiskalpolitik. So sanken die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen in der letzten Woche aufgrund schwacher US-Konjunkturdaten. Erst am Freitag sorgten die Aussagen des Bundesbankpräsidenten Jens Weidmann – es seien möglicherweise weitere fiskalische Programme notwendig, um die Folgen der Pandemie zu bekämpfen – kurz-zeitig für steigende Renditen. Zehnjährige Bundesanleihen schlossen die Woche mit einer Rendite von -0,47 %. Anders ist die Situation für italienische Staatsanleihen mit gleicher Restlaufzeit. Die Papiere litten unter den anhaltenden Diskussionen um die europäische Finanzierung der Folgen der Corona-Krise. Mitte März hatte die Intervention der EZB noch dazu geführt, dass die Renditen deutlich sanken, so stiegen diese in der vergangenen Woche leicht auf 1,84 % an.

Rohöl als Ladenhüter

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat in der vergangenen Woche neue Prognosen über die Ölnachfrage im laufenden Jahr veröffentlicht. Diese offenbaren, dass die OPEC+ auch bei der Umsetzung ihrer beschlossenen Produktionskür-zungen kaum die Probleme der übervollen Lager lösen kann. Es ist schlicht kein Platz für neues Öl verfügbar. Dies führt auch in den USA zu freiwilligen Förderkürzungen. Am Markt scheint bisher die Meinung eines temporären Problems zu do-minieren. Die Terminkurve bei WTI ist sehr steil und zeigt für Mai- und Juni-Kontrakte deutlich höhere Kurse an. Neben einer Verknappung des Angebotes durch Insolvenzen im US-Ölsektor, spielt auch die Hoffnung auf ein Ende des Lockdowns eine Rolle am Markt. WTI notierte am Frei-tag bei 18,20 US-Dollar und Brent bei 28,25 US-Dollar pro Barrel.

DAX und Dow Jones mit Wochenplus

Die Aussicht auf ein Ende des Lockdowns und mögliche Medikamente gegen Covid-19 sorgten für Wochengewinne bei dem Deutschen Leitindex DAX (10.626 Punkte, plus 0,58 %) und dem Dow Jones (24.243 Punkte, plus 2,2 %). In dieser Woche könnten erste Unternehmensberichte einen Einblick auf die Covid-19 bedingte Gewinnsituation im ersten Quartal 2020 geben.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR