Märkte im Spannungsfeld von Corona-Ängsten und Konjunkturhoffnungen

13.07.2020

Die Coronavirus-Pandemie zählte in der zurückliegenden Woche abermals zu den wichtigsten Themen an den Finanzmärkten.

Weiter steigende Neuinfektionszahlen in den USA und in Südamerika sowie die Sorgen vor einer zweiten Infektionswelle in Europa nährten die Furcht vor neuelichen Lockdowns mit verheerenden wirtschaftlichen Folgen. In den USA haben sich bereits mehr als 3 Mio. Menschen mit dem Virus infiziert. Ranghohe Mitarbeiter der US-Notenbank Fed zeigte sich daher besorgt über die Lage im Land. Der Präsident der Fed von Atlanta Raphael Bostic äußerte die Befürchtungen, dass die Krise länger dauern könnte als erwartet. Zuversichtlicher stimmte hingen der Fed-Vizepräsident Richard Clarida, der angesichts der aktuellen Lage weitere Unterstützungen der Notenbank für die Wirtschaft in Aussicht stellte.

Von Seiten der Konjunkturdaten gingen unterschiedliche Signale aus. In den USA fielen die jüngsten Arbeitsmarkdaten zwar etwas günstiger aus als erwartet, was der Hoffnung auf eine rasche Konjunkturerholung beförderte. Die Lage ist wegen der Pandemie aber weiterhin angespannt. Gemäß den Angaben des US-Arbeitsministeriums stellten in der Woche bis zum 4. Juli 1,314 Mio. Menschen erstmals einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe und damit 99.000 weniger als in der Vorwoche. In Europa hat die EU-Kommission ihre Einschätzungen zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung des Euroraums deutlich nach unten korrigiert, auch wegen einer Verschlechterung der globalen Perspektiven. Im Rahmen ihrer Sommer-Konjunkturprognose geht sie nunmehr davon aus, dass das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt des Währungsraums 2020 gegenüber dem Vorjahr um 8,7 % einbrechen wird. In ihrer Frühjahrs-Prognose hatte sie noch mit einem Rückgang um 7,7 % gerechnet. In Deutschland haben sich die amtlichen Verlaufsdaten zur Produktion und zu den Aufträgen des Verarbeitenden Gewerbe sowie zu den Ausfuhren jüngst, im Mai, zwar gefestigt (siehe hierzu auch die Ausführungen auf den Seiten 4 und 5). Dies spricht dafür, dass die Industriekonjunktur ihren Tiefpunkt durchschritten hat. Die Anstiege fielen jedoch schwächer aus als von Fachleuten zuvor erwartet. Angesichts dessen wird verstärkt damit gerechnet, dass die konjunkturelle Erholung in Deutschland eher einem U- als einem V-Verlauf gleichen wird.

An den Rentenmärkten haben auf Wochensicht die Ängste vor neuerlichen Lockdowns die Hoffnungen auf eine bessere Konjunkturentwicklung überschattet. Finanzmittel flossen verstärkt in als sicher geltende Häfen wie Bundesanleihen und US-Staatsanleihen. Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit rentierten am Freitag, dem 10. Juli, bei -0,47 % und damit 4 Basispunkte unter ihrem Vorwochenultimo. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel im Wochenvergleich ebenfalls um 4 Basispunkte auf 0,63 %

Ölpreise geben leicht nach

Die Furcht der Anleger vor den wirtschaftlichen Folgen möglicher neuer Corona-Einschränkungen schlug sich auch an den Ölmärkten nieder. Belastend auf die Notierungen wirkte auch der wöchentliche Ölbericht des US-Energieministeriums. Demnach stiegen die Rohölbestände zuletzt überraschend um 5,7 Mio. Barrel. Analysten hatten zuvor hingegen mit einem Rückgang von 3,3 Mio. Barrel gerechnet. Im Wochenvergleich sank die Nordseesorte Brent geringfügig um 1 Cent auf 40,56 Dollar je Barrel. Die US-Sorte WTI büßte zeitgleich um 40 Cent auf 42,5 Dollar je Barrel ein.

Etwas stärkerer Eurokurs

Der Eurokurs konnte im Wochenvergleich von dem in Europa gegenüber den USA günstigeren Verlauf der Corona-Krise profitieren. Schwache Konjunkturdaten aus dem Euroraum setzten die Gemeinschaftswährung nur vorübergehend unter Druck. Nach EZB-Angaben lag der Eurokurs am Freitag, dem 10. Juli, bei 1,13 US-Dollar. Er ist damit gegenüber seinem Vorwochenultimo um 1 Cent gestiegen.

Weitere Kursgewinne an den Börsen

An den Aktienmärkten hat die Hoffnung auf eine baldige Überwindung der Pandemie zu Wochenbeginn erneut für merkliche Kursgewinne gesorgt. Im weiteren Verlauf der Woche überwog jedoch angesichts steigender Infektionszahlen in den USA die Skepsis, sodass ein Teil der Gewinne wieder abgegeben wurde. Der Deutsche Aktienleitindex DAX stieg im Wochenvergleich nur leicht um 0,8 % und ging am Freitag mit 12.633 Punkte aus dem Handel. Der Dow Jones kletterte um 1,0 % auf 26.075 Punkte.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR