Märkte im Zeichen neuer Lockdowns

02.11.2020

Das Geschehen an den Finanzmärkten wurde in der zurückliegenden Woche durch die immer stärker ins Bewusstsein tretende zweite große Welle der Coronapandemie geprägt

Angesichts neuer Rekordwerte bei den Neuinfektionen wurden in vielen Staaten weitere Schutzmaßnahmen beschlossen. In Deutschland stieg die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus zum Ende der Woche auf über 19.000 Fälle. Wegen dieser und anderer alarmierender Epidemie-Kennzahlen vereinbarten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Bundesländer am vergangenen Mittwoch zusätzliche, einschneidende Krisenmaßnahmen. Ab heute werden neue bundesweit wirkende Kontaktbeschränkungen wirksam. In der Öffentlichkeit dürfen sich bis Ende November nur noch die Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes sowie insgesamt maximal zehn Personen treffen. Gastronomie-, Sport- und Freizeiteinrichtungen werden deutschlandweit im November grundsätzlich geschlossen. Beherbergungen werden nur noch für nicht-touristische Zwecke erlaubt. Von der Krise besonders betroffene Unternehmen sollen staatliche Nothilfen im Umfang von bis zu 75 % des Umsatzes vom Vorjahresmonat erhalten. In Frankreich trat bereits am vergangenen Freitag ein teilweiser Lockdown in Kraft, der bis Anfang Dezember gelten soll. Wie in Deutschland werden Schulen zwar geöffnet bleiben, Bars und Restaurants müssen aber schließen. Zudem wurden wieder strikte Ausgangsbeschränkungen eingeführt. Auch in Italien, Spanien, Belgien und Teilen Englands wurden neue Schutzmaßnahmen erlassen.

Mit den neuen Maßnahmen kamen Sorgen vor einem abermaligen Konjunktureinbruch auf. Die derzeitige Lage unterscheidet sich aber vielfach von der Situation vom Frühjahr. Zum einen gibt es im Gesundheitsbereich und im Wirtschaftsleben Lerneffekte. Die im Frühjahr gemachten Erfahrungen helfen bei der Bewältigung der neuen Herausforderungen. Zum anderen werden die aktuellen Lockdownmaßnahmen voraussichtlich weniger belastend sein, da Grenzen, Schulen und Kitas allgemein geöffnet bleiben sollen. Dennoch ist angesichts der neuen Maßnahmen das Risiko gestiegen, dass die konjunkturelle Erholung zum Jahresende unterbrochen wird. Auch in Deutschland scheint, nach dem sehr wachstumsstarken 3. Quartal, im Jahresendquartal ein moderater Rückgang der Wirtschaftsleistung nicht ausgeschlossen

EZB stellt weitere Lockerungen in Aussicht

Ein zweites wichtiges Thema an den Finanzmärkten war in der vergangenen Woche die Sitzung des EZB-Rats am Donnertag. Zwar beschloss der Rat zunächst keine geldpolitischen Änderungen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde kündigte nach der Ratssitzung jedoch weitere geldpolitische Lockerungen für Dezember an. Äußerungen Lagardes zufolge wird die Notenbank im Dezember, wenn neue Prognosen zu Wachstum und Inflation vorlägen, die geldpolitischen Instrumente neu ausrichten, soweit dies erforderlich sei. Die Wachstumsrisiken seien klar nach unten gerichtet. Der EZB-Rat sei sich daher während der Beratungen einig gewesen, dass weitere Maßnahmen notwendig seien.

Bundesanleihen rentieren schwächer

Vor dem Hintergrund der Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Coronapandemie und der Sorgen um die wirtschaftlichen Folgen der Teil- Lockdowns investierten Anleger verstärkt in die als sicher geltende Anlagen, wie deutsche Staatsanleihen. Die Rendite von Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit sank. Sie lag am Freitag, dem 30. Oktober, bei rund -0,62 % und damit 5 Basispunkte unter dem Stand vom Freitag der Vorwoche. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg hingegen auf Wochensicht leicht um 2 Basispunkte auf etwa 0,86 %, befördert auch von Spekulationen um neue staatliche Konjunkturhilfen nach der US-Präsidentschaftswahl.

Ölpreise sinken deutlich

Angesichts zunehmender Pandemie- und Konjunktursorgen gaben die Ölpreise nach. Die Nordseesorte Brent notierte am Freitag bei 37,54 USDollar je Barrel und damit 4,30 Dollar unter ihrem Vorwochenultimo. Die US-Sorte WTI verbilligte sich um 4,09 Dollar, auf 35,64 US-Dollar.

Rückäufiger Eurokurs

Wegen der höheren Nachfrage nach sicheren Anlagen gab der Euro gegenüber dem US-Dollar nach. Er verbilligte sich im Wochenvergleich um rund 2 Cent auf gut 1,16 % US-Dollar.

Massive Kursverluste an den Börsen

Trotz der Aussicht auf weitere geldpolitische Lockerungen im Euroraum und zusätzlicher fiskalischer Impulse gaben die Aktienkurse stark nach. Der DAX schloss am Freitag, dem 30. Oktober, bei 11.556 Punkten, 8,6 % unter seinem Vorwochenultimo. Der Dow Jones sank um 6,5 % auf 26.501 Punkte.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR