Märkte robust, trotz steigender Fallzahlen

17.08.2020

Die Fallzahlen der Corona-Erkrankten steigen in Deutschland und Europa wieder an. Insbesondere die Urlaubssaison scheint dafür verantwortlich zu sein, aber auch aufkommende Gelassenheit bei der Umsetzung der Vorsichtsmaßnahmen.

Vereinzelt werden Schulen ganz oder teilweise geschlossen, nachdem zu Beginn des neuen Schuljahres Lehrer oder Schüler für einen Ausbruch sorgen. Sollten die lokalen Ausbrüche weiterhin gut kontrollierbar bleiben, muss nicht mit gravierenderen Einschränkungen des öffentlichen Lebens gerechnet werden. Allerdings besteht die Gefahr einer wieder unkontrollierten Virus-Verbreitung. In diesem Fall wären wohl wieder größere Vorsichtsmaßnahmen angebracht und zu erwarten. Vor diesem Hintergrund reagieren die Finanzmärkte noch erstaunlich gelassen. Die USA zeigen die Amivalenz zwischen Lockdown und unkontrollierter Verbreitung des Viruses. Die USWirtschaft leidet in der Folge durch Einschränkungen, die zu einer hohen Arbeitslosenquote geführt haben und Unternehmen wie Verbraucher verunsichern. Die üppigen Hilfsmaßnahmen des US-Kongress liefen Ende Juli aus und stehen aktuell nicht abfedernd zur Verfügung. Die Risiken für breit gestreute Forderungsausfälle für Banken aber auch für Lieferanten steigen in der Folge deutlich. Entsprechend hoffnungsvoll reagierten die Märkte auf Meldungen, dass der Kongress die Streitigkeiten über ein verlängertes Hilfsprogramm beilegen könnte. Ohne die Unterstützung der Fiskalpolitik kann die Geldpolitik auf beiden Seiten des Atlantiks kaum erfolgreich aus der Krise führen. Diese Gewissheit führte in den letzten Wochen zur Erkenntnis, dass die Bekämpfung der Pandemiefolgen auch in den USA eine deutlich länger als erhoffte Niedrigzinspolitik zur Folge hat. Die Fed hatte dies mehrfach selbst angedeutet. Daraus ergibt sich eine Neubewertung an den Devisenmärkten, welche des US-Dollar schwächt. Aus europäischer Sicht wird der Unsicherheitsfaktor durch die Pandemie ergänzt um die exportschwächende Euro-Stärke.

Die Euphorie an den Finanzmärkten basiert somit auf der Annahme, dass die Fiskalpolitik weitere Maßnahmen zur Abfederung der Pandemiefolgen schnürt und gleichzeitig die Pandemie keine zweite große Welle an Ansteckungen produziert. Auch die Hoffnung auf einen Impfstoff stimmt positiv. Aus dieser Perspektive scheint es besser zu sein, am Markt investiert zu bleiben. Aber ein Risiko scheint in den Hintergrund gerückt zu sein. Die Handelskonflikte der USA sind nicht beendet.

Ölmarkt vor Nachfragesorgen?

Am Ölmarkt herrschte in der vergangenen Woche verglichen mit den letzten Monaten eher Ruhe. Die Kurse schwankten in etwa um 1 Dollar, im Zuge der Hoffnungen auf eine Einigung für ein Konjunkturpaket in den USA. Allerdings scheinen sich die Fundamentaldaten zu verändern. Die zuletzt eher etwas optimistisch eingestellte Internationale Energieagentur hat die Nachfrageprognose für das Jahr 2020 erstmals seit 4 Monaten wieder gesenkt. Ursächlich ist die weiter anhaltende Flaute im Verkehrs, insbesondere dem Flugverkehr. Die zurück gelegten Flugmeilen sind in Folge der Pandemie eingebrochen, entsprechend wird kaum Kerosin benötigt. Das Preisgefüge am Ölmarkt wird durch die wieder ansteigende Produktion in einigen Nicht-OPEC-Ländern wie den USA geschwächt. Gleichzeitig halten sich nicht alle OPEC Staaten an die vereinbarten Förderkürzungen. Diese haben letztlich entscheidenden Einfluss auf den Ölpreis im zweiten Halbjahr 2020. Brent notierte zum Wochenende bei 44,80 Dollar pro Barrel, WTI bei 42,01 Dollar.

Geldpolitische Ferien am Devisenmarkt

Im Westen nichts Neues. Es sind kaum Veränderungen in der Geldpolitik zu erwarten. Entsprechend gering ist die Handelsspanne von Euro und US-Dollar. Diese pendelte in der letzten Woche zwischen 1,172 und 1,186 Dollar pro Euro. Am Freitag notierte Das Währungspaar bei 1,184 Dollar pro Euro.

Korrektur bei Bunds?

Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen sind in der vergangenen Woche um 10 Basispunkt auf über -0,39 % gestiegen. Von Einer Trendumkehr kann angesichts des fundamentalen Umfeldes jedoch nicht ausgegangen werden. Es sollte sich vielmehr um eine Korrektur handeln, die bei zunehmender Risikoaversion wieder ein Ende finden wird. Am Freitag rentierten zehnjährige Bunds bei -0,41 %.

Gewonnen und zerronnen

Der deutsche Leitindex Dax ist in der vergangenen Woche wieder über die Marke von 13.000 Punkten geklettert. Insbesondere die Aussicht auf eine Einigung im US-Kongress zum Konjunkturprogramm sorgte für risk-on. Zum Ende der Woche überwogen jedoch die Corona-Sorgen, was aber noch zu einem versöhnlichen Wochenergebnis von 12.901 Punkten, rund +1,8 % reichte. Auch der Dow Jones stieg um 1,8 % im Wochenverlauf auf 27.931 Punkte.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR