Konjunktur: Merklich steigende Industrieproduktion zum Jahresauftakt

11.03.2020

 

Nach einem schwachen Jahr 2019 fielen die „harten“ Daten zur Industriekonjunktur in Deutschland zu Jahresbeginn 2020 überwiegend positiv aus. 

Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Angaben mitteilte ist die Produktion des Verarbeitenden Gewerbes im Januar gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 2,9 % gestiegen. Der Anstieg sollte aber nicht überinterpretiert werden, da er nicht zuletzt auch aus Nachholeffekten der besonderen Brückentagekonstellation im Vormonat resultierte. Im Dezember war die Industrieproduktion im Zuge dieser Brückentagekonstellation um 2,0 % gesunken. In dem vom kurzfristigen Schwankungen weniger stark betroffenen Zweimonatsvergleich stagnierte der industrielle Ausstoß im Wesentlichen (-0,1 %). Im Baugewerbe legte die Produktion im Zweimonatsvergleich hingegen um 0,7 % zu. Hier dürfte neben der Brückentagekonstellation im Januar auch das vergleichsweise milde Winterwetter zusätzliche Impulse gegeben haben. Die Bauproduktion nahm nach einem Rückgang um 2,8 % im Dezember zu Jahresanfang um deutliche 4,7 % zu.

Deutliches Auftragsplus

Nicht nur die Produktion, auch die Auftragseingänge des hiesigen Verarbeitenden Gewerbes sind im Januar merklich gestiegen. Die Neuaufträge legten nach vorläufigen amtlichen Angaben mit einer Verlaufsrate von 5,5 % zu, nachdem sie im Dezember noch um 2,1 % zurückgegangen waren. Maßgeblich für den kräftigen Orderzuwachs war eine deutliche Ausweitung der Bestellungen aus dem Ausland (+10,5 %) und hier insbesondere aus dem Euroraum (+15,1 %). Die Inlandsorders gaben hingegen um 1,3 % nach. Im Zweimonatsvergleich Dezember/Januar gegenüber Oktober/November erhöhten sich die Aufträge leicht um 0,2 %. Positiv stimmt auch, dass sich zuletzt die Geschäftserwartungen im Verarbeitenden Gewerbe fünf Monate in Folge aufhellten. Vor diesem Hintergrund zeichnet sich für die Industriekonjunktur allmähliche eine Belebung ab. Die konjunkturelle Trendwende könnte allerdings durch die Folgen der Coronavirus-Krise noch verzögert werden.

Euroraum-Inflationsrate auf 1,2 % gesunken

Die Inflationsrate des Euroraums ist im Februar wieder leicht gesunken, nachdem sie zuvor drei Monate in Folge etwas gestiegen war. Nach vorläufigen Angaben von Eurostat lag der Harmonisierte Verbraucherpreisindex um 1,2 % über seinem Vorjahresstand. Im Dezember und Januar hatten die Verbraucherpreise noch um 1,3 % bzw. 1,4 % zugelegt. Hauptgrund für den Rückgang der Inflationsrate waren die Energiepreise. Energie hat sich im Februar um 0,3 % verbilligt, offenbar wegen der im Zuge der Coronavirus- Ausbreitung gesunkenen Rohölnotierungen. Zum Vergleich: Im Januar waren die Energiepreise noch um 1,9 % gestiegen. Bei den Preisen für Dienstleistungen und Nahrungsmittel hat sich der Anstieg hingegen leicht erhöht. Nahrungsmittel verteuerten sich im Februar um 2,2 % (nach +2,1 % im Januar), Dienstleistungen um 1,6 % (nach +1,5 %). Sollte der Rohölpreis auf dem zuletzt erreichten niedrigen Stand verharren, wäre in den nächsten Monaten weiterhin mit Inflationsraten zu rechnen, die deutlich unter der von der EZB angestrebten mittelfristigen Obergrenze von knapp 2 % lägen. Auf eine anhaltend moderate Preisentwicklung lassen auch die Industrie- Erzeugerpreise schließen. Diese sind zuletzt, im Januar, um -0,5 % gesunken, wobei merklich steigenden Verbrauchsgüterpreisen (+2,2 %) stark rückläufige Energiepreise (-3,6 %) gegenüberstanden.

Weiterhin niedrige Arbeitslosenquote

Im Euroraum zeigt sich die Arbeitsmarktlage noch immer robust. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote verharrte nach jüngsten amtlichen Schätzungen im Januar mit 7,4 % auf ihrem vergleichsweise niedrigen Vormonatsniveau. Im Januar 2019 hatte sie noch bei 7,8 % gelegen. Vor dem Hintergrund der soliden Arbeitsmarktentwicklung dürfte die Aufwärtsbewegung bei den privaten Konsumausgaben im Währungsraum anhalten. Der Privatkonsum war nach letzten amtlichen Angaben im 3. Quartal gegenüber dem Vorquartal preis-, kalender- und saisonbereinigt um kräftige 0,5 % gestiegen und trug rechnerisch mit 0,3 Prozentpunkten zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum von 0,2 % bei. Angaben zur Entwicklung der Konsumausgaben im 4. Quartal liegen derzeit noch nicht vor. Diese werden von Eurostat voraussichtlich am 10. März veröffentlicht.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR