Miteinander statt Gegeneinander

26.03.2021

von Nikolai Steger
Foto Adobe Stock

„Gemeinsam gegen Corona“ lesen wir derzeit in den Werbungen für die Impfkampagne. Wir hören es in den Durchsagen der U-Bahn. Und wir halten uns daran. Erledigen alle unseren Teil der Abmachung, gemeinsam einsam zu sein, damit wir in naher Zukunft wieder gemeinsam zweisam oder dreisam, vielleicht sogar zehnsam sein können.

Im Kontrast dazu steht das alte Mantra des Marktes: Alle gegen alle. Ruinöse Preiswettkämpfe, jede:r kämpft für sich um den größten Teil des Kuchens - allein und gegen den Rest. Die Folge: Abschottung von anderen. Klar, das gibt es alles noch. Allerdings tritt eine neue Form des Wettkampfs immer häufiger und erfolgreicher auf. Die strategische Allianz. Kooperation statt Konkurrenz. Zumindest teilweise. Ein Beispiel? BioNtech und Pfizer, innovatives Pharmastartup und globaler Pharmakonzern, bündeln ihre respektiven Kernkompetenzen und entwickeln gemeinsam den ersten von einer „strengen“ Regulierungsbehörde zugelassenen Covid-19 Impfstoff. BioNtech verfügt über eine innovative Art, Impfstoffe aus RNA herzustellen, Pfizer über das notwendige Knowhow bezüglich klinischer Studien, Herstellung und Logistik.

Ein Einzelfall? Nein. Wenn sich eine Branche mit einem großen Umbruch konfrontiert sieht und die Welt volatiler, schneller, unsicherer und komplexer wird (eine so genannte VUCA World), dann bietet sich Zusammenarbeit ganz besonders an, um innovative Lösungen zur Befriedigung der Konsument:innenbedürfnisse zu erfinden. Volkswagen und Microsoft verbünden sich, um autonomes Fahren zu ermöglichen und um den digitalen Vorreitern wie Google Paroli bieten zu können. BMW und Mercedes starten gemeinsam eine Mobilitätsplattform, die gegen Uber und Co. bestehen soll. Die Beratungsgesellschaft Accenture kauft die Digitalagentur Kolle Rebbe auf, um von Beratung zur Umsetzung alles aus einer Hand anbieten und sich auf dem wandelnden Markt behaupten zu können. In der Modewelt sind Kollaborationen inzwischen kaum noch wegzudenken. Ein Beispiel hierfür ist der Branchengigant Louis Vuitton, der eine Kollektion mit Supreme herausbringt - Streetwear-Hypebrand trifft alteingesessenes Modehaus.

Für die Industrie 4.0 verbünden sich zahlreiche Mittelständler mit Startups und profitieren von der gegenseitigen Expertise.

Und auch die Finanzwelt wandelt sich seit Jahren mit zunehmender Geschwindigkeit. Neue Regulatorik, Digitalisierung, sinkende Zinsen und zahlreiche digitale Angreifer von FinTechs bis zu Apple & Google verändern die Landschaft und lassen alte Erfolgsrezepte obsolet erscheinen. Kund:innen übertragen ihre Erfahrungen bei digitalen Vorreitern in puncto Geschwindigkeit, Erreichbarkeit, Convenience und Nutzer:innenfokussierung auch zunehmend aufs Banking. Die Erwartungshaltung ist hoch.

Lange wurden FinTechs als Gegner von klassischen Kreditinstituten wahrgenommen. Seit einiger Zeit findet jedoch ein Umdenken statt. Kooperationen mit FinTechs statt Konkurrenz. Miteinander statt gegeneinander. Banken sehen die Chance, innovativer zu werden, einen Kulturwandel einzuleiten. Spannende neue Ansätze auch für die eigenen Kund:innen zu ermöglichen. Dinge, die inhouse vielleicht nie so schnell kreiert worden wären. Vor allem erlaubt es Banken, sich auf das zu konzentrieren, was sie ohnehin schon können. Kund:innen beraten, vertrauenswürdige Partner in allen Finanzangelegenheiten sein und regulatorischer Komplexität begegnen. FinTechs profitieren hingegen von deren oft langjährigen Erfahrung, von schneller Skalierbarkeit und vor allem größerer Sicherheit an der Seite eines finanziell und strategisch starken Partners, um im Kampf gegen die US-Internetgiganten zu bestehen.

Natürlich ist das kein Selbstläufer. Eine erfolgsversprechende Zusammenarbeit will gut vorbereitet sein. Differenzen hinsichtlich Unternehmenskultur, Entscheidungsstrukturen und Risikoneigung müssen überwunden werden. Zusammenarbeit auf Augenhöhe und gegenseitiges Verständnis sind - wie in jeder anderen Partnerschaft auch - essenziell für den Erfolg.

Gemeinsam partnerschaftlich Dinge zu erreichen, die einzelne allein nicht vermögen, ist auch Kern der genossenschaftlichen Idee. So ist es wenig verwunderlich, dass die DZ Bank, das genossenschaftliche Spitzeninstitut, zu den Vorreitern in Bezug auf Kooperationen zählt.  Auch die Berliner Volksbank arbeitet seit Jahren mit FinTechs zusammen und investiert über ihren Risikokapitalarm Berliner Volksbank Ventures in erfolgsversprechende neue Marktanbieter. Mit VAI Trade wurde gerade ein von der Berliner Volksbank mitgegründetes Fintech in die Bank integriert.

Auch außerhalb von Corona scheinen Kooperationen in dynamischen Umwelten also ein Schlüssel zum Erfolg zu sein. Miteinander statt gegeneinander. Mir gefällt's.

Hinter den Kulissen einer Erfolgsstory

Wie passen eigentlich Fintech und Volksbank zusammen? In einem gemeinsamen Gespräch berichten Carsten Jung, Vorstandsvorsitzender der Berliner Volksbank, und David Block, CEO des Fintechs VAI Trade, über ihre Erfahrungen, unterschiedliche Welten, Aha-Momente und wer bei einer solchen Kooperation von wem lernen kann.

Das komplette Interview gibt's hier und auf Youtube.

Nikolai Steger

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