Finanzmärkte: Nach Phase-1-Abkommen nun Iran-Eskalation

06.01.2020

Nachdem sich die USA und China im Handelskonflikt auf ein Phase-1-Abkommen geeinigt hatten und die Unterzeichnung für den 15. Januar 2020 in Washington angekündigt wurde, gab es für die Märkte kaum noch ein Halten.

Der Risk-On-Modus wurde aktiviert. Insbesondere in der traditionell umsatzschwachen Zeit vor und nach Weihnachten sorgte dies für deutlich steigende Kurse an den Aktienmärkten. Ausgeblendet wurde von den Marktteilnehmern abermals, dass es sich nicht um eine Vereinbarung handelt, die alle Hemmnisse für den Welthandel beseitigt. Auch wenn die beiden Konfliktparteien wieder konstruktiv miteinander zu reden scheinen, ist ein allumfassendes Handelsabkommen in weiter Ferne. Die Möglichkeit, dass eine Einigung nicht über das nun angekündigte Maß hinausgeht, erscheint recht groß. Während Donald Trump – vermutlich bereits mit Wahlkampf-Absichten – den Handelskonflikt mit China eindämmt, geht er auf der anderen Seite einen neuen Konflikt mit dem Iran ein. Die Tötung des Generals Soleimani in Bagdad sorgt für eine gefährliche Lage am Persischen Golf. Neben einer möglichen zunehmenden Bedrohung durch den Iran, einer Vergeltung für den Angriff auf die US-Botschaft im Irak, scheint auch die Impulsivität des US-Präsidenten ursächlich für die Entscheidung der USA. Bei allen Annahmen darf allerdings auch hier der Wahlkampf nicht außer Acht gelassen werden. Amerikanische Bürger versammeln sich im Krisenfall immer hinter dem jeweils regierenden Präsidenten. Unabhängig von den genauen Beweggründen könnte diese Entscheidung in der Trump-Präsidentschaft noch viel weitreichender sein als alle bisherigen. Die Kapitalmärkte haben zurecht verschnupft auf die Meldungen des Drohnenangriffes reagiert. Die Gefahren für die Weltwirtschaft und den Frieden in der Region werden allerdings erst in den kommenden Tagen und Wochen deutlich zu Tage treten. Für die Märkte verheißt dieser Konflikt nichts Gutes – die geopolitischen Risiken sind wieder sprunghaft angestiegen: Risk-Off.

Bunds als sicherer Hafen gesucht

Die Meldungen über den US-Drohnenangriff in Bagdad sorgten am Freitag für große Nachfrage nach Bundesanleihen. Die Renditen zehnjähriger Papiere sanken auf -0,30 %, nachdem sie zuvor in der Euphorie über den US-chinesichen Handelsdeal auf bis -0,16 % gestiegen waren. Auch zehnjährige US-Treasuries fielen um circa 20 Basispunkte auf 1,78 %.

Ölangebot in Gefahr?

Auch die Ölpreise reagierten auf die neue Eskalationsstufe im Nahen Osten. Ein Großteil der weltweiten Ölnachfrage wird durch Ölexporte aus dieser Region bedient. Auch wenn der Iran selbst durch die US-Sanktionen kaum noch Öl exportiert, sind doch neben der Straße von Hormus – die der Iran blockieren könnte – viele Ölförderanlagen und Raffinerien von US-Verbündeten in Reichweite des Irans. Der dem Iran zugeschriebene Raketenangriff auf eine Raffinerie in Saudi- Arabien im September 2019 könnte nur ein Vorgeschmack auf eine iranische Reaktion auf die Tötung des hochrangigen Generals gewesen sein. Dass es zu einer Reaktion kommen wird, steht angesichts der innenpolitischen Bedeutung und der Nähe des Generals zu Ajatollah Chamenei hingegen fest. Die US-Sorte WTI notierte am Freitagabend annähernd 64,00 Dollar pro Barrel deutlich fester, ebenso die europäische Sorte Brent mit rund 70,00 Dollar pro Barrel.

US-Dollar paradox?

Der US-Dollar bewegt sich insbesondere nach Weihnachten auf einem schwachen Pfad. So mussten mit 1,12 Dollar rund zwei Cent mehr für einen Euro gezahlt werden, als das noch vor dem Weihnachtsfest der Fall war. Die Meldungen über einen Termin für eine Unterzeichnung des Phase- 1-Abkommens sorgten für Entspannung am Markt. Dies sollte aufgrund der Zinserwartungen die Marktteilnehmer in den Dollar locken und ihn somit stärken. Allerdings waren die Handelsumsätze in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr wie in jedem Jahr eher schwach. In diesem Umfeld setzten sich wohl jene Marktteilnehmer durch, die den Dollar als sicheren Hafen hielten und diesen nun angesichts vermeintlich geringerer Risiken für die Weltwirtschaft loswerden wollten. Dieses Muster kehrte sich am 3. Januar zunächst um. Der Schock über die Auswirkungen der Eskalation des US-Iran-Konfliktes sorgte für Nachfrage nach US-Dollar. Nach einem Tief bei rund 1,113 Dollar pro Euro pendelte sich der Kurs bei etwa 1,117 Dollar pro Euro am Freitagabend ein.

Goodbye Allzeithoch?

Die Euphorie im Handelsstreit trieb die Aktienmärkte auf neue Höchstwerte und den Dow Jones mit 28.870 Punkten auf ein neues Allzeithoch. Allerdings konnte weder der Dow Jones noch der DAX das Niveau halten. Der Dow Jones notierte zum Wochenende bei 28.634 Punkten und der DAX bei 13.219 Punkten. Der Ausblick ist aufgrund des Konfliktes mit dem Iran negativ.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR