Finanzmärkte: Phase-1-Abkommen als Weihnachtsgeschenk

16.12.2019

Die USA und China überraschen mit einem Zwischenabkommen zum Handelsstreit.

Kurz vor Ablauf der Frist für eine weitere Eskalation ist es also gelungen, die Spirale etwas zurückzudrehen. Für Donald Trump scheint der innenpolitische Druck und der nahende Wahlkampf ausreichend hoch gewesen zu sein, diesen strategischen Schritt zu gehen. Es könnte sich herausstellen, dass er das Jahr 2020 bis zu den Wahlen nutzen will, um die bestehenden außenpolitischen Konflikte zu beruhigen um sich als der große Dealmaker darstellen zu können, als der er sich selbst sieht. Im Detail hat das aktuelle Zwischenabkommen nicht nur die neuen Zölle, welche am 15. Dezember in Kraft treten sollten, verhindert, sondern weitere Handelserleichterungen bewirkt. Während auch China auf neue Zölle vorerst verzichtet, werden US-Zölle, die zum 1. September eingeführt wurden auf 7,5 % reduziert. Weitere Zölle aus früheren Eskalationsrunden bleiben bestehen. China erklärt sich im Gegenzug bereit, seine US-Importe in den kommenden zwei Jahren um 200. Mrd. US-Dollar zu erhöhen. Neben Industrieprodukten und Energie sind vor allem Lebensmittel und landwirtschaftliche Erzeugnisse in die Verpflichtung einbezogen. Eben jene Waren, welche die Kernwählerschaft von Trump betreffen und vermutlich Produktionsstätten in umkämpften Bundesstaaten einen Mehrwert bringen. Weitere Bestandteile des Zwischenabkommens sind das geistige Eigentum, Erleichterungen beim Marktzutritt in China sowie der Verzicht auf Wechselkursbeeinflussung durch Abwertung des Yuan. Es bleibt abzuwarten, ob weitere Vereinbarungen folgen. Allerdings erscheint dies nur möglich, wenn diese für Trump opportun sind und einen innenpolitischen Vorteil bieten.

Bunds im Wochenverlauf leicht schwächer

Die Deeskalation im Handelskonflikt zwischen den USA und China findet sich auch in der Risk-on Stimmung am Markt wieder. Der sichere Hafen wurde verlassen und die Renditen stiegen deutlich an. Ergänzt um die Klarheit zum Brexit, aufgrund des deutlichen Wahlsieges von Boris Johnson, stiegen die Renditen zehnjährige Bundesanleihen bis auf -0,22 % an, um mit rund -0,30 ins Wochenende zu gehen. Auch zehnjährige USTreasuries rentierten im Wochenverlauf stärker, gingen mit einer Rendite von rund 1,83 % jedoch kaum verändert ins Wochenende.

Handelsdeal suggeriert Ölnachfrage

Auch die Ölpreise wurden durch den Handelsdeal zwischen China und den USA gestärkt –allerdings eher verhalten. Das Szenario eines Überangebotes, insbesondere für das erste Halbjahr 2020, bleibt weiter bestehen. Die konjunkturelle Entwicklung sollte weiter verhalten bleiben. Letztlich ist mit dem Handelsdeal zunächst eine weitere Eskalation vermieden worden. Ein Großteil der Zölle haben weiterhin Bestand. Zudem ist das verhaltene weltweite Wachstum zwar auch durch den Handelsstreit ausgelöst worden, hat sich mittlerweile aber verstetigt. Nicht zu vergessen die quasi Lahmlegung der WTO, durch die USBehinderung bei der Besetzung neuer Schlichter. Die US-Sorte WTI notierte am Freitagabend bei etwa 60,00 Dollar pro Barrel, während die europäische Sorte Brent mit rund 64,90 Dollar pro Barrel ins Wochenende ging. 

Das Britische Pfund macht einen Sprung

Mit der Wahl in Großbritannien am vergangenen Donnerstag hofften die Märkte auf Klarheit für den anstehenden Brexit. Die Höhe des errungenen Sieges verblüfte scheinbar Boris Johnson selbst, der sich für die geliehenen Stimmen bei Labour- Wählern bedankte. Aus ökonomischer Perspektive hat die Partei gewonnen, der eher nachhaltiges Wachstum zugetraut wird. Die ist auch für Investitionen im Vereinigten Königreich wichtig, ebenso wie für die Zinsaussicht. Entsprechend stieg das Pfund in der Nacht zum Freitag deutlich von etwa 0,85 auf unter 0,83 GBP pro Euro, dem stärksten Wert seit Mai 2017. Einem Austritt zum 31. Januar 2020 aus der europäischen Union steht nun nichts mehr im Weg. Die überaus komfortable Mehrheit im Parlament könnte zudem dazu führen, dass Forderungen der Hardliner außen vor bleiben und der Brexit somit eher weich ausfällt. Der US-Dollar notierte gegenüber dem Euro in einer engen Handelsspanne leicht schwächer bei 1,11 Dollar pro Euro.

Bahnfrei für neue Allzeithochs

Die Aktienmärkte spiegelten in der letzten Woche die Euphorie im Handelsstreit wider. Mit rund 13.283 Punkten notierte der DAX wieder näher am Allzeithoch von 13.597 Punkten. Auch der Dow Jones nähert sich weiter neuen Höchstmarken und notierte zum Wochenende bei 28.135 Punkten. Das Sentiment steht auf Risk-on.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR