Finanzmärkte: Quo vadis Konjunktur steht über den Märkten

20.01.2020

Nachdem das Wirtschaftswachstum Deutschlands im vergangenen Jahr auf 0,6 % deutlich nachgelassen hat, blicken die Märkte nun voller Hoffnung auf das aktuelle Jahr.

Dabei stehen in der neuen Woche einige wegweisende Indikatoren auf dem Programm. Gleichzeitig schreitet die US-Berichtssaison voran, die nicht nur rückblickend für positive Überraschungen sorgen könnte, sondern auch bei den Erwartungen. In Deutschland startet die Saison der Unternehmensberichte erst Ende Januar mit SAP. An den Märkten sorgen die Erwartungen neben weiteren Einflussfaktoren für ein positives Sentiment. So stehen die Notenbanken mit einer weiterhin sehr lockeren Geldpolitik bereit und die geopolitischen Risiken werden berechenbarer.

Handelskonflikt, Iran und Brexit scheinen aus Sicht der Märkte zumindest kurzfristig keine unangenehmen Überraschungen bereitzuhalten. Der Weg zu neuen Höchstkursen, sowohl des DAX als auch des Dow Jones, führt über die in dieser Woche anstehenden Konjunkturindikatoren. Neben dem ZEW-Index am Dienstag werden am Freitag die Einkaufsmanagerindizes für Deutschland, Europa und den USA veröffentlicht. Insbesondere bei den in Europa schwachen Daten des produzierenden Gewerbes ist mit einer leichten Verbesserung zu rechnen. Die Daten in den USA sollten hingegen sogar ein weiteres Anhalten des Wachstums suggerieren.

Die EZB sollte das positive Sentiment am Donnerstag ergänzen, indem sie auf der anstehenden geldpolitischen Sitzung erläutert, dass die Lage in der Tendenz erfreulich ist, sie jedoch weiterhin bereit steht expansiv zu intervenieren. Quo vadis Konjunktur? Leichte Hoffnung könnte den Marktteilnehmer für ein Risk-On reichen.

Höhere Renditen von Bundesanleihen

Renditen von Bundesanleihen haben sich auf den Weg der Entspannung zurückbegeben. Nachdem bereits im Zuge der Entspannung im Handelskonflikt höhere Renditeniveaus erreicht wurden, sanken diese zunächst mit dem eskalierenden Irankonflikt wieder. In der vergangenen Woche etablierte sich der Bereich um etwa -0,2 % für zehnjährige Bundesanleihen (-0,21 % am 17.01.2020). Auch US-Treasuries notieren seit den Aussichten auf geopolitische Entspannung wieder auf einem höheren Niveau (Zehnjährige bei 1,83 %).

Ölpreis: Überangebot hält Preise im Zaum

Die Internationale Energiebehörde IEA hat in der vergangenen Woche dargelegt, dass die Ölversorgung für das erste Halbjahr 2020 über der Nachfrage liegt. Mit einem Bedarf von durchschnittlichen 28,5 Mio. Barrel Öl von der OPEC pro Tag, liegt die Nachfrage in etwa 1 Mio. Barrel über dem Angebot. Ursächlich ist das steigende Angebot von Nicht-OPEC-Produzenten – insbesondere den USA. Dies begrenzt den Ölpreis und setzt die OPEC unter Druck, die zunächst bis März geltenden Beschränkungen zu verlängern und ggf. noch auszuweiten. Die US-Sorte WTI notierte am Freitagabend mit 58,60 Dollar pro Barrel auf dem Niveau von Mitte Dezember, ebenso die europäische Sorte Brent mit rund 64,70 Dollar pro Barrel.

US-Dollar: sehr niedrige Volatilität

Im Westen nichts Neues. Trotz der Wirren im Handelskonflikt war die Volatilität bei dem Kurs des Währungspaares US-Dollar/Euro nicht sehr ausgeprägt. Nun, da dieser mit dem Phase-1-Deal zumindest in einer Art Waffenstillstand endeten ist die Handelsspanne – soweit wahrnehmbar – noch enger geworden. Auch die Bewertung der Zinserwartungen lässt kaum Spekulationen zu. Auf der einen Seite ist die Fed, die mit dem aktuellen Niveau der Leitzinsen ganz zufrieden ist, auf der anderen Seite die EZB, die unter neuer Führung deutlich genauer auf die Nebenwirkungen der Geldpolitik schaut und somit ebenfalls zu-nächst kaum Änderungen der geldpolitischen Ausrichtung erwarten lässt. Und so bewegt sich der US-Dollar gegenüber dem Euro sehr ruhig mit einer Spanne von etwa 1,5 Cent um den Kurs von 1,115 Dollar pro Euro. Am Freitag mussten für einen Euro 1,109 US-Dollar aufgewandt werden.

Höchstkurse voraus!

Die in den USA bereits laufende und in Deutsch-land bald startende Berichtssaison ist, wie auf der vorherigen Seite beschrieben, nur ein Aspekt für die anstehenden Höchstkurse. Die US-Unternehmen überraschten bisher insgesamt eher positiv. Das Sentiment ist aktuell eindeutig auf Risk-On eingestellt und sollte kaum in Erschütterung geraten. Es ist davon auszugehen, dass Höhenangst immer wieder für kleinere Rücksetzer sorgen wird, allerdings nur temporär. Bei den Einzelwerten fiel in der vergangenen Woche neben den Energieversorgern in Deutschland – die finanziell vom Kohleausstieg profitieren – ebenfalls der Software Anbieter SAP positiv auf. Der DAX steht mit 13.526 Punkte kurz vor einem neuen Allzeithoch. Auch der Dow Jones markiert neue Rekorde und beendet die Woche mit 29.348 Punkten.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR