Konjunktur: Rasante Talfahrt der Industrieproduktion

17.06.2020

 

Der durch die Corona-Pandemie ausgelöste Einbruch der deutschen Industrieproduktion hat sich im April weiter verstärkt.

Die in der zweiten März-Hälfte gegen die Virus-Verbreitung ergriffenen Beschränkungen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens schlugen nunmehr vollumfänglich auf die Produktion durch. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes sank die preis-, kalender- und saisonbereinigte Erzeugung des Verarbeitenden Gewerbes im April gegenüber dem Vormonat um außerordentliche 22,1 %. Der Ausstoß hatte bereits im März (-11,0 %) massiv nachgegeben. In dem von kurzfristigen Schwankungen weniger stark beeinflussten Zweimonatsvergleich März/April gegenüber Januar/Februar verminderte sich die Industrieproduktion um deutliche 20,6 %. Besonders stark fiel der Rückgang in der Kfz-Industrie (-57,5 %) aus, die ihre Erzeugung im April weitgehend einstellte. Auch im Baugewerbe gab die Produktion im April nach, wenn auch mit einer Verlaufsrate von -4,1 % weniger extrem als im Verarbeitenden Gewerbe. Angesichts der seit Ende April erfolgten schrittweisen Lockerung der Krisenmaßnahmen und der Wiederaufnahme der Kfz-Produktion zeichnet sich für die nächsten Monate eine Stabilisierung der Industrieproduktion ab. Der Tiefpunkt der Industriekonjunktur dürfte im April erreicht worden sein.

Exporte im freien Fall

In den Daten zum Außenhandel Deutschlands zeigten sich im April ebenfalls verstärkt die Folgen der Corona-Pandemie. Gemäß den aktuellen amtlichen Daten wurden von der deutschen Wirtschaft Waren im Wert von 75,7 Mrd. Euro exportiert und Waren im Wert von 72,2 Mrd. Euro importiert. Die Ausfuhren sind damit im Vergleich zum Vorjahresmonat um massive 31,1 % gesunken, so kräftig wie noch nie seit Beginn der Außenhandelsstatistik im Jahr 1950. Zum Einbruch trugen vor allem die Ausfuhren in die besonders von der Pandemie betroffenen Partnerländer Frankreich (-48,3 %), Italien (-40,1 %) und USA (-35,8 %) bei. Demgegenüber gaben die Ausfuhren nach China (-12,6 %) weniger deutlich nach. Einfuhrseitig war insgesamt ein Rückgang um 21,6 % zu verzeichnen, der stärkste seit Juli 2009. Im Vormonatsvergleich gaben die Ausfuhren saison- und kalenderbereinigt, nachdem sie im März um 11,7 % gesunken waren, im April um 24,0 % nach. Bei den Einfuhren verstärkte sich der Rückgang zeitgleich von -5,0 % auf -16,5 %. Die Außenhandelsbilanz, als Differenz von Ausfuhren und Einfuhren, schloss im April mit einem Überschuss von 3,5 Mrd. Euro ab. Dies war der niedrigste Wert seit Dezember 2000. Im April 2019 hatte der Außenhandelsüberschuss noch 17,8 Mrd. Euro betragen.

Insolvenzdaten noch immer rückläufig

Anders als in den Monatsdaten zur Industriekonjunktur und zum Außenhandel spiegelt sich die Corona-Krise bislang noch nicht in den Angaben zum Insolvenzgeschehen in Deutschland wider. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wurden bei den Amtsgerichten im März 1.545 Unternehmens- und 4.819 Verbraucherinsolvenzen beantragt. Die Zahl der Firmenpleiten ist damit gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,3 % gesunken; die Anzahl der Verbraucherpleiten gab sogar um 13,7 % nach. Zwar sind viele Unternehmen und Verbraucher durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in eine Notlage geraten. Zu mehr Insolvenzen führte dies bislang aber noch nicht. Hauptgrund hierfür dürfte sein, dass die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen in der Corona-Krise seit dem 1. März, mit Wirkung bis zum 30. September 2020, ausgesetzt ist. Vor diesem Hintergrund zeichnet sich für die nahe Zukunft zunächst noch keine Trendwende bei den Insolvenzen ab. Gegen einen baldigen Anstieg der beantragten Insolvenzverfahren sprechen auch die ebenfalls vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten vorläufigen Angaben zu den Regelinsolvenzen. Diese lassen für April und Mai weiterhin eine rückläufige Entwicklung erwarten.

Konsumausgaben brechen im Euroraum ein

Das europäische Statistikamt Eurostat hat inzwischen erste Angaben zum Verlauf der Verwendungskomponenten des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im 1. Quartal vorgelegt und dabei das zentrale Ergebnis seiner vorherigen Berechnungen leicht revidiert. Demnach ist das preis-, kalender- und saisonbereinigte BIP im Jahresauftaktquartal gegenüber dem Vorquartal nicht um 3,8 %, sondern um 3,6 % gesunken. Für den merklichen BIP-Rückgang zum Jahresbeginn waren in erster Linie die Konsumausgaben verantwortlich. Insbesondere der private Verbrauch (-4,7 %) gab im Zuge der virusbedingt eingeschränkten Konsummöglichkeiten erheblich nach und trug mit -2,5 Prozentpunkten zum BIP-Rückgang bei. Auch die Bruttoinvestitionen (-4,3 %) und die Exporte (-4,2 %) verminderten sich im Zuge der stark gestiegenen Unsicherheiten, der gestörten Lieferketten sowie der weltwirtschaftlichen Schwäche spürbar. Für das laufende 2. Quartal zeichnet sich angesichts der andauernden Corona-Krise ein noch stärkerer BIP-Rückgang ab.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR