Konjunktur: Rezession ist ausgeblieben

20.11.2019
 

 

Das von einigen Fachleuten für das Sommerhalbjahr erwartete Abgleiten der deutschen Wirtschaft in eine technische Rezession ist ausgeblieben.

Gemäß den Ergebnissen der Schnellmeldung des Statistischen Bundesamtes ist das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) Deutschlands im 3. Quartal gegenüber dem Vorquartal minimal um 0,1 % gestiegen. Die Entwicklung verlief damit im Einklang mit Schätzungen des BVR, die bereits im August einen leichten BIP-Anstieg signalisiert hatten. Im 2. Quartal war das BIP gesunken (mit einer inzwischen leicht abwärts revidierten Verlaufsrate von -0,2 %), was Sorgen vor einem weiteren Rückgang im Sommerquartal und damit einem Eintritt in eine technische Rezession genährt hatte. Zum minimalen BIP-Anstieg im Sommerquartal trugen vor allem die privaten und staatlichen Konsumausgaben bei, die angesichts des andauernden Beschäftigungsaufbaus und der vielfach merklich steigenden Realeinkommen sowie der stärkeren fiskalischen Impulse abermals ausgeweitet wurden. Von den Investitionen gingen hingegen gemischte Signale aus. Die Bauinvestitionen expandierten, während die Ausrüstungsinvestitionen sanken, was angesichts der hohen weltwirtschaftlichen Unsicherheiten kaum verwundert. Vom Außenhandel ging trotz der schwierigen globalen Rahmenbedingungen insgesamt ein Wachstumsimpuls aus, da die Exporte stiegen, während die Importe stagnierten. Für das Winterhalbjahr 2019/2020 lassen jüngste Schätzungen des BVR eine weiterhin gedämpfte Konjunktur erwarten.

BIP-Wachstum im Euroraum bestätigt

Eurostat hat inzwischen das zentrale Ergebnis seiner vorläufigen Schnellmeldung zur jüngsten gesamtwirtschaftlichen Entwicklung des Euroraums von Ende Oktober bestätigt. Demnach ist das preis-, kalender- und saisonbereinigte BIP des Währungsraums im 3. Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,2 % gestiegen. Damit setzte sich das moderate Wachstum vom 2. Quartal (ebenfalls +0,2 %) unvermindert fort. Unter den großen Volkswirtschaften des Euroraums erfuhr Spanien (+0,4 %) erneut das stärkste Wachstum. Auch in Frankreich (+0,3 %) fiel der BIP-Zuwachs überdurchschnittlich aus. In Italien (+0,1 %) verlief die Entwicklung hingegen abermals verhaltener. Amtliche Angaben zum Verlauf der BIP-Verwendungskomponenten (Konsum, Investitionen und Außenhandel) im 3. Quartal liegen derzeit noch nicht vor. Diese werden von Eurostat voraussichtlich am 5. Dezember veröffentlicht.

Konjunkturerwartungen hellen sich auf

Im November sind die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland deutlich gestiegen. Der auf einer monatlichen Umfrage unter Finanzmarktfachleuten beruhende Frühindikator kletterte gegenüber Oktober um 20,7 Punkte auf -2,1 Punkte. Zu den wichtigsten Gründen für die merkliche Aufhellung der Konjunkturerwartungen zählt, dass die Chancen auf einen geregelten Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU erkennbar größer geworden sind. Zudem ist eine Einigung im Handelskonflikt zwischen den USA und China wahrscheinlicher geworden und das Risiko der Verhängung neuer US-Importzölle auf Autoexporte aus der EU hat abgenommen. Neben den Perspektiven haben sich auch die Ein-schätzungen zur aktuellen Lage der deutschen Wirtschaft verbessert. Der entsprechende ZEW-Lage-Indikator ist leicht um 0,6 Punkte auf -24,7 Punkte gestiegen. Insgesamt legen die jüngsten Umfrageergebnisse nach dem schwachen 2. Quartal für das Winterhalbjahr 2019/2020 eine weitere Stabilisierung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands nahe.

Industrielle Erzeugung legt im Euroraum abermals leicht zu

Die Industriebetriebe des Euroraums haben im September ihren Ausstoß erneut etwas erhöht. Gemäß den aktuellen amtlichen Daten ist die Industrieproduktion gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt geringfügig um 0,1 % gestiegen. Im August hatte die Erzeugung um 0,4 % zugenommen. Ausschlaggebend für den minimalen Produktionszuwachs im September waren die Hersteller von Verbrauchs- und Investitionsgütern, die ihren Ausstoß um 1,0 % bzw. 0,6 % ausweiteten. Im Gegensatz dazu haben die Hersteller von Vorleistungsgütern, Energie und Gebrauchsgütern ihre Erzeugung um 0,9 %, 0,8 % bzw. 0,7 %vermindert. Angesichts der jüngsten Auftragsentwicklung zeichnet sich für die nahe Zukunft insgesamt eine weiterhin gedämpfte Industrieproduktion ab. So ist der Order-Indikator der EU-Kommission erneut zurückgegangen. Der auf einer monatlichen Umfrage unter Industrieunternehmen basierende Indikator gab im Oktober leicht um 0,2 Punkte auf -17,0 Punkte nach.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR