Konjunktur: Drastischer Rückgang des Geschäftsklimas

01.04.2020

 

Das Münchener ifo Institut hat inzwischen endgültige Angaben zur jüngsten Entwicklung des Geschäftsklimas in Deutschland vorgelegt. Demnach hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft dramatisch verschlechtert.

Der ifo Geschäftsklimaindex sank von 96,0 Punkten im Februar auf 86,1 Punkte im März. Der wichtige Konjunkturindikator ist damit so stark eingebrochen wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Er befindet sich zudem auf dem niedrigsten Stand seit Juli 2009. Hauptgrund für den deutlichen Rückgang des Geschäftsklimas waren die Perspektiven. Die Geschäftsaussichten wurden von den befragten Unternehmen im Zuge der Corona-Krise per Saldo erheblich schlechter bewertet als zuvor. Allerdings wurde auch die aktuelle Geschäftslage insgesamt verhaltener beurteilt. Die Verschlechterung des Geschäftsklimas war breit angelegt. Die Stimmung verdüsterte sich im Verarbeitenden Gewerbe, im Bauhauptgewerbe, im Handel und im Dienstleistungssektor (ohne Handel). Im Bauhauptgewerbe fiel der Rückgang des Geschäftsklimas am schwächsten aus, was auf eine nach wie vor vergleichsweise robuste Baukonjunktur schließen lässt.

Konsumklima ebenfalls rückläufig

Nicht nur in den Unternehmen, auch unter den Verbrauchern hat sich hierzulande die Stimmung angesichts der Corona-Krise deutlich eingetrübt. Der von der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ermittelte Konsumklimaindikator fiel von 9,3 Punkten im Februar auf 8,3 Punkte im März. Zudem ist nach Einschätzung der GfK-Fach-leute im April mit einem weiteren Rückgang des Konsumklimas auf 2,7 Punkte zu rechnen. Der Stimmungsindikator würde dann auf dem niedrigsten Stand seit Mai 2009 liegen. Zuletzt haben sich alle Teilindikatoren des Konsumklimas verschlechtert. Der Teilindikator der Konjunkturerwartungen brach im März um 20,4 Punkte ein. Er befindet sich mit -19,2 Punkten deutlich im negativen Bereich und zeigt, dass die Verbraucher Deutschland wirtschaftlich auf sehr schwere Zeiten zukommen sehen. Im Sog der Konjunkturerwartungen sanken auch die Einkommenserwartungen deutlich. Der entsprechende Teilindikator gab um 13,4 Punkte auf 27,8 Punkte nach. Noch deutlicher fiel der Indikator der Anschaffungsneigung, um 22,1 Punkte auf 31,4 Punkte. Alles in allem signalisieren die jüngsten Umfrageergebnisse der GfK und des ifo Instituts, dass sich die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Deutschlands massiv verschlechtert. Ein Abgleiten in eine Rezession ist aus heutiger Sicht sehr wahrscheinlich.

Verbrauchervertrauen bricht im Euroraum ein

Auch im Euroraum hat sich die Stimmung unter den Verbrauchern im Zuge der Coronavirus-Pandemie deutlich eingetrübt. Wie die EU-Kommission anhand vorläufiger Angaben mitteilte, ging der Indikator des Verbrauchervertrauens im März gegenüber dem Vormonat um 5,0 Punkte auf -11,6 Punkte zurück. Der Indikator liegt damit erstmals seit Ende 2014 unter seinem langjährigen Durchschnittswert von -11,0 Punkten. Er befindet sich jedoch noch immer merklich über seinen während der Euro-Staatschuldenkrise in den Jahren 2012 und 2013 erreichten Niveaus, mit Werten von teilweise weniger als -20. Die starke Eintrübung des Verbrauchervertrauens legt nahe, dass die Konsumkonjunktur im 1. Quartal weiter an Fahrt verlieren wird. Im 4. Quartal waren die Konsumausgaben der privaten Haushalte noch um 0,1 % gestiegen. Zusammen mit den staatlichen Konsumausgaben hatten sie mit 0,2 Prozentpunkten zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum von 0,1 % beigetragen.

Steigende Auftragseingänge am Bau

Zu Jahresbeginn hielt der Bauboom in Deutschlands noch an. Dies legen zumindest die jüngsten Daten zu den Auftragseingängen im Bauhaupt-gewerbe nahe. Gemäß den Angaben des Statistischen Bundeamtes sind die Aufträge von Dezember auf Januar preis-, kalender- und saisonbereinigt um 2,6 % gestiegen. In dem von kurzfristigen Schwankungen weniger stark beeinflussten Drei-monatsvergleich November bis Januar gegen-über August bis Oktober legten die Auftragseingänge sogar um kräftige 10,5 % zu. Die Auftragsdaten signalisieren, dass sich das Wachstum der Bauproduktion im Februar noch fortsetzen dürfte. Im Januar war die Bauproduktion, auch befördert durch das vergleichsweise milde Winterwetter, im Vormonatsvergleich preis-, kalender- und saisonbereinigt um kräftige 4,7 % gestiegen. Für März und die nachfolgenden Monate ist aber im Zuge der Corona-Krise mit einer merklich schwächeren Entwicklung zu rechnen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR