Konjunktur: Schwäche der Industrieproduktion dauert an

11.12.2019
 

 

Die aktuellen amtlichen Monatsdaten zur industriellen Produktion in Deutschland zeigen noch immer ein trübes Bild.

Wie das Statistische Bundes-amt anhand vorläufiger Angaben mitteilte, ging die Produktion des Verarbeitenden Gewerbes im Oktober gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 1,7 % zurück. Der bereits seit Sommer 2018 bestehende Abwärtstrend der Industrieproduktion hat sich damit weiter fortgesetzt. Allerdings waren jüngst innerhalb der Industrie unterschiedliche Tendenzen zu verzeichnen. Maßgeblich für den Rückgang der Gesamtproduktion im Oktober waren die Hersteller von Investitionsgütern, deren Ausstoß im Zug des schwierigen weltwirtschaftlichen Umfelds um 4,4 % sank. Demgegenüber ist die Produktion bei den Vorleistungs- (+1,0 %) und Konsumgüterherstellern (+0,3 %) gestiegen, was auf eine insgesamt weiterhin solide Binnennachfrage schließen lässt. Auch im Baugewerbe ist die Produktion im Oktober zurückgegangen, mit einer Verlaufsrate von -2,8 %. Die Bauproduktion befindet sich aber weiterhin auf hohem Niveau.

Leicht sinkende Auftragseingänge

Nicht nur bei der Produktion, auch bei den Neu-aufträgen musste die deutsche Industrie im Oktober erneut einen Rückschlag hinnehmen. Gemäß den aktuellen amtlichen Daten sind die Orders gegenüber dem Vormonat um 0,4 % gesunken, nachdem sie im September (leicht aufwärtsrevidiert) um 1,5 % zugelegt hatten. Grund für den Rückgang waren die inländischen Bestellungen, die um deutliche 3,2 % nachgaben. Demgegenüber sind die Aufträge aus dem Ausland um 1,5 % gestiegen, unterstützt insbesondere von Großaufträgen aus dem Euroraum. In dem, von kurzfristigen Schwankungen weniger stark betroffenen, Zweimonatsvergleich September/Oktober gegenüber Juli/August nahmen die Bestellungen um 1,0 % zu. Alles in allem deuten die jüngsten Auftragsdaten zusammen mit der Erholung einiger Stimmungsindikatoren auf eine allmähliche Stabilisierung der Industriekonjunktur hin.

Konsum wichtigester Wachstumstreiber im Euroraum

Eurostat hat inzwischen detaillierte Angaben zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung des Euroraums für das 3. Quartal veröffentlicht. Dem-nach war für den leichten Zuwachs des preis-, kalender- und saisonbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,2 % gegenüber dem Vorquartal in erster Linie die weiterhin expandierenden Konsumausgaben verantwortlich.

Die Ausweitungen der privaten (+0,4 %) und staatlichen Konsum-ausgaben (+0,5 %) trugen zusammen mit 0,4 Prozentpunkten zum BIP-Wachstum bei. Demgegenüber gingen von den Investitionen insgesamt keine Wachstumsimpulse mehr aus, da einer nur noch leichten Erhöhung der Bruttoanlageinvestitionen (+0,3 %) ein wachstumsdämpfender Ab-bau der Vorratsbestände gegenüberstand. Zu-dem blieb angesichts des schwierigen globalen Umfelds das Exportwachstum (+0,4 %) erneut hinter dem Importwachstum (+0,6 %) zurück. Der Außenhandel als Ganzes hat daher das BIP-Wachstum rechnerisch um 0,1 Prozentpunkte vermindert. Für das laufende 4. Quartal deuten Stimmungsindikatoren wie der Wirtschaftsklimaindex auf ein Andauern des gesamtwirtschaftlichen Wachstums hin. Der Wirtschaftsklimaindex ist jüngst von 100,8 Punkte im Oktober auf 101,3 Punkte im November gestiegen und befindet sich damit weiterhin über seinem langjährigen Durchschnittswert von 100 Punkten.

Starker Rückgang der Erzeugerpreise

Im Euroraum hat sich der Preisrückgang auf der Erzeugerstufe beschleunigt fortgesetzt. Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte sanken im Oktober gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,9 %, nachdem sie im September um 1,2 % nach-gegeben hatten. Ausschlaggebend für den stärkeren Rückgang waren die Energiepreise, die sich im Oktober deutlicher verbilligten als zuvor (-7,9 % nach -6,1 % im September). Ohne Berücksichtigung von Energie legten die Erzeugerpreise um 0,3 % zu und damit ähnlich stark wie im Vormonat (+0,4 %). Neben den Energiepreisen waren im Oktober auch die Preise für Vorleistungsgüter (-1,0 %) erneut rückläufig. Bei den Preisen für Gebrauchs- (+1,6 %), Verbrauchs- (+1,5 %) und Investitionsgüter (+1,4 %) kam es hingegen abermals zu Verteuerungen. Insgesamt lässt der Verlauf der Erzeugerpreise für die nahe Zukunft erwarten, dass der Preisauftrieb auf der Verbraucherstufe moderat bleiben wird. Die Verbraucherpreise, gemessen am harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), sind im November um 1,0 % gestiegen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR