Schwächeres Wachstum der Industrieproduktion

16.09.2020

 

Im Juli hat sich die deutsche Industrie weiter von dem Produktionseinbruch während des virusbedingten Lockdowns erholt. Das Expansionstempo ließ aber gegenüber den Vormonaten etwas nach.

Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Angaben mitteilte stieg die preis-, kalender- und saisonbereinigte Produktion des Verarbeitenden Gewerbes gegenüber Juni um 2,8 %. Im Mai und Juni hatte der Ausstoß noch mit Verlaufsraten von 10,0 % und 11,1 % zugelegt. Innerhalb der Industrie waren im Juli unterschiedliche Tendenzen zu verzeichnen. Während die Hersteller von Kfz und Kfz-Teilen ihre Erzeugung um deutliche 6,9 % ausweiteten, gab die Erzeugung im Maschinenbau um 3,9 % nach. Auch im Baugewerbe (-4,3 %) sank die Produktion zuletzt. Insgesamt befindet sich die Produktion des Verarbeitenden Gewerbes nunmehr um rund 10 % unter dem Niveau vor Ausbruch der Coronakrise. Die inzwischen aufgehellte Stimmung in den Unternehmen, die voranschreitende Erholung der Neuaufträge und die rückläufige Kurzarbeit sprechen dafür, dass sich die Erholung der Industriekonjunktur in naher Zukunft fortsetzten wird. Der weitere Aufholprozess dürfte aber weniger dynamisch verlaufen als noch die Erholung unmittelbar nach dem Lockdown.

Auftriebskräfte lassen auch beim Außenhandel nach

Parallel zur Entwicklung der Industrieproduktion hat sich auch beim Außenhandel Deutschlands das Wachstum verlangsamt. Nach aktuellen amtlichen Angaben wurden von der deutschen Wirtschaft im Juli Waren im Wert von 102,3 Mrd. Euro exportiert und Waren im Wert von 83,1 Mrd. Euro importiert. Die Ausfuhren sind damit gegenüber dem Vormonat kalender- und saisonbereinigt um 4,7 % gestiegen. Zuvor, im Mai und Juni, hatten sie noch mit deutlich höheren Verlaufsraten von 9,0 % und 14,9 % zugenommen. Die Einfuhren erhöhten sich, nach Anstiegen um 3,4 % im Mai und 7,0 % im Juni, im Juli um 1,1 %. Gegenüber dem Zeitpunkt vor Ausbruch der Coronakrise lagen sowohl die Ausfuhren als auch die Einfuhren im Juli um etwa 12 % im Minus. Im Vergleich zum Juli 2019 sind die Ausfuhren um 11,0 % gesunken. Dabei zeigten sich je nach Handelspartner unterschiedliche Entwicklungen. Während die Ausfuhren nach China – das früher als andere Staaten von der Virusverbreitung betroffen war und dessen wirtschaftliche Erholung auch früher einsetzte – nur noch geringfügig um 0,1 % sanken, nahmen die Ausfuhren die derzeit offenbar besonders von der Pandemie betroffenen Vereinigten Staaten um beachtliche 17,0 % ab.

Im 1. Halbjahr 6,2 % weniger Firmenpleiten

Angesichts der seit Anfang März ausgesetzten Insolvenzantragspflicht für Unternehmen, die wegen der Coronapandemie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind, dem nur eingeschränkten Betrieb der zuständigen Insolvenzgerichte während des Lockdowns und dem pandemiebedingt oftmals nach hinten verschobenen Zeitpunkts von Antragsstellungen ist die Zahl der Insolvenzen hierzulande im ersten Halbjahr deutlich zurückgegangen. Nach jüngsten Daten des Statistischen Bundesamtes wurden im Juni von den Amtsgerichten 9.006 beantragte Unternehmensinsolvenzen gemeldet und damit 6,2 % weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Anzahl der Verbraucherinsolvenzen sank in der ersten Jahreshälfte ebenfalls merklich, um 14,6 % auf 27.992 Fälle. Im laufenden 3. Quartal dürfte die Zahl der Unternehmensinsolvenzen weiter zurückgehen, da die Aussetzung der Antragspflicht für die Gründe Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung bis Ende September in Kraft ist. Auf einen sich zunächst fortsetzenden Rückgang lassen auch die vorläufigen amtlichen Insolvenzbekanntmachungen schließen, die jüngst – im August – weiterhin abwärtstendierten. Im 4. Quartal könnte es aber zu steigenden Fallzahlen kommen, da dann bei Zahlungsunfähigkeit die Aussetzung der Antragspflicht entfällt.

Euroraum-BIP im 2. Quartal um 11,8 % gesunken

Eurostat hat inzwischen detaillierte Angaben zur jüngsten gesamtwirtschaftlichen Entwicklung des Euroraums veröffentlicht und dabei das zentrale Ergebnis seiner im August veröffentlichten ersten Schätzungen leicht nach oben revidiert. Demnach ist das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Währungsraums im 2. Quartal gegenüber dem Vorquartal nicht wie zunächst berechnet um 12,1 %, sondern um 11,8 % gesunken. Verantwortlich für den massiven BIP-Rückgang waren in erster Linie die privaten Konsumausgaben. Diese brachen im Zuge der virusbedingten Beschränkungen um 12,4 % ein. Zudem verminderten sich, angesichts der hohen Unsicherheiten, die Bruttoinvestitionen um ausgesprochen deutliche 17,0 %. Die beiden Konsum- und Investitionsaggregate haben zusammengenommen die BIP-Rate rechnerisch um 10,4 Prozentpunkte vermindert. Darüber hinaus trugen aber auch der niedrigere Staatsverbrauch und der einbrechende Außenhandel zum BIPRückgang bei.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR