So vermeiden Sie Liquiditätsengpässe

01.10.2020

von Thomas R. Killius
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Thomas R. Killius, Bereichsleiter Firmenkunden bei der Berliner Volksbank, unterstützt Unternehmerinnen und Unternehmer als strategischer Partner und hilft ihnen gemeinsam mit seinem Team, sich in der Krise kurz-, mittel- und langfristig zu wappnen.

Hier verrät er, welche 11 handfesten Tipps die Berliner Volksbank ihnen an die Hand gibt, um auch in der Krise zahlungsfähig zu bleiben.

Die Corona-Krise stellt die Wirtschaft in Deutschland vor ungeahnte Herausforderungen. Umsatzeinbrüche, eine rückläufige Nachfrage und stets die Frage, wie sich die Situation wohl weiter entwickeln wird. Keine leichte Situation, die selbst stabile Unternehmen mit soliden Finanzplänen erschüttert. Während den einen plötzlich die finanzielle „Schwungmasse“ fehlt, um frei und wirtschaftlich arbeiten zu können, geht es für andere sogar um ihre Existenz.

Gleichzeitig laufen Kosten auf: Gehälter, Mieten, Leasingraten, Rechnungen von Lieferanten oder Nebenkosten. Hinzu kommen teilweise hohe Kosten für Hygienemaßnahmen. Ein konsequentes Liquiditätsmanagement ist momentan wichtiger denn je. Zumal niemand weiß, wie lange das Coronavirus die Welt noch in den Krisenmodus versetzt.

Hierbei gibt es eine Reihe von Optionen, die Unternehmen für sich nutzen können, um trotz all der Beeinträchtigungen weiterhin zahlungsfähig zu bleiben bzw. die Liquiditätsbasis zu verbessern. Dieser Beitrag gibt einen ersten Überblick über die wichtigsten und wirkungsvollsten Handlungsmöglichkeiten zur Vermeidung von Liquiditätsengpässen.

1. Verschaffen Sie sich einen Überblick

Als Basis für alle weiteren Schritte zur Liquiditätssicherung brauchen Sie zunächst eine belastbare Darstellung über Ihre aktuelle Lage: Wie sieht der Cashflow aus? Welche Forderungen sind offen? Welche Reserven gibt es? Wie hoch sind die laufenden Ausgaben? Hierzu zählen übrigens auch Abonnements und Lizenzen.

2. Schieben Sie Steuerzahlungen auf

Steuerzahlungen können für eine bestimmte Zeit zinsfrei gestundet werden (bis 31.12.2020 beim zuständigen Finanzamt beantragen), was zumindest vorübergehend Ihren finanziellen Spielraum erhöht. Außerdem können Sie mit Ihrem Finanzamt auch eine Anpassung von Vorauszahlungen auf die Einkommen- und Körperschaftsteuer abstimmen. Wichtig hierbei ist jedoch, dass die Zahlungen zu einem späteren Zeitpunkt dennoch fällig werden, diese Maßnahmen führen also nur zu einer kurzfristigen Verbesserung Ihrer Lage.

3. Lassen Sie Sozialversicherungsbeiträge stunden

Die Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen ist eine weitere Möglichkeit für Unternehmen, sich vorübergehend ein wenig Luft zu verschaffen. Wird eine Stundung bewilligt, werden keine Stundungszinsen berechnet.

Freiwillig versicherte Selbständige können die Stundung ebenfalls beantragen. Hier wird allerdings zunächst geprüft, ob statt einer Stundung eventuell eine Beitragsermäßigung wegen eines krisenhaften Gewinneinbruchs in Frage kommt.

4. Vereinbaren Sie Teilzahlungen

Sprechen Sie mit Ihren Zulieferern, Vermietern, Subunternehmen oder anderen Gläubigern. Oft lassen sich spätere Zahlungstermine oder Teilzahlungen vereinbaren.

Wichtig: Buchen Sie Lastschriften nicht einfach zurück, sondern sprechen Sie offen mit Ihren Geschäftspartnern über Ihre Situation. Informieren Sie Ihre Geschäftspartner auch über Verzögerungen, wenn Sie Ihre Aufträge zum Beispiel aufgrund von Lieferengpässen nicht termingerecht erfüllen. Das stärkt die Vertrauensbasis und hilft, unnötige Zusatzkosten zu vermeiden.

5. Verkaufen Sie Forderungen

Nehmen es Ihre Kunden mit den Zahlungszielen nicht so genau? Verkaufen Sie überfällige Rechnungen einfach an spezialisierte Dienstleister wie Factorum und erhalten Sie sofort Ihr Geld aus fälligen Forderungen. Das sogenannte Factoring ist ein ideales Instrument, um Ihrer Liquidität einen sofortigen Schub zu verleihen.

Es wird eine Weile brauchen, bis wir wieder das wirtschaftliche Niveau vor Corona erreicht haben und wie die Welt dann aussehen wird, wissen wir nicht. Doch eines klar: Vieles wird anders sein.

6. Prüfen Sie Möglichkeiten der Kurzarbeit

Wenn Sie aufgrund der Corona-Pandemie mindestens 10 Prozent Ihrer Belegschaft nicht wie gewohnt beschäftigen können bzw. die Arbeitszeiten Ihrer Mitarbeiter vorübergehend verringern müssen, könnte Kurzarbeit für Sie eine Lösung sein. Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt in diesem Fall einen Teil des Gehaltes Ihrer Mitarbeiter. Sobald sich die Auftragslage wieder verbessert, fahren Sie die Arbeitsleistung einfach wieder hoch.

In der Zwischenzeit haben Sie Personalkosten eingespart, Liquidität gewonnen und die Mitarbeiter bleiben Ihnen erhalten.

7. Streichen Sie verzichtbare Ausgaben

Stellen Sie Ihre Ausgaben auf den Prüfstand! Welche Kosten lassen sich kurzfristig reduzieren oder komplett streichen?

Prüfen Sie neben den Personalkosten auch andere Kosten und hinterfragen Sie, ob diese Ausgaben für Ihren laufenden Betrieb wirklich notwendig sind. Ein exemplarisches Beispiel hierfür ist die regelmäßige Zeitschriftenlieferung beim Friseur.

8. Verschieben Sie nicht erforderliche Investitionen

Welche Investitionen und Großprojekte sind wirklich erforderlich, welche können womöglich aufgeschoben werden? Wir empfehlen, nicht kategorisch alle Investitionen zu verschieben oder zu streichen. Schließlich gibt es durchaus auch lohnenswerte Investitionen, die Ihnen helfen, sich für die kommenden Wochen, Monate oder sogar Jahre zu rüsten. Wer jetzt beispielsweise sämtliche Digitalisierungsvorhaben auf Eis legt, setzt neben der Wettbewerbs- auch die Zukunftsfähigkeit seines Unternehmens aufs Spiel.

Prüfen Sie also mit Bedacht, welche Investitionen vermeidbar sind und welche Investitionen nach Möglichkeit weiterlaufen sollten.

9. Nutzen Sie Förderkredite

Mit Förderkrediten der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und/oder Soforthilfen von Bund und Ländern überbrücken Sie Liquiditätsengpässe und sichern die Zahlungsfähigkeit Ihres Unternehmens. Beim KfW-Schnellkredit wird weder eine Risikoprüfung vorgenommen, noch müssen Sie eine Prognose zur Zukunft Ihres Unternehmens abgeben.

Um andere KfW-Kredite zur Corona-Hilfe zu beantragen, ist unter anderem eine Liquiditätsplanung für die kommenden zwölf Monate Voraussetzung.

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10. Setzen Sie auf Leasing statt Eigentum

Ein weiteres wirksames Mittel ist das Leasing. „Sale and lease back“ eignet sich vor allem für die schnelle Liquiditätsbeschaffung, wirkt sich jedoch mittel – bis langfristig positiv auf Ihre Liquiditätsbasis aus. Durch den Verkauf vorhandener Investitionsgüter wie Fahrzeuge, Maschinen oder IT an eine Leasinggesellschaft und das anschließende Zurückleasen fließt Ihrem Unternehmen unmittelbar Liquidität zu. Kurz gesagt: Mit Leasing reduzieren Sie Ihre Verbindlichkeiten und stärken Ihre Eigenkapitalquote.

Mein Tipp:
Die Pandemie hat einen regelrechten Digitalisierungsboom in Deutschland ausgelöst, so dass viele Unternehmen - um für Kunden sowie für Mitarbeiter weiterhin konkurrenzfähig und präsent zu sein – nun in ihre IT investieren. Wer hier least statt zu kaufen schont die Kreditlinie und kann künftig flexibel auf neue Technologien reagieren. 

11. Hinterfragen Sie Ihr Geschäftsmodell

Es wird eine Weile brauchen, bis wir wieder das wirtschaftliche Niveau vor Corona erreicht haben und wie die Welt dann aussehen wird, wissen wir nicht. Doch eines klar: Vieles wird anders sein. Die Kunden sind quasi über Nacht digital geworden, neue Märkte sind entstanden und einige Wettbewerber haben von der Krise profitiert und aufgeholt. Grund genug und sogar ein sehr guter Zeitpunkt, um Ihr Geschäftsmodell ehrlich zu hinterfragen und für die Zeit während und vor allem nach dieser Krise neue erfolgversprechende Geschäftsideen zu entwickeln.

In den kommenden Wochen und Monaten werden im BUSINESS*SPOT Fachanwälte, Steuerberater und weitere Fachexperten zu Wort kommen und ihr Wissen an Sie weitergeben. Begleitet werden die Fachbeiträge durch regelmäßige Online-Seminare, in denen interessierte Firmenkunden mit ausgewiesenen Spezialisten in den Austausch gehen können und wertvolle Impulse, Ideen, Tipps und Ansätze erhalten, um möglichst unbeschadet durch die Krise zu kommen.

Das Angebot richtet sich an Unternehmerinnen und Unternehmer, die von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen sind und sich gerade in diesen Zeiten einen starken Partner an der Seite wünschen, der sie unterstützt und durch die Krise begleitet.

Thomas R. Killius

Über den Autor

Thomas Killius

Die solide Basis: Ausbildung zum Bankkaufmann. Das folgerichtige Must-have: BWL-Studium in Freiburg. Die unausweichlichen nächsten Schritte sind berufliche Stationen, in denen eines sonnenklar wird: Hier ist ein Macher, ein Gestalter, ein Praktiker am Werk, dessen Herz für Firmenkunden und Firmenkundinnen schlägt.

Zum Glück kommt er 2013 von Süddeutschland nach Berlin. Spätestens ab jetzt steht fest: Es zählt nur die Berliner Volksbank und die Stärke des genossenschaftlichen Finanzverbundes. 2016 absolviert er an der Harvard Business School das Advanced Management Program. Passt prima zu seinen Leidenschaften: Strategiepartnerschaften und Netzwerken.

Thomas R. Killius verantwortet seit 2013 den Bereich Firmenkunden der Berliner Volksbank mit rund 250 Mitarbeitenden. Täglich begeistert er sein Umfeld für die Kreativmetropole und die Dynamik der Wirtschaftsstandorte Berlin und Brandenburg. Und sonst so? Philosophieren, das Grün auf dem Golfplatz und natürlich Zeit verbringen mit seinen beiden heranwachsenden Kindern.

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