Sorgen treten in den Vordergrund

19.10.2020

An den Finanzmärkten kam es in der vergangenen Woche zu einem Stimmungsumschwung. Nachdem zuvor die Hoffnung auf eine baldige Krisenüberwindung zugenommen hatte, sind nun wieder stärker die Sorgen in den Vordergrund getreten, insbesondere über die weitere Entwicklung der Coronapandemie.

Angesichts neuer Rekordstände bei den Neuinfektionen in Deutschland und in anderen Ländern ist die Angst vor einem abermaligen Lockdown zurückgekehrt. Am Mittwoch hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer auf neue Beschränkungen geeinigt, die nach Aussagen Merkels aber nicht reichen, um drohendes Unheil abwenden zu können. Die Einigung sieht grundsätzlich Kontaktbegrenzungen für alle Regionen vor, in denen die Neuinfektionszahl über 35 bzw. 50 Fälle pro 100.000 Einwohner in einer Woche steigt. Auch in anderen europäischen Staaten traten neue Beschränkungen in Kraft. So wurden beispielsweise in den Niederlanden Kneipen, Cafés und Restaurants geschlossen und in Frankreich für neun urbane Ballungsräume eine nächtliche Ausgangssperre eingeführt. Zur Stimmungsverschlechterung trug auch bei, dass es bei den Verhandlungen zu einem neuen Handelsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich keine Fortschritte gab. Belastend wirkte zudem der Handelskonflikt zwischen den USA und China, der auf eine neue Eskalation zusteuert. So drohte die US-Regierung die Verhängung neuer Sanktionen an, für Personen, die aus der Niederschlagung der Hongkonger Befreiungsbewegung Profit zogen. Getrübt wird das US-chinesische Verhältnis ferner dadurch, dass Amerika die Regulierung für an der New Yorker Börse notierter Unternehmen aus China verschärfen will. Dämpfend wirkte zudem die anhaltende Hängepartie in den Verhandlungen zwischen Demokraten und Republikanern über ein neues US-Konjunkturpaket.

Die Marktstimmung wurde auch von einigen Konjunkturnachrichten belastet. Gemäß der neuen Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird die Weltwirtschaft die Coronakrise zwar etwas besser verkraften als zunächst befürchtet. Dennoch sei in diesem Jahr mit einem massiven Einbruch der globalen Wirtschaftsleistung um 4,4 % zu rechnen. Im Zeitraum der Jahre 2020 bis 2025 dürften sich die Wertschöpfungsverluste nach IWF-Schätzungen weltweit auf 28 Bio. US-Dollar summieren. Zudem hat sich im Euroraum die Erholung der Industrieproduktion merklich verlangsamt. Die Erzeugung ist im August mit einer Verlaufsrate von 0,7 % gestiegen, nachdem sie zuvor noch um 5,0 % zugelegt hatte (siehe Ausführungen auf S. 5).

Angesichts der beunruhigenden Entwicklungen der Coronapandemie, der hohen politischen Risiken und wieder zunehmender Konjunktursorgen waren als sicher geltende Anlagen, wie Bundesanleihen, wieder stärker gefragt. Die Rendite von Bundesanleihe mit zehnjähriger Restlaufzeit gab merklich nach. Sie lag am Freitag, dem 16. Oktober, bei -0,62 % und damit 8 Basispunkte unter ihrem Vorwochenultimo. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen verminderte sich zeitgleich um 3 Basispunkte auf 0,74 %.

Geringfügig steigende Ölpreise

Die Ölpreise legten in der zurückliegenden Woche leicht zu. Zwar belasteten die zunehmenden Konjunktursorgen. Auftrieb gab jedoch die nach dem Wirbelsturm Delta wieder anlaufende Ölförderung im Golf von Mexiko. Zum Wochenschluss lag der Preis der Nordseesorte Brent bei 42,98 USDollar je Barrel und damit 3 Cent über seinem Vorwochenultimo. Die US-Sorte WTI stieg binnen Wochenfrist um 26 Cent auf 40,7 US-Dollar.

Etwas schwächerer Eurokurs

Der Wechselkurs des Euro ist angesichts der stärkeren Nachfrage nach vermeintlich sicheren Anlagen gegenüber dem US-Dollar etwas unter Druck geraten. Dämpfend auf den Kurs wirkten zudem Spekulationen, dass die EZB ihr Pandemiekrisenprogramm PEPP wegen einer zweiten Coronawelle aufstocken könnte. Dies könnte im Rahmen der nächsten geldpolitischen Sitzung des EZBRats am 29. Oktober erfolgen. Der Euro sank im Wochenvergleich um rund 1 Cent auf etwa 1,17 % US-Dollar.

DAX gibt deutlich nach

Der am deutschen Aktienmarkt noch zu Wochenbeginn vorherrschende Optimismus ist im weiteren Verlauf der Woche einer merklich kritischeren Haltung gewichen. Das Börsenbarometer DAX, dass noch am Montag über 13.100 Punkte gestiegen war, sackte im Zuge der zunehmenden Angst vor weiteren wirtschaftlichen Beschränkungen in diesem Herbst teilweise auf unter 12.700 Punkte. Der DAX beendete die Handelswoche bei 12.908 Punkten. Er ist damit im Wochenvergleich um 1,1 % gesunken. Der Dow Jones legte hingegen minimal zu, um 0,1 % auf 28.606 Punkte, befördert am Freitag durch gute US-Einzelhandelszahlen.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR