Konjunktur: Stabilisierung der Industrieproduktion …

15.07.2020

 

Im Mai hat sich die steile Talfahrt der Industrieproduktion in Deutschland erwartungsgemäß nicht fortgesetzt.

Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes expandierte die Erzeugung des Verarbeitenden Gewerbes preis-, kalender- und saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um kräftige 10,3 %, nachdem sie im Zuge des Coronavirus bedingten Herunterfahrens des Wirtschaftslebens (Lockdown) im März und April massiv eingebrochen war. Trotz der ab Ende April eingeleiteten Lockerungen von Krisen-Maßnahmen befand sich der Ausstoß im Mai noch immer deutlich unter dem vor dem Krisenausbruch erreichten Niveau (um über 20 %). Verantwortlich für den jüngsten Zuwachs war in erster Linie die Wiederaufnahme der Kfz-Produktion. Im Baugewerbe ist die Produktion im Mai ebenfalls gestiegen, wenn auch nur leicht um 0,5 %. Mit dem jüngsten Produktionszuwachs verdichten sich die Hinweise darauf, dass die Industriekonjunktur ihren Tiefpunkt überwunden hat. Hierauf lässt neben der Aufhellung von Stimmungsindikatoren auch die jüngste Entwicklung der Industrie-Auftragseingänge schließen.

… und der Industrie-Neuaufträge

Die Auftragseingänge der deutschen Industrie haben sich im Mai ebenfalls gefestigt. Sie legten gemäß ersten amtlichen Daten mit einer Verlaufsrate von 10,4 % zu. Im April hatten die Neuaufträge noch um deutliche 22,2 % nachgegeben. Maßgeblich für den merklichen Anstieg waren das Auftragsplus bei den Investitionsgüterherstellern (+20,3 %) und hier insbesondere der Bestellzuwachs bei den Kfz-Produzenten (+44,4 %). Geographisch betrachtet nahm die Nachfrage aus dem Inland (+12,3 %) stärker zu als die Auslandsnachfrage (+8,8 %). Dies verdeutlicht, dass das weltwirtschaftliche Umfeld noch immer schwierig ist. Alles in allem zeigen die jüngsten Industriedaten, dass die gesamtwirtschaftliche Erholung von den Pandemie-Folgen noch am Anfang steht. Im 2. Quartal dürfte das preis-, kalender- und saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) Deutschlands so stark gesunken sein, wie noch nie zuvor seit Beginn der BIP-Vierteljahresrechnung ermittelt. Erste vorläufige amtliche Angaben zur BIP-Entwicklung im Frühjahrsquartal wird das Statistische Bundesamt voraussichtlich am 30. Juli veröffentlichen.

Außenhandel festigt sich ebenfalls

Nicht nur die Industriekonjunktur, auch der grenzüberschreitende Handel Deutschlands hat sich im Mai stabilisiert. Gemäß den aktuellen Daten der amtlichen Außenhandelsstatistik wurden von der deutschen Wirtschaft Waren im Wert von 80,3 Mrd. Euro ausgeführt und Waren im Wert von 73,2 Mrd. Euro eingeführt. Die Ausfuhren lagen damit zwar um 29,7 % unter ihrem entsprechenden Vorjahreswert. Im kalender- und saisonbereinigten Vormonatsvergleich war allerdings, nach außerordentlichen Rückgängen im März (-11,6 %) und April (-24,0 %), im Mai (+9,0 %) erstmals wieder ein Anstieg zu verzeichnen. Die Einfuhren unterschritten das Vorjahresniveau im Mai ebenfalls sichtlich, um 21,7 %. Gegenüber April wurde aber ein leichter Anstieg mit einer Verlaufsrate von 3,5 % gemessen.

Trotz Krisen-Belastungen erneut weniger Insolvenzen

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in die viele Unternehmen und Verbraucher im Zuge der Coronavirus-Pandemie geraten sind, spiegeln sich noch immer nicht in den amtlichen Daten zum Insolvenzgeschehen in Deutschland wider. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte wurden von den Amtsgerichten für April die Beantragung von 1.465 Unternehmens- und 3.283 Verbraucherinsolvenzen gemeldet. Die Anzahl der Firmenpleiten sank damit gegenüber dem Vorjahresmonat um 13,3 %; die Zahl der Verbraucherpleiten gab sogar um 40,1 % nach. Ein Grund für den erneuten Rückgang der Insolvenzzahlen ist, dass der Betrieb der zuständigen Gerichte wegen der Maßnahmen zur Virus-Bekämpfung eingeschränkt war und dass sich die Bearbeitungszeiten dadurch verlängerten. Auch dürften Unternehmen und Verbraucher den Zeitpunkt ihres Insolvenzantrages im Zuge des allgemeinen Herunterfahrens des öffentlichen Lebens ab Mitte März zeitlich nach hinten verschoben haben. Schließlich besteht ein weiterer wichtiger Grund speziell für den Rückgang der Unternehmensinsolvenzen darin, dass die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen mit Wirkung vom 1. März bis zum 30. September ausgesetzt ist.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR