Stärkster Wirtschaftseinbruch jetzt amtlich

03.08.2020

 

Das Bruttoinlandsprodukt des Euroraums ist im 2. Quartal dieses Jahres nach der ersten Schätzung des europäischen Statistikamts Eurostat preisbereinigt um 12,1 % gegenüber dem Vorquartal eingebrochen

Dies war der stärkste Rückgang, der jemals gemessen wurde und reflektiert die Folgen des wirtschaftlichen Lockdowns. Im ersten Quartal war die Wirtschaftsleistung bereits um 3,6 % zurückgegangen. Deutlich überdurchschnittlich fiel der Einbruch mit -18,5 % in Spanien aus, während er in Italien mit-12,4 % nur leicht überdurchschnittlich ausfiel. Der bislang stärkste Rückgang der Wirtschaftsleistung erfolgte während der Finanzkrise. Im 1. Quartal 2009 ging das Bruttoinlandsprodukt um 2,5 % gegenüber dem Vorquartal zurück.

Wirtschaftsklimas Euroraum erneut gestiegen

Die Erholung des Wirtschaftsklimas im Euroraum setzt sich fort. Der von der Europäischen Kommission veröffentlichte Indikator stieg im Juli um 6,5 Punkte auf 82,3 Zähler. Im Februar, beim Beginn der Pandemie, hatte die Kennzahl noch bei 104,3 gelegen und war im April auf 64,8 Punkte eingebrochen. Die Marke von 100 Punkten entspricht dem langjährigen Durchschnitt des Indikators. Der aktuelle Wert ist zwar eine kräftige Verbesserung, das Niveau zeigt aber weiterhin eine schwere Rezession an.

Inflation im Euroraum etwas gestiegen

Die Inflation hat sich im Euroraum im Juli von 0,3 % auf 0,4 % erhöht. Für den damit weiterhin sehr niedrigen Preisauftrieb ist vor allem die Entwicklung der Energiepreise verantwortlich, die 8,3 % niedriger lagen als ein Jahr zuvor. Ohne Berücksichtigung der Energiepreise hätte der Preisanstieg bei 1,4 % gelegen. Überdurchschnittlich verteuerten sich die Preise von Nahrungsmitteln. Unverarbeitete Nahrungsmittel waren im Juli um 3,2 % teurer als ein Jahr zuvor.

Arbeitslosenquote im Euroraum etwas höher

Nur leicht hat sich die Arbeitslosenquote im Euroraum im Juni erhöht. Sie stieg sie saisonbereinigt von 1,7 % auf 7,8 %. Im Februar, zum Beginn der Pandemie, hatte die Rate noch bei 7,2 % gelegen. Damit ist der Anstieg bislang recht moderat geblieben, auch aufgrund des umfassenden Einsatzes von Kurzarbeit in den meisten Ländern des Euroraums. Die Anzahl der Arbeitslosen erhöhte sich nach dem international vereinheitlichten Erhebungsverfahren um 800.000 auf 12,7 Mio. Personen.

Historischer BIP-Rückgang in Deutschland

Die erste Meldung des Statistischen Bundesamts zum Wirtschaftswachstum im 2. Quartal entsprach weitgehend den Erwartungen. Mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 10,1 % zum Vorquartal in preis-, saison- und kalenderbereinigter Rechnung brach die Wirtschaft so stark ein wie noch nie zuvor seit Beginn der vierteljährlichen Statistiken im Jahr 1970. Während der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise war der stärkste Rückgang im 1. Quartal 2009 mit -4,7 % weniger als halb so stark gewesen. Auf der Basis von Frühindikatoren hatten viele Analysten in den vergangenen Wochen mit einem noch stärkeren Rückgang gerechnet. Im 1. Quartal war die Wirtschaftsleistung bereits um 2,0 % zurückgegangen. Die meisten Prognostiker rechnen damit, dass das Aufholen des gesamten Rückgangs der Wirtschaftsleistung nicht vor Ende 2021 abgeschlossen sein wird.

ifo Geschäftsklima erneut gestiegen

Die Stimmung unter den Unternehmen in Deutschland verbessert sich schrittweise. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Juli auf 90,5 Punkte gestiegen, nach korrigierten 86,3 Punkten im Juni. Dies ist der dritte Anstieg in Folge. Die Unternehmen waren sowohl mit ihrer aktuellen Lage merklich zufriedener also auch optimistischer mit Blick auf die kommenden Monate. Auch konnte die vierteljährlich erhobene Kapazitätsauslastung von 70,4 auf 74,9 % gesteigert werden. Sie liegt aber immer noch weitunter ihrem langfristigen Durchschnitt von 83,5 %.

Abwärtstrend am Arbeitsmarkt gestoppt

Die Bundesagentur für Arbeit meldete im Juli keinen weiteren coronabedingten Anstieg der Arbeitslosigkeit. Zwar steht der Arbeitsmarkt nach Einschätzung der Behörde weiterhin unter Druck, doch zeigten die Lockerungen und die staatlichen Hilfsprogramme Wirkung. Die Zahl der Arbeitslosen erhöhte sich von 2,85 auf 2,91 Mio. Personen, um saisonale Faktoren bereinigt verringerte sie sich aber sogar leicht. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote blieb im Juli unverändert bei 6,4 %.

Inflationsrate negativ

Die Inflationsrate ist in Deutschland zum ersten Mal seit vier Jahren wieder negativ geworden. Der Verbraucherpreisanstieg verringerte sich im Juli um 0,1 % nach 0,9 % im Juni. Negativ auf die Teuerung wirkte sowohl der Rückgang der Energiepreise als auch die zum Juli wirksam gewordene vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR