Starke Woche für Aktien trotz Corona

12.10.2020

Die Aktienmärkte begannen die Handelswoche mit einer Erholung nach vier Verlusttagen in Folge in der Vorwoche. Insbesondere legten die Autoaktien merklich zu.

Die Anleger spekulierten darauf, dass sich Republikaner und Demokraten auf ein Konjunkturpaket einigen würden. Gleichzeitig nahm die Verunsicherung aufgrund der Coronainfektion des US-Präsidenten Donald Trump wegen seines vermeintlich besseren Gesundheitszustands ab. Zuvor hatten widersprüchliche Angaben zum Krankheitsverlauf des Staatschefs die Öffentlichkeit wie auch die Marktteilnehmer verwirrt.

Im weiteren Wochenverlauf profitierten die Dividendentitel von besseren Konjunkturdaten. In Deutschland stützen die steigenden Auftragseingänge der Industrie im August die Kurse. Die deutsche Industrie erhielt im August 4,5 % mehr Aufträge als im Vormonat. Gemäß der Konsensschätzung hatten Ökonomen im Schnitt nur mit einem Anstieg der Auftragseingänge um 2,8 % gerechnet. Etwas schwächelnde Produktionszahlen im August konnten das Bild nicht trüben.

Die Entscheidung des US-Präsidenten Trump, auf neue Konjunkturhilfen vor der Wahl im November zu verzichten, überraschte die Märkte. Dennoch blieben die Kurse stabil. Hierzu trugen auch weitere, widersprüchliche Meldungen bei, wie etwa die vom Stabschef geäußerte Bereitschaft, einzelne Hilfen zusammen mit den Demokraten zu verabschieden.

Von den steigenden Infektionszahlen in Deutschland wie auch weltweit und den zunehmenden Einschränkungen zur Eindämmung der Ausbreitung des Virus zeigten sich die Märkte unbeeindruckt. Hierzu trug zum einen bei, dass die Chancen für ein weiteres Konjunkturprogramm der US-amerikanischen Regierung von den Marktteilnehmern wieder deutlich positiver eingeschätzt werden, zum anderen erzeugten mehrere Firmenausblicke Optimismus. In Deutschland wie auch in anderen Ländern Europas erhöhen sich die Infektionszahlen substanziell und die Anzahl der Risikogebiete stieg. Dessen ungeachtet ging der DAX am Freitag, dem 9. Oktober, mit einem Wochenplus von 2,9 % auf 13.051 Punkte aus dem Handel. Der Dow Jones legte um 3,3 % auf 28.586 Punkte zu.

Peripherieanleihen gefragt

Der weiter tendenziell zunehmende Anlegeroptimismus ließ die Anleihekurse in den USA steigenund drückte entsprechend auf die Renditen der Anleihen. In den USA lag die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen am Freitag, dem 9. Oktober um 8 Punkte höher als eine Woche zuvor. In Deutschland fiel der Anstieg mit 0,3 Basispunkten auf rund -0,53 % kleiner aus. Hoch im Kurs lagen bei den Anlegern Anleihen der Euro-Peripheriestaaten Besonders ragte Griechenland heraus. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen Griechenlands rutsche auf einen neuen Tiefstand. Sie notierte am Freitag, dem 9. Oktober, bei gut 0,87 %, 11 Basispunkte niedriger als eine Woche zuvor. Damit lag die Rendite fast auf dem Niveau der US-Anleihen.

Trump und Sturm lassen Rohölpreise steigen

Am Anfang der Woche hat die Aussicht auf eine rasche Genesung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump von COVID-19 den Ölpreis Auftrieb gegeben. Im weiteren Wochenverlauf hielt der Auftrieb zunächst an, auch infolge von wetterbedingten Produktionsausfälle an der US-Golfküste. Infolge des Wirbelsturms Delta haben die Ölgesellschaften bereits damit begonnen, ihre Offshore-Ölplattformen zu evakuieren. Zur Wochenmitte dämpfte unter anderem die Meldung, dass die US-Lagerbestände an Rohöl in der vergangenen Woche nach Regierungsangaben um 500 000 Barrel gestiegen sind. In der zweiten Wochenhälfte stieg der Optimismus über erneute Konjunkturhilfen und mit ihm der Ölpreis. Hinzu kamen weitere Evakuierungen von Ölplattformen mit der Folge hoher Produktionsausfälle. Rohöl der Sorte Brent notierte am Freitag, dem 9. Oktober mit 42,95 Dollar pro Barrel um 3,6 Cent höher als eine Woche zuvor, WTI-Öl verteuerte sich um 3,5 Cent auf 40,44 Dollar.

Türkische Lira verliert weiter

Der Absturz der türkischen Lira hat sich fortgesetzt. Am Freitag erreichte die Währung gegenüber dem Euro mit 9,33 Lira pro Euro einen neuen Tiefstand, zum Jahresbeginn hatte der Kurs noch mit 6,68 Lira 28 % niedriger gelegen. Ursache des Abwärtsdrucks sind vor allem die politischen Konflikte. Hierzu zählen der Streit zwischen der Türkei und Griechenland um Gasvorkommen im Mittelmeer sowie die Intervention in den Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan. Für Verunsicherung sorgte auch die Meldung des ehemaligen Chefs des türkischen Statistikamts und heute Oppositionspolitiker, dass die türkischen Wirtschaftsdaten von der Realität losgelöst seien. Der Euro notierte im Wochenvergleich mit rund 1,18 Dollar pro Euro wenig verändert zur Vorwoche (+1 Cent).

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR