Starker Rückgang der Erwerbstätigenzahl

26.08.2020

 

Im Zuge der Coronakrise ist die Erwerbstätigenzahl in Deutschland im 2. Quartal so stark zurückgegangen wie noch nie seit der Wiedervereinigung.

Wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Angaben mitteilte, sank die Anzahl der Personen, mit inländischem Arbeitsort, gegenüber dem Vorquartal saisonbereinigt um 618.000 oder 1,4 % auf 44,7 Mio. Menschen. Nicht-saisonbereinigt gab die Erwerbstätigenzahl im Vorquartalsvergleich um 397.000 oder 0,9 % nach. Die Entwicklung verlief damit anders als jahreszeitlich üblich. Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre war die Erwerbstätigenzahl im 2. Quartal wegen der allgemeinen Frühjahrsbelebung noch um 409.000 gestiegen. Im Vergleich zum 2. Quartal des Vorjahres nahm die Erwerbstätigkeit um 574.000 Personen ab. Der stärkste Rückgang war dabei im Dienstleistungssektor (-369.000) zur verzeichnen und hier insbesondere im Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe (-272.000). Auch bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern (-10.000) war die Zahl der Erwerbstätigen rückläufig. Im Bereich Öffentliche Dienstleistungen, Erziehung, Gesundheit (+141.000) nahm sie allerdings weiter zu, offenbar gestützt durch den anhaltenden Beschäftigungsaufbau bei Kindertagesstätten und den wegen der Coronapandemie gestiegenen Personalbedarf in medizinischen Einrichtungen.

Deutlich mehr Baugenehmigungen

Trotz der Belastungen durch die Coronapandemie scheint die Baukonjunktur hierzulande weiterhin aufwärtsgerichtet zu sein. Dies legen neben den vergleichsweise stabilen Verlaufsdaten zur Bauproduktion auch die jüngsten amtlichen Angaben zu den Baugenehmigungen nahe. So ist die Anzahl der Genehmigungen für den Bau von Wohnungen im Juni gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat um merkliche 22,4 % auf 34.300 gestiegen. Grund für den ungewöhnlich kräftigen Anstieg sind vor allem einige Großprojekte im Neubaubereich sowie die verzögerten Meldungen und Nachlieferungen aus einigen Bauämtern, die wegen virusbedingter Arbeitsbeschränkungen erst später erteilt wurden. Im von kurzfristig wirkenden Faktoren weniger stark beeinträchtigten Zeitraum der Monate Januar bis Juni stieg die Zahl der genehmigten Wohnungen um 7,0 %. Bei Nichtwohngebäuden – wie beispielswiese Fabrikgebäuden, Lagerhallen und Bürogebäuden – kam es ebenfalls zu einem Anstieg. Im ersten Halbjahr 2020 lag der Rauminhalt von genehmigten Gebäuden um 15,5 % über dem entsprechenden Wert des Vorjahres.

Leichtes Plus beim Einzelhandelsumsatz

In Deutschland konnten die Einzelhandelsunternehmen im ersten Halbjahr ihren Umsatz ungeachtet der Coronakrise leicht erhöhen. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes legte der Gesamtumsatz gegenüber dem zweiten Halbjahr 2019, dem Halbjahr vor dem Krisen- Ausbruch, preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,8 % zu. In den einzelnen Handelsbranchen zeigten sich jedoch unterschiedliche Tendenzen. Besonders günstig verlief die Entwicklung im Online- und Versandhandel (+16 %), der stark von der zeitweisen Schließung von stationären Geschäften profitieren konnte. Ein sehr starker Umsatzzuwachs war aber auch im Einzelhandel mit Nahrungs-, Genussmitteln, Getränken und Tabakwaren an Verkaufsständen und auf Märkten (+15,1 %) zu verzeichnen. Befördert wurde dieser Zuwachs offensichtlich dadurch, dass die Verbraucher verstärkt unter „freiem Himmel“ einkauften, da hier eine Übertragung des Coronaviruses weniger wahrscheinlich ist, als im Innenbereich von Gebäuden. Auch im Einzelhandel mit Metallwaren, Anstrichmitteln, Bau- und Heimwerkerbedarf (+14,2 %) wurde ein deutliches Absatzplus erzielt, da viele Konsumenten während des Lockdowns in ihrem Wohnumfeld Verschönerungs-, Reparatur- und Sanierungsmaßnahmen vornahmen. Im Gegensatz dazu mussten die Einzelhandelsfirmen in den Bereichen Bekleidung (-29,0 %), Antiquitäten und Gebrauchtwaren (–25,2 %) sowie Schuhe und Lederwaren (-25,0 %) erhebliche Umsatzeinbußen hinnehmen. In naher Zukunft dürfte das Wachstum des Gesamtumsatzes anhalten. Dafür spricht die zeitweise Verminderung der Mehrwertsteuersätze, die Kaufanreize liefert, aber auch das Konsumklima, welches sich inzwischen vom krisenbedingten Einbruch etwas erholt hat.

Anstieg der Euroraum-Inflationsrate bestätigt

Eurostat hat inzwischen seine Ende Juli veröffentlichten vorläufigen Schätzungen zur Euroraum- Inflationsrate bestätigt. Demnach ist die Inflationsrate des Währungsraums geringfügig von 0,3 % im Juni auf 0,4 % im Juli gestiegen. Zur leicht höheren Preisdynamik trugen unter anderem die Energiepreise bei, die sich im Juli weniger stark verbilligten als zuvor (-8,4 % gegenüber -9,3 %). Befördert wurde die Gesamtwicklung aber auch durch die Preise für Nicht-Energie-Industriegüter, die sich nach einem nur geringfügigen Anstieg im Juni (+0,2 %) im Juli (+1,6 %) deutlicher verteuerten.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR