Konjunktur: Stimmungsindikatoren senden unterschiedliche Signale

15.04.2020

 

Im April tendieren der ifo Geschäftsklimaindex und die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland uneinheitlich.

Der auf einer Unternehmensumfrage basierende ifo Geschäftsklimaindex gab nach einem erheblichen Rückgang im Vormonat nochmals massiv nach, von 85,9 Punkten im März auf 74,3 Punkte im April. Der Stimmungsindikator ist damit so stark zurück-gegangen wie noch nie. Grund für den Einbruch war in erster Linie die aktuelle Geschäftslage, die von den befragten Unternehmen im Zuge des virusbedingten Herunterfahrens der wirtschaftlichen Aktivitäten erheblich schlechter bewertet wurde als zuvor.

Zum Rückgang des Geschäftsklimas trugen aber auch die Erwartungen bei, die nochmals pessimistischer beurteilt wurden. Die Verschlechterung des Geschäftsklimas war breit angelegt. Sowohl im Verarbeitenden Gewerbe als auch im Bauhauptgewerbe, im Handel und im Dienstleistungssektor (ohne Handel) hat sich die Stimmung stark verdüstert. Die ZEW-Konjunkturerwartungen haben sich hingegen jüngst et-was vom Absturz des Vormonats erholt. Der auf Grundlage einer Finanzmarktexperten-Umfrage ermittelte Indikator ist im April um 77,7 Punkte auf 28,2 Punkte gestiegen. Offenbar schätzen die Experten die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Verschlechterung der bereits sehr schlechten Wirtschaftslage als wenig wahrscheinlich ein und sehen aus heutiger Perspektive eine Verbesserung in 6 Monaten. Der ZEW-Lageindikator ist aber im April um 48,4 Punkte auf -91,5 Punkte gesunken.

Konsumklima im freien Fall

Im Zuge der Corona-Krise hat sich die Stimmung nicht nur in den Unternehmen, sondern auch bei den Verbrauchern weiter verschlechtert. Das anhand einer monatlichen Verbraucherumfrage berechneten GfK-Konsumklima ist von 8,1 Punkten im März auf 2,3 Punkte im April gefallen. Zudem erwarten die GfK-Fachleute für Mai mit einem abermaligen Rückgang des Indikators auf dann -23,4 Punkte. Grund für die dramatische Verschlechterung der Konsumentenstimmung seien die Einkommenserwartung und die Anschaffungsneigung, die angesichts der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie erheblich zurückgingen. Demgegenüber verschlechterten sich die Konjunkturerwartungen der Verbraucher nach GfK-Angaben nur moderat. Alles in allem legen die Verläufe des GfK-Konsumklimas, des ifo Geschäftsklimas und der ZEW-Konjunkturerwartungen unisono nahe, dass das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands im 1. Und 2. Quartal massiv einbrechen wird. Mit einer Erholung ist frühestens im 3. Quartal zu rechnen.

Verbrauchervertrauen bricht weiter ein

Nicht nur in Deutschland, auch im Euroraum als Ganzes hat sich die Stimmung unter den Verbrauchern angesichts der andauernden Corona-Krise weiter verdüstert. Nach vorläufigen Angaben der EU-Kommission ist der Index des Verbrauchervertrauens im April gegenüber dem Vormonat um 11,1 Punkte auf -22,7 Punkte gesunken. Der Stimmungsindikator war bereits im März sichtlich gesunken. Er befindet sich deutlich unter seinem langfristigen Mittelwert von -11,1 Punkten und in der Nähe seines während der großen Rezession 2008/2009 erreichten Niveaus. Die rasante Talfahrt des Verbrauchervertrauens legt nahe, dass die Konsumausgaben im 1. Quartal merklich zurück gegangen sind und damit auch das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Erste vorläufigen amtlichen Angaben zur BIP-Entwicklung im Jahresauftaktquartal werden von Eurostat an diesem Donnerstag, dem 30. April, veröffentlicht.

Schuldenquote 2019 auf 84,1 % gesunken

Die Lage der öffentlichen Finanzen hat sich im Euroraum im Vorfeld der Corona-Krise weiter verbessert. Wie Eurostat anhand erster Berechnungen mitteilte, ist die Schuldenquote, welche die gesamtstaatlichen Schulden in Relation zum Bruttoinlandsprodukt setzt, von 85,8 % zum Jahresende 2018 auf 84,1 % zum Jahresende 2019 zurück gegangen. Innerhalb des Währungsraums wurden für Griechenland (176,6 %) und Italien (134,8 %) erneut die höchsten Quoten ermittelt. Die niedrigsten Schuldenquoten wiesen abermals Estland (8,4 %) und Luxemburg (22,1 %) auf. Die gesamtstaatliche Schuldenquote Deutschlands lag nach derzeitigen amtlichen Angaben Ende 2019 bei 59,8 % und damit erstmals seit der globalen Rezession 2008/2009 wieder unter der Maastricht-Obergrenze von 60 %. Im Zuge der aktuellen Maßnahmen zur Abfederung der wirtschaftlichen Corona-Pandemie-Folgen dürfte die Schuldenquote 2020 deutlich steigen. Dies gilt sowohl für die Quote Deutschlands als auch für den Euroraum als Ganzes.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR