Finanzmärkte: Timely, targeted, temporary & transformative

02.06.2020

Zu Beginn dieser Woche soll das Konjunkturprogramm der Bundesregierung auf den Weg gebracht werden.

Es stehen umfangreiche Maßnahmen an, welche die deutsche Volkswirtschaft aus der tiefen Rezession beschleunigt herausholen sollen. Unstrittig scheinen die drei „t“: timely, targeted, temporary und all das im optimalen Fall transformative. Letzteres lässt sich wiederum durch die drei „d“ treffend umschreiben: Digitalisierung, Dekabonisierung und Demografischer Wandel. Ein gutes Konjunkturprogramm soll somit zum richtigen Zeitpunkt, zielgerichtet und zeitlich begrenzt Anwendung finden. Dabei sollen fällige Strukturwandel beschleunigt werden. Und hierbei wird es bereits kompliziert. Ein kontroverses Thema sollte eine mögliche Kaufprämie für Neuwagen werden. Denn selbst wenn diese, wie zuletzt kolportiert mit einer inversen Staffelung für gemessen am CO2 Ausstoß steigen sollte, würde sie doch nochmals bestehende Strukturen in der Autoindustrie verfestigen. Transformative wäre dies nicht. Allerdings würde es der Autoindustrie helfen, ihre Lager zu räumen und zumindest finanziell gestärkt in den Strukturwandel zu gehen. Demgegenüber steht das Argument, dass die Autoindustrie bereits in der letzten Dekade den Strukturwandel nicht zielstrebig genug angegangen ist. Der Steuerzahler würde nun die Rechnung für Managementfehler begleichen. Politökonomisch spricht dennoch einiges für eine Neuauflage der Abwrackprämie. Die Autoindustrie ist inklusive der Zulieferbetriebe nicht nur als Arbeitgeber für die deutsche Volkswirtschaft überaus relevant. Die zahlreichen Mitarbeiter sind eben auch Wähler für die anstehenden Bundestagswahlen 2021. Ebenso wie die vielen Familien, denen ein einmaliges Kindergeld in Höhe von 300 Euro in Aussicht steht. Den Familien, die Unterstützung bräuchten, hilft das nur kurz und als Anerkennung für bisher 12 Wochen Kinderbetreuung erscheint es zu gering. In beiden Fällen fehlt das targeted. Zielführender sind jedoch Ansätze des steuerlichen Verlustrücktrages der Lockdown-Kosten. Eine deutlich verbesserte Absetzbarkeit von Kosten für Forschung und Entwicklung (drei „d“) würde auch der Autoindustrie in ihrer Transformation nützen. Und den Familien wäre sicherlich mit Investitionen in das Angebot von Ganztagsbetreuung und der Digitalisierung von Schulen deutlich mehr geholfen. Deutschland hat in der Krise die Chance die Weichen nicht nur kurzfristig, sondern transformativ zu stellen.

Risk-on

Bundesanleihen waren in der letzten Woche weniger gefragt. An den Märkten herrschte Risikoappetit, der sich auf den sicheren Hafen negativ auswirkte. So stiegen die Renditen von Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit im Wochenverlauf leicht auf -0,44 %, nachdem sie zwischenzeitlich bis auf -0,38 % gestiegen waren. Ursächlich war in der vergangenen Woche die Vorstellung eines Konjunkturprogrammes mit einem Volumen von bis zu 750 Mrd. Euro durch die EU-Kommission. Auch wenn dieses Programm zunächst noch beschlossen werden muss, sorgte es für positive Stimmung am Markt. Von dem Risk-on Modus profitierten auch italienische (-0,09 % auf 1,49 %) und spanische (-0,23 % auf 0,59 %) Anleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit.

Öl weiter durch Konflikte belastet

Am Ölmarkt wirkt sich neben den Auswirkungen der Corona-Pandemie weiterhin der sich zunehmend verschärfende Streit zwischen China und den USA aus. Insbesondere am Donnerstag und Freitag der vergangenen Woche sanken die Kurse zunächst. Im Laufe des Handelstages stiegen die Kurse allerdings wieder an, sodass im Wochenverlauf ein leichtes Plus von etwa 2 US-Dollar (WTI: 35,20 USD pro Barrel), während Brent in etwa auf dem Niveau vom Wochenbeginn von 35 USD, notierte. Am Pfingstmontag kamen Gerüchte auf, wonach sich die OPEC+ Länder auf eine Verlängerung der Förderkürzung um ein bis zwei Monate geeinigt hätten. Die ursprüngliche Vereinbarung hatte eine Kürzung der Fördermenge im Mai und Juni sowie einer ab Juli gestaffelten Ausweitung beinhaltet.

Neuer Höchstwert seit Corona-Einbruch

Der Deutsche Aktienindex DAX hat in der vergangenen Woche mit 11.813 Punkten den höchsten Stand seit Anfang März erreicht. Die Aussichten auf eine weltweite Reduzierung der Lockdown-Maßnahmen sowie möglicher medizinischer Erfolge gegen das Coronavirus sorgten für gute Stimmung an den Aktienmärkten. Am Freitag kamen jedoch Sorgen hinsichtlich neuer Handelskonflikte zwischen China und den USA auf. Ursächlich ist der durch Peking veränderte Status Hong Kongs. Damit gehen auch weitreichende Handelsausnahmen für die Inselstadt verloren. Der DAX sank im Zuge der Furcht am Freitag um 1,65 %. Im Wochenverlauf blieb jedoch ein Zuwachs vom 4,6 % auf 11.587 Punkte. Der Dow Jones verbuchte im Wochenverlauf einen Zugewinn von 3,8 % auf 25.383 Punkte.

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR